Tausende Gläubige im Landkreis machen sich am Sonntag auf den Weg zu den Friedhöfen. Doch nicht alle Pfarreien sind heuer bereit für den Friedhofsgang an Allerheiligen. Denn als Veranstalter sind die jeweiligen Pfarreien dafür verantwortlich, dass die Corona-Auflagen eingehalten werden.

"Diese Bedingungen mögen funktionieren, wenn in einer Großstadt bei einem sehr großen Friedhof eine überschaubare Menge von vielleicht knapp 100 Menschen kommen wollen", schreibt Hans Baumann, der Vorstand des Pfarrgemeinderates in Buckenhofen auf der Homepage der Gemeinde.

"Doch bei unseren Friedhofsgängen sind es in der Regel circa 500 Menschen, die mitfeiern möchten." So viele Menschen coronasicher durch den Friedhofsgang zu begleiten, das könnten die ehrenamtlichen Helfer zusammen mit dem Pfarrer nicht leisten.

Blick nach Indien

"Eigentlich sind wir alle traurig, aber die Gesundheit geht vor", sagte Pfarrer Mariadas Kalluri unserer Zeitung, nachdem entschieden war, den Friedhofsgang in Buckenhofen ausfallen zu lassen. "Es ist eine große Verantwortung", betont der indische Theologe und erinnerte an die "katastrophalen Bedingungen" in seinem südindischen Heimatort Vizag. Dort sei man weit entfernt, die Corona-Lage nur annähernd kontrollieren zu können. "Es gibt keine medizinische Hilfe, viele Menschen haben nur Angst, weil sie denken, es ist wie die Pest."

Trotz der nun wieder verschärften Corona-Auflagen spricht Nicole Schmittlutz, die Sachgebietsleiterin der Forchheimer Friedhöfe, von einer "Normalität mit viel Klärungsbedarf".

In der Großen Kreisstadt ist geklärt, dass die Friedhofsgänge auf den beiden städtischen Friedhöfen stattfinden. "Wir haben Rücksprache mit größeren Städten gehalten, man will ja eine einheitliche Lösung, sagt Nicole Schmittlutz. "Und auch der Städtetag sieht kein Problem."

Für die Stadt Forchheim bedeutet dies, dass sie wie jedes Jahr zu Allerheiligen für die Rahmenbedingungen sorgt: "Die Kirche richtet den Friedhofsgang aus und wir steuern das Equipment bei. Wir bringen den Blumenschmuck, wir leeren die Körbe und mähen den Rasen", erklärt Schmittlutz. Lautsprecher und Mikrofone müssten installiert, Lorbeerbäumchen aufgestellt werden. Der 1. November bedeute schon immer auch Stress für die Mitarbeiter am Friedhofsamt.

Gut beschäftig war in den vergangenen Tagen auch Nadin Beer, die Pfarrsekretärin von St. Anna Weilersbach. Corona bedeute ja zum Beispiel "Gottesdienstplanung mit Sitzplatzreservierung". Gerade die Hochfeste seien "gut frequentiert". Pfarrer Oliver Schütz ist in Weilersbach und Kirchehrenbach im Einsatz. Ohne ehrenamtliche Unterstützung wäre das Pensum dieses coronabedingten "Totengedenkens mit Abstand" nicht zu bewältigen, erzählt Nadin Beer.

Wortgottesleiter aus Weilersbach und Kirchehrenbach gestalten jeweils um 14 Uhr das Totengedenken und die Gräbersegnung mit.

Was geht?

"Was geht, was geht nicht - die Unsicherheit ist da gewesen", schildert Martin Emge die Vorbereitung auf den Friedhofsgang unter Corona-Bedingungen. Der Pfarrer von St. Martin in Forchheim ist froh über die "Orientierung", die das Friedhofsamt gegeben habe. Nach einer "Vorbereitung mit Hindernissen" sei eine "Klärung mit Augenmaß" gelungen.

An den Gräbern verteilt

"Das eigentliche Problem haben die kleinen Friedhöfe, auf dem städtischen Friedhöfen in Forchheim ist das anders", sagt Martin Emge: "Da können sich die Menschen an den Gräbern verteilen. Wir beschallen sie mit den Lautsprechern." Für nicht kontrollierbar halte er eine zahlenmäßigen Begrenzung auf dem Friedhof: "An das Grab des Angehörigen zu gehen, das kann ich doch keinem verwehren."