Ende Oktober wird gerodet: alle 300 Bäume der beiden Flächen, die Alois Stenglein an den Landkreis Forchheim verpachtet und zum 1. September dieses Jahres unter anderem aufgrund Sorgen wegen der Spritzmittelversuche gekündigt hatte. Der Landkreis hätte die Flächen der Obstbauversuchsanlage gerne behalten: die Fläche mit den Apfelbäumen für weitere Forschung und die Fläche mit dem Baummuseum, da sie Biotopcharakter hat. Alois Stenglein hingegen interpretiert das Ergebnis der Verhandlungen als Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Stenglein sieht das so: Das Landratsamt wusste ohnehin nicht mehr, was es mit der Baummuseumsfläche anfangen sollte, und dachte zunächst selbst an Rodung, verwarf diesen Gedanken jedoch wieder. Das sei ihm so mitgeteilt worden, und man erkenne es auch am Zustand der Fläche. "Sie ist verwildert, der Zaun ist eingewachsen", informiert Stenglein. Das bestätigt das Landratsamt. "Wir hatten überlegt, wie man die Fläche anderweitig nutzen könnte, aber auch einen Teil der Fläche zu roden, um neue Versuche zu starten", sagt Dominik Bigge als Fachbereichsleiter des Landratsamts. Ein neuer Mitarbeiter hätte sich dann darüber ab 1. Oktober Gedanken gemacht. Dazu kommt es nicht mehr.

Treffen vor einer Woche

Vor einer Woche hatten sich beide Parteien dort getroffen, die stellvertretende Landrätin Rosi Kraus (CSU), Mitarbeiter des Obstbauversuchszentrums und Dominik Bigge auf Seiten des Landratsamts sowie der Verpächter Alois Stenglein. "Wir haben dargelegt, dass uns eine Weiterführung des Pachtvertrags am Herzen liegt", betont Bigge. "Wir haben auch nochmals die Janusköpfigkeit aufgezeigt. Es gibt das staatliche Bauamt und die Kreisbehörde", erklärt Bigge und bezieht sich damit auf die Situation der Kündigung der Pacht Obstversuchsanlage und die folgende Ablehnung von Stengleins Antrag auf Sanierung seines Gebäudes im Ensembleschutz. Damit sollte erneut verdeutlicht werden, dass die Entscheidung, die eine Kreisbehörde betrifft, keinen Einfluss auf die staatliche Behörde habe. "Wir haben ihm dann mehrere Optionen aufgezeigt", erklärt Bigge. Neben der Weiterführung des Pachtvertrags kam seitens des Landkreises auch der Vorschlag, dass Alois Stenglein den Baumbestand erhält, bis der Pachtvertrag regulär 2024 ausläuft, und diese beiden Flächen als Ausgleichsfläche einem Dritten anbietet. "Das lehnte Alois Stenglein ab, denn es würde wieder an eine Kreisbehörde verpachtet", erläutert Bigge. "Dann hätte ich den Pachtvertrag erst gar nicht zu kündigen brauchen", sagt der Hiltpoltsteiner dazu. Als Biotop könne das Gelände nicht ausgewiesen werden, da es laut Bigge Plantagencharakter habe.

Das andere Angebot

Die andere angebotene Option sah vor, Alois Stenglein Geld für die Rodung zu geben, in der Hoffnung, dass dieser die Bäume nicht umsägt, sondern stehen lässt. "Er kann frei entscheiden", meint Bigge. Von einer Summe war nicht die Rede und Stenglein wollte kein Geld, sondern die Fläche in dem Zustand zurück, in dem sie zur Pacht übergeben wurde. "Es war Acker, unbepflanzte Fläche", berichtet Bigge. So soll die Fläche nun wieder übergeben werden.

Rodung und Rückgabe

"Ich bin froh, dass sich die Fläche dann biologisch regenerieren kann", meint Stenglein. Er sieht in der Rodung und der Rückgabe deshalb nur Gewinner. Die eine Fläche sei kein Baummuseum, eher ein Baumhospiz, denn die Bäume seien am Ende. Ein schlechtes Gewissen müsse er insofern nicht haben. Die alten Kirschbäume, 50 verschiedene Sorten, hatte der damalige Kreisfachberater Tobias Vogel aus ganz Deutschland zusammengetragen, um die Baumgene zu erhalten. Reiser wurden deshalb bereits gezogen und auf andere Bäume gepfropft. Zudem habe Stenglein dem Kreis angeboten, die Früchte noch zu ernten. "Wir sind gütlich auseinandergegangen", beteuert Stenglein, der gerne den Vorschlag des Kreisfachberaters Hans Schilling annahm, mit der Rodung bis Ende Oktober zu warten. "Vor der Rodung werden wir uns das Thema Artenschutz anschauen", informiert Bigge. Wenn keine aktiven Arten gefunden werden, wird die Rodung eingeleitet. Die Fläche mit den Apfelbäumen, an denen noch intensiv geforscht wurde, verliert das Landratsamt. "Wir hatten darauf gehofft, dass es weitergeht. Wir haben in keinster Wiese Mittel eingesetzt, die nicht zugelassen sind, sondern nach Alternativen gesucht, wie man die Spritzmittel reduzieren und mit welchen Mitteln man Frostschäden abwenden kann", betont Bigge. Auch ein Projekt der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) findet statt, um die Auswirkungen des Klimawandels auf den Kirschanbau zu erforschen. Trotzdem versichert Bigge: "Das Obstversuchszentrum ist nicht in Gefahr, weil nun diese Flächen fehlen."