Wildwechsel, Zusammenstoß mit Reh, Tier angefahren: Die Polizeimeldungen zu Wildunfällen im Landkreis Erlangen-Höchstadt häufen sich seit einigen Tagen wieder. Ein 58-Jähriger fuhr am Sonntagnachmittag mit seinem Kraftrad in Richtung Schweinbach, kollidierte mit einem querenden Reh und stürzte auf die Fahrbahn.

Auch die Polizei Neustadt meldete drei Wildunfälle vom Montag. Unter anderem erfasste ein 38-jähriger Autofahrer zwischen Vestenbergsgreuth und Gleißenberg mit seinem Auto ein Reh. Jetzt im Frühjahr kommen alle Faktoren zusammen, die für Autofahrer und Wild zur Gefahr werden können: Die Umstellung auf die Sommerzeit bringt nicht nur Menschen, sondern auch die Tiere durcheinander.

Der Berufsverkehr beginnt eine Stunde früher, die Tiere haben sich noch nicht an den neuen Rhythmus angepasst. Außerdem werden die Tiere aktiver, die Natur wird grüner, Pflanzen sprießen. Für Wild geht es dann auf Futtersuche. Die Polizei weist daher auf die erhöhte Unfallgefahr durch Wildwechsel im Frühjahr hin.

Dass es zur Zeitumstellung im Frühling und Herbst vermehrt zu Wildunfällen kommt, kann Bernd Bayer, Verkehrssicherheitsbeauftragter bei der Polizei Höchstadt bestätigen. "Der Frühling fängt an und das Wild spinnt wieder", sagt er. 250 Wildunfälle haben sich 2018 im Zuständigkeitsbereich der Polizei Höchstadt ereignet. Verglichen mit dem vergangenen Jahr (61) seien bisher im gleichen Zeitraum aber weniger Unfälle (56) passiert. Eine besonders unfallträchtige Stelle in der Region gebe es nicht, berichtet Bayer.

Landwirt Jürgen Pessler, der zusammen mit anderen Pächtern die Übersicht über zwei 1400 Hektar große Jagdreviere hat, weiß, wo es in seinem Revier öfter kracht: Besonders gefährlich seien die Straßen zwischen Etzelskirchen und Medbach sowie zwischen Etzelskirchen und Limbach. Dass es wegen der Zeitumstellung vermehrt zu Zusammenstößen kommt, glaubt Pessler nicht. Eher deshalb, weil im Frühjahr das Wild wieder aus dem Wald auf die Wiesen kommt und vermehrt auf Nahrungssuche ist.

Seiner Wahrnehmung nach seien Zusammenstöße mit Wildschweinen weniger geworden, auch Feldhasen kommen eher selten unter die Räder. Und wenn, dann bemerken es die Fahrer häufig nicht, weil der Aufprall zu gering ist. Mindestens zu 15 Wildunfällen jährlich wird Pessler allein in seinem Jagdrevier gerufen und muss dann die Tiere unter Umständen erlösen.

Denn das darf nur der Jagdpächter, sagt Stefan Stirnweiß, Revierleiter im Forstrevier Röttenbach. Auch wenn er deshalb immer wieder angerufen wird: Er selbst habe keine Befugnis, ein Tier zu erlösen. Weshalb jetzt im Frühjahr so viel Wild unterwegs ist, sei sicher auch der Zeitumstellung geschuldet. Vor allem liege es aber daran, dass die Jungtiere auf der Suche nach neuen Revieren sind, sagt Stirnweiß. "Und dafür müssen sie über Straßen." Außerdem betont der Förster: Fuß vom Gaspedal und achtsam sein. Immer wieder beobachte er: Die Warnschilder an den Straßenrändern interessieren Autofahrer nicht, mit viel zu hoher Geschwindigkeit wird dort gefahren.

Tipps, wie Wildunfälle verhindert werden können und was zu tun ist, wenn es passiert

Unfall vermeiden Bei Warnschildern "Wildwechsel" sofort Fuß vom Gas, langsam und konzentriert fahren. Wald- und Straßenränder im Auge behalten und bremsbereit sein. Die größte Gefahr droht in der Morgen- und Abenddämmerung, während der Nacht und bei Nebel. Besonders gefährlich sind neue Straßen, die durch Waldgebiete führen, weil Wild die gewohnten Wechsel beibehält.

Ein Tier kommt selten allein. Immer mit "Nachzüglern" rechnen. Nachts in bewaldeten Gegenden, wann immer möglich, mit Fernlicht fahren. Taucht Wild im Scheinwerferlicht auf, sofort abblenden, bremsen und hupen.

Wenn es kracht Lässt sich ein Zusammenprall mit dem Wild nicht vermeiden, Lenkrad gut festhalten und mit voller Kraft bremsen. Nicht ausweichen.

Nach einem Unfall Warnblinkanlage einschalten und Unfallstelle absichern. Einem angefahrenen Tier, das flüchtig ist, nicht folgen. Für die spätere Meldung Fluchtrichtung merken oder markieren. So kann der Jäger später mit einem Hund dem Tier folgen und es von seinem Leiden erlösen. Unfall unverzüglich am besten der Polizei melden. Bescheinigung über den Wildunfall ausstellen lassen. Das ist wichtig für den Schadensersatzanspruch.

Quelle: Deutscher Jagdverbandfr