In der Corona-Krise haben viele Landkreisbürger ihre Freude am Aufräumen entdeckt. "Die Leute hatten Zeit zum Entrümpeln", sagt Gerhard Raab, der Leiter der Kreis-Deponie in Gosberg. Allerdings wollten die Bürgerinnen und Bürger so viel wegwerfen, dass es "fast zum Kollaps" des Entsorgungssystems gekommen wäre, resümiert Raab die Situation der vergangenen Wochen. Auch deshalb, weil Bamberg zeitweise mit der Verbrennung des Forchheimer Mülls überfordert war und Forchheim nach Schweinfurt ausweichen musste.

Zum Resümee der Abfallentsorgung in Zeiten von Corona gehört auch diese Einsicht: Die Landkreisbürger hängen an ihren Wertstoffhöfen. Um den Betrieb unter "Pandemie-Bedingungen" zu gewährleisten, hatte sich die Kreis-Verwaltung entschlossen, das Aufsichtspersonal in den Höfen zu verdoppeln. Jeweils zwei Helfer unterstützen die Bürger beim Abladen von Grüngut, Metall, Elektro-Altgeräten und Papier.

Bürger und Politiker protestieren

Folge: Mangels Personal blieben 16 der 30 Wertstoffhöfe geschlossen. Viele Bürger hätten sich bei der Behörde gemeldet und auf die schnelle Wiedereröffnung aller Wertstoffhöfe gedrängt, sagt Holger Strehl, der Pressesprecher des Landratsamtes.

Auch die Kreisräte haben Druck ausgeübt. Denn im Umwelt-Ausschuss stand vergangenen Woche zur Disposition, künftig mit nur noch 14 Wertstoffhöfen auszukommen. Ein entsprechender Vorschlag der Verwaltung lautet: "Die Erfahrungen aus den letzten Wochen haben gezeigt, dass eine Entsorgung der Wertstoffe im Bring-System auch mit der gegenwärtigen Anzahl an Wertstoffhöfen mit doppelter Besetzung gewährleistet werden kann." Zwar habe es zuletzt "Staus bei der Annahme" gegeben, beobachteten die Abfall-Experten des Kreises; aber dies sei lediglich Folge der "Abstandsregelungen infolge der Corona-Auflagen".

Doch den Vorstoß, 16 Wertstoff-Höfe abzuschaffen, hat der Umwelt-Ausschuss vergangene Woche vom Tisch gewischt. Heinrich Kögel, der das Abfallwirtschaftsmanagement am Landratsamt leitet, hatte argumentiert, dass es besser sei, 13 Wertstoffhöfe mit "gutem Standard" zu betreiben. Zumal die Höfe "gut vernetzt sind" - die etwas weiteren Wege seien zumutbar.

"Wir sind für moderne Dienstleistung", hielt Manfred Hümmer (FW) entgegen. Die geplante Schließung der Höfe werde weder dem Verbraucherverhalten noch der demografischen Entwicklung gerecht. Gerade für ältere Menschen könne "ein wohnortnaher Wertstoffhof die Glückseligkeit bedeuten", meinte Hümmer.

"Ein bisschen dreist"

Der politische Wille, sämtliche 30 Höfe zu betreiben, stehe seit Ende 2019 fest, erinnerte Wolfgang Fees (SPD). Daher sei es "fast ein bisschen dreist", die Schließung der Wertstoffhöfe auf die Tagesordnung zu bringen. Dieser "Bürgerservice" dürfe keinesfalls geschmälert werden.

Auch unter umweltpolitischen Gesichtspunkten sei die geplante Schließung inakzeptabel: Rund 50 Prozent der rund 30 000 Haushalte des Landkreises wären betroffen. Sie würden dann jährlich rund zwei Millionen Kilometer mit dem Auto unterwegs sein, um ihren Müll abzutransportieren, rechnete Fees vor. "Wir behalten unsere Wertstoffhöfe!"

Das war Konsens im Umweltausschuss. Seit dem Wochenende sind wieder sämtliche 30 Wertstoffhöfe in Betrieb.