Nein, der Papst ist nicht gestorben. Das 20-minütige Glockengeläut, das gestern durch Höchstadt schallte, war ein Versehen. "Es wird gerade am Schaltkasten der Glockensteuerung gearbeitet. Das stiftet heute etwas Verwirrung", schmunzelt Dekan Kilian Kemmer. Denn es war nicht der einzige unfreiwillige Test, dem die Arbeiter das Läutwerk unterzogen.

Kemmer sieht es gelassen. Der Hausherr wirkt gelöst und froh über den planmäßigen Fortschritt der Arbeiten in St. Georg. Seit der Wiedereröffnung an Weihnachten hat sich einiges getan: Die Seitenschiffe müssen nicht länger abgehängt werden, die Gerüste sind abgebaut und geben nun den Blick frei auf die wieder in schönstem Weiß erstrahlenden Wände. Es wäre jedoch keine Restaurierungsmaßnahme, wenn einfach frisch gestrichen worden wäre. Die Wände wurden mit Knochenleim eingeschmiert, um die Dispersionsfarbe abzulösen. "Die war teilweise bis fast auf den bloßen Stein durchgedrungen", berichtet Kemmer. Der neue Anstrich ist natürliche Kalkfarbe. Die letzten Maler sind gerade im rechten Treppenaufgang zu Gange.


Aufwändige Fußbodenrestaurierung

Genauso aufwendig wird derzeit der Fußboden behandelt. Die Solnhofener Platten waren ursprünglich mit einem Lack überzogen. "Das hat wunderbar geglänzt, war aber Gift für die Steine", erklärt der Dekan. Das Naturmaterial konnte nicht mehr atmen, ist an vielen Stellen aufgeplatzt. Um die schädliche Imprägnierung zu entfernen, tun die Steinmetze mehr Buße als wohl die meisten Kirchgänger: Mit Bürsten schrubben sie den Boden großflächig mit einer biologischen Lauge ab - und zwar auf den Knien rutschend.
"Danach werden die Fehlstellen mit angepasstem Material ergänzt, die Fugen geschlossen und unschöne Oberflächen farblich retuschiert", erklärt Leon Podolsky von der Bamberger Steinrestaurierungsfirma Monolith. Auch der Ambo ist derzeit bei den Fachleuten dort in Behandlung, um einen unsichtbaren Mikroanschluss zu bekommen. "Jetzt, wo die Technik insgesamt so unauffällig geworden ist, wäre es schade, gerade dort wieder Kabel rumhängen zu haben", so Kemmer.


Orgelweihe pünktlich zur Karwoche

Nach und nach ist anschließend die Holzausstattung dran. "Sämtliche Altäre und die Kanzel müssen noch bearbeitet werden", sagt Architektin Ursula Huber. Nur das St.-Georgs-Gemälde strahlt schon wie neu vom Hochaltar. Die Podeste an den Seiteneingängen sind allerdings so marode, dass sie komplett ausgetauscht werden müssen. "Die sind leider nicht mehr zu retten", bedauert Huber.

Spätestens zur Karwoche soll zudem die Orgel fertig sein und auch der Kreuzweg wieder hängen. "Am 23. März ist die Weihe geplant", kündigt der Dekan an. Die Orgelbauer sind schon fleißig am Werk und überprüfen das System, händisch Taste für Taste, bevor die Pfeifen wieder eingebaut werden. Die ersten Töne schallten bereits gestern durch St. Georg - womit die Elektriker am Geläut-Schaltkasten nicht die einzigen waren, die für "Kirchenmusik" sorgten.