Die Versuche, den Forchheimer Bahnhof barrierefrei zu gestalten, reichen bis in das Jahr 2014 zurück. Damals hatte nicht nur Sebastian Körber (FDP-Sadtrat und Beauftragter für Barrierefreiheit) versucht, etwa einen Plattform-Lift nach Forchheim zu bekommen. In all den Jahren habe er die Erfahrung gemacht, dass die Bahn "nach Schema F" vorgehe, sagt Körber. Wünsche aus kleinen Städten wie Forchheim würden als "Störanfragen" empfunden.

Ein barrierefreier Bahnhof sei einem Oberzentrum nicht nur angemessen, sondern sei eine Visitenkarte für Forchheim, sagt Sebastian Körber. Wenn die Aufzüge nun endlich funktionierten, käme diese Barriere-Freiheit "zwei Jahre zu spät".

Karl T. (Name von der Redaktion geändert) hat sich, obwohl er auf den Rollstuhl angewiesen ist, an die Barrieren fast schon gewöhnt. Seit Dezember setzt sich der Landkreis-Bürger bei seinen wöchentlichen Bahn-Fahrten nach Staffelstein und Nürnberg einer mühevollen Prozedur aus: Mit dem Bus aus Richtung Gräfenberg kommend, muss sich Karl T. am Forchheimer Bahnhof zu allererst nach Helfern umsehen; nach Menschen, die ihn und seinen Rollstuhl in die Bahnhofsunterführung hinunter und von dort zum Gleis hinauftragen.

Vor zwei Tagen kam der 52-Jährige erstmals in den Genuss eines barrierefreien Forchheimer Bahnhofes. Mechaniker, die die Aufzüge im Auftrag der Bahn probeweise in Betrieb nahmen, luden Karl T. zu einer Fahrt auf den Bahnsteig ein.

Ab Juni werden funktionierende Aufzüge hoffentlich der Normalzustand sein. Alfons Plenter (Leiter des ICE-Projekt-Abschnittes bei Forchheim) bestätigte dem FT am Freitag: "Ende nächster oder Anfang übernächster Woche gehen die Aufzüge in Betrieb." Auch der West-Zugang werde bis Ende Juni fertig gebaut sein, betonte Alfons Plenter.

Und René Franz, der Chef des Forchheimer Bauamtes, geht davon aus, dass auch der von der Stadt betriebene Aufzug am Ost-Ausgang des Bahnhofs "im Juli fahren wird". Die Stadt hatte das Problem, für ihren Aufzug den Strom der Bahn nicht mitnutzen zu können. Die Stadtwerke müssen eigene Leitungen legen. "Anfang Juni kommt der Originalstrom vor Ort", sagt der Bauamtschef.
Die beiden Behindertenparkplätze auf dem Pendlerparkplatz neben dem Ost-Ausgang hat das Stadtbauamt bereits ausgewiesen. Auch Karl T. hatte diese Parkplätze gefordert und sich deshalb an die SPD-Stadträtin Anita Kern gewandt. An "Druck" habe es auf dem Weg zu einem barrierefreien Bahnhof Forchheim nicht gefehlt, sagt Anita Kern. Dass es so lange dauerte, hänge damit zusammen, "dass die Bahn die Dringlichkeit einfach nicht gesehen hat - aber es gibt nichts Dringlicheres als die Aufzüge am Bahnhof".
Wenn die Aufzüge im Juni fahren, ist die Barrierefreiheit aber noch immer nicht vollkommen, sagt der Rollstuhlfahrer Karl T.: "Der Zugang zu den Toiletten ist noch nicht fertig."