Das oberfränkische Gräfenberg wurde erstmals im Jahr 1172 urkundlich erwähnt. Die Nürnberger Patrizierfamilie Haller hatte seit 1333 die Herrschaft im Ort inne. König Karl IV. verlieh dem Ort im Jahr 1371 das Stadtrecht. Am 4. Juni 1567 vernichtete der große Stadtbrand alle Häuser innerhalb der Stadtmauern.

Im 16. Jahrhundert erwarb die Reichsstadt Nürnberg Gräfenberg. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss (Säkularisation) kam der Ort 1803 zu Bayern. Am 30. und 31. Juli 1866 wurde während des Deutschen Bruderkriegs in dem Ort, der Hauptquartier der vorrückenden Preußen war, ein Waffenstillstand ausgehandelt.

Eine Heldengeschichte

Der bedeutendste Gräfenberger im Mittelalter war der Minnesänger Wirnt von Gräfenberg, dem die Stadt am Marktplatz mit dem Brunnen ein bleibendes Denkmal schuf.


Ortschronist Pfarrer Adler schrieb 1850 über ihn: "Wirnt ist so berühmt geworden, dass es eine Unehre für die Bewohner Gräfenbergs wäre, ihn nicht zu kennen. Dieser Wirnt war ein edler, zu seiner Zeit hochgebildeter Ritter, und hinterließ ein Heldengedicht: Wigalois der Ritter mit dem Rade."

Pfarrer Adler beschreibt den Ort wie folgt: "Da der Ort gegen Südost, Nordost und Nordwest von ziemlich hohen Bergen gegen raue Winde geschützt und nur gegen Südwest offen ist, so eignet er sich mit seiner nächsten Umgebung an den Berghängen umso mehr zu Garten- und Obstbau, als der Boden aus sehr fruchtbaren Be
standteilen zusammen gesetzt ist."

Das Städtchen habe "eine äußerst liebliche Lage. Amphitheatralisch streckt es sich, fast in der Form eines Halbmondes an drei Bergen und üb die dazwischen liegende Fläche hin. Das nördliche Thor heißt das Schwemm- oder Egloffsteiner, das östliche das Pfaffen- oder Hiltpoltsteiner und das südliche das Gesteiger-Thor. Vom ersten bis zum letzten Thore mit Ausnahme der Südseite, auf welcher der ehemalige schöne Schlossgarten liegt, ziehet sich die Vorstadt herum". Den Menschen im Ort schreibt Pfarrer Adler "großen Fleiß und Sparsamkeit mit Genügsamkeit" zu, Davon zeuge auch ihr Feldbau und der Obstbau.

Verbindung mit der Eisenbahn

An kirchlichem Sinne und Liebe zur Wohltätigkeit fehle es in Gräfenberg gleichfalls nicht. "Die Liebe zum Trunke, diese altdeutsche Tugend, wird nicht viel übertrieben und erregt nur zuweilen bei einzelnen aus der Jugend Kraftäußerungen der Stimme und der Faust", schreibt Adler weiter. Die Jugend suche ihr Fortkommen häufig in Nürnberg. Viele seien zudem vor Jahren nach Nordamerika ausgewandert.

Im Jahr 1886 begann für Gräfenberg mit der Gründung des Verkehrsvereins die Ära des Tourismus. In jenem Jahr wurde die Eisenbahnverbindung von Erlangen nach Gräfenberg fertiggestellt, schreibt Vereinschronist Gerhard Gundelfinger. "Damit ergab sich für breite Bevölkerungsschichten im Raum Nürnberg/Fürth/Erlangen erstmals die Möglichkeit, Ausflüge nach Gräfenberg und seinem reizvollen Hinterland zu machen und noch am Abend des gleichen Tages wieder heimzukommen", schreibt er weiter.
Und das ist bis heute so geblieben. Die Eisenbahnstrecke Nürnberg-Nordost- Gräfenberg bringt die Ausflüger in die Region: zum Wandern und zum Einkehren.

25.000 Besucher pro Jahr

Beides miteinander verbindet seit 2008 der mittlerweile äußerst beliebte "5-Seidla-Steig", der in Weißenohe beginnt und bis nach Thuisbrunn führt. Unterwegs führt der zehn Kilometer lange Weg an fünf Brauereien vorbei; daher auch der Begriff "Fünf-Seidla".

Wer sämtliche Stationen auf dem meistert, kann sich im Anschluss als Erinnerung eine Sonderausgabe des Bierkruges zum Vorzugspreis mit nach Hause nehmen. Rund 25.000 Besucher sollen den Weg Jahr für Jahr ablaufen.