Der Angler über dem norwegischen Nebelmeer hätte beinahe seinen Weg zurück ans Ufer nicht mehr gefunden. Damals, vor einigen Jahren, als das Wetter auf dem Meer überraschend umschlug. Horst Olbrich hat viele Fischer-Geschichten zu erzählen. Diese, bei der er und seine Freunde es auf dem Boot wirklich mit der Angst zu tun bekommen haben, fällt dem Mann mit den stahlblauen Augen sofort ein.

Zu 23 Reisen nach Norwegen ist der 75-Jährige in seinem bisherigen Leben seit 1973 schon aufgebrochen. Immer mit Styroporboxen und Angelrute im Kofferraum, Freunden auf dem Beifahrersitz und immer war er "Fahrer, Koch und Kapitän", erinnert sich Olbrich, der zum Ehrenvorsitzenden des Fischereivereins Herzogenaurach gekürt wurde.


Allein beim Fischen

In seinem ersten Jahr im Ruhestand - im Jahr 2000 - hat es den gelernten Konstrukteur gleich drei mal in den hohen Norden verschlagen. Meistens waren Olbrich und seine Freunde im Frühsommer, im Mai, auf Reisen. Auf jeden Fall waren die Männer immer unter sich, ohne Frauen und Kinder unterwegs. "Wenn die Frau nicht mitzieht, macht man das kein Jahr", sagt Olbrich. Seine Frau sei auch froh gewesen, den Mann mal für ein paar Wochen los zu sein, fügt er noch mit einem Augenzwinkern hinzu. Und obwohl er Norwegen immer nur mit Kumpels, nie mit der Familie bereiste, ist er seit dem Tod seiner Frau nicht mehr regelmäßig in Norwegen gewesen. Auch, weil die Gesundheit geschont werden soll.

Immerhin fordert die Angelei ganz schön Kraft: Einen 18,2 Kilogramm schweren Dorsch hievte Olbrich schon aus dem Wasser - sein erfolgreichster Fang bisher. Die Fische wurden dann von den Männern ausgenommen, filetiert und eingefroren. Dorsch, Seelachs und Wittling gab es nicht nur während der Norwegenreise, sondern auch danach für die ganze Familie. Wenn die mitgebrachten Kühlboxen voll waren, hatten die Männer immer noch Zeit, das Land zu erkunden.

"Wie wir das erste Mal in Norwegen waren, ist man den Deutschen sehr reserviert gegenüber getreten", erzählt der Senior. Wie die Männer das damals gemerkt haben? Am Empfang in einer Jugendherbergen sprachen die norwegischen Mitarbeiter von "Tüsk" als die Männer einchecken wollten - ein Schimpfwort für Deutsche, erklärt Olbrich, der daraufhin die Unterkunft lieber wieder verließ. Und in der Diskothek, da wollte kein norwegisches Mädchen mit ihnen tanzen. Obwohl die Männer damals noch jung und schön wären, witzelt Olbrich.


Stolz auf das eigene Land

Mittlerweile habe sich eine andere Generation, eine, die nicht mehr ständig an den Krieg zurückdenkt, durchgesetzt: Freundlich aber gegenüber Gästen trotzdem zurückhaltend. So würde Horst Olbrich die Menschen beschreiben, denen er auf seinen Reisen begegnet ist.

"Die Norweger sind ein sehr stolzes Volk", sagt der Mann, der 1940 geboren ist und weiß, dass die Begeisterung für das eigene Land in Deutschland wiederum schnell missverständlich ausgelegt werden könnte. Im Norden erlebte er dieses Gefühl bei nationalen Feierlichkeiten ganz anders: "Wenn die Kinder drei Hände hätten, würden sie drei Fähnchen schwingen."

Und wenn es weihnachtet, platziert jeder Norweger vor seiner Haustüre einen leuchtenden Weihnachtsmann, erzählt Olbrich von seinem einzigen Winterbesuch. Der Kitsch und die Dunkelheit in der letzten Jahreszeit haben es dem Angler weniger angetan. Denn anders als bei Nebel-Abenteuern, folgt im norwegischen Winter selten Sonnenschein.