20 Stunden nach dem bitteren 2:4 in Waldkraiburg und dem damit abermals verpassten Titel in der Eishockey-Bayernliga, huschte schon wieder das eine oder andere Lächeln über die enttäuschten Gesichter der Höchstadter Alligators. Natürlich überwogen nach einer Saison voller Strapazen, Engagement, Leidenschaft, vieler toller Erfolge und eines am Ende geplatzten Traumes zunächst einmal Ernüchterung und Leere. Doch recht schnell kam dann auch die Erkenntnis, dass es keinen Grund gibt, Trübsal zu blasen.
"Wenn mir einer während der Vorrunde gesagt hätte, dass wir es erneut ins Finale schaffen, hätte ich das sofort unterschrieben", erklärte HEC-Pressesprecher Martin Steinau schon am Freitag direkt nach der Partie. Er verwies auf den durchwachsenen Saisonbeginn und darauf, wie sich die Mannschaft in der Folge trotz vieler Widrigkeiten gesteigert und in einen Rausch gespielt habe.
"Unser Kader ist nicht der größte. Und weil wir mit viel Verletzungspech zu kämpfen hatten, immer wieder wichtige Spieler ersetzten und die verbliebenen Akteure so oft an ihre Grenzen gehen mussten, verdient das Team umso mehr großen Respekt", sagte Steinau weiter. Letzten Endes habe Waldkraiburg die größeren Reserven und in entscheidenden Momenten auch das nötige Glück gehabt, um sich am Ende die Krone aufzusetzen.
"Die Final-Serie war unglaublich spannend und hart umkämpft. Es standen sich zwei Mannschaften gegenüber, die den Titel beide absolut verdient gehabt hätten. Am Ende kann halt nur einer gewinnen. Deshalb Glückwunsch an den EHC", sagte Steinau weiter.


Kreative und friedliche Fans

Ähnlich war denn auch der Grund-Tenor auf der Abschlussfeier, bei der Mannschaft, Verein und Fans doch zufrieden auf die abgelaufene Saison und optimistisch in die Zukunft blickten. So fand denn auch HEC-Ehrenpräsident Axel Rogner zu Beginn der Veranstaltung nur lobende Worte: "Wir können stolz auf das Erreichte sein. Es gibt nur wenige Vereine, die es bisher zweimal hintereinander in das Finale der Bayernliga geschafft haben. Das zeigt, dass wir eigentlich nicht viel falsch gemacht und eine ganz starke Truppe zusammenhaben."
Viel Lob gab es auch von Vorstands-Mitglied Christian Götz, der den Abend moderierte. Er hob vor allem die Arbeit der vielen ehrenamtlichen Helfer hervor: "Insgesamt sind bei jedem Spiel 55 Freiwillige dabei, die den Spielbetrieb am Laufen halten. Ein Engagement, das man nicht hoch genug einschätzen kann und das den HEC am Leben hält." Der Dank ging auch an die treuen Fans, die laut Rogner zu den kreativsten und friedlichsten der Bayernliga gehören. Der Verein habe es durch die Erfolge geschafft, seine Anhängerschaft um fast 30 Prozent zu vergrößern. In der abgelaufenen Saison pilgerten im Schnitt 800 Fans ins Stadion am Kieferndorfer Weg. Ein Wert, der in den Jahren davor nie erreicht wurde.


Oberligareifes Stadion

Bürgermeister Gerald Brehm bezeichnete den Höchstadter EC als "grandioses Aushängeschild" für die Stadt Höchstadt. Er zog den Vergleich zu einer Hand mit fünf Fingern, die sich aus einer "überragend kämpfenden Mannschaft, einer grandiosen Anhängerschar, einem super Sponsorenumfeld, einer sehr gut arbeitenden Vorstandschaft und vielen ehrenamtlichen Helfern" zusammensetzt. Nur so seien solche Erfolge wie die erneute Vizemeisterschaft in der Bayernliga überhaupt möglich.
Der Traum von der Oberliga sei noch nicht ausgeträumt, deshalb versprach Brehm, dass die Stadt Rahmenbedingungen schaffen werde, die einen etwaigen Aufstieg erleichtern könnten. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Schritte eingeleitet werden, um die Sanierung der in die Jahre gekommenen Eishalle zu beginnen. Nächstes Jahr soll das Stadion dann endgültig oberligatauglich werden, sodass die Alligators in der Saison 2017/2018 - möglichst als amtierende bayerischer Meister - alle Auflagen problemlos erfüllen.


Trikots erzielen stolze Summen

Worte, die nicht nur bei Sportvorstand Jörg Schobert und Spielertrainer Daniel Jun gut ankamen. Die beiden zogen trotz der Enttäuschung vom Vorabend eine positive Bilanz. "Nach einer langen Saison mit vielen Höhen und Tiefen hat sich das Team aufgerafft und sich mit großem Teamgeist bis ins Finale gekämpft", sagte Schobert. Dort habe es eine enge, extrem spannende Serie gegeben, die allen Beteiligten extrem viel Nerven gekostet hätten. Und Jun ergänzte: "Jetzt ist es Zeit, sich von den Strapazen zu erholen und dann mit neuer Energie die nächste Saison zu planen."
Die anschließende Trikot-Versteigerung war der unterhaltsame Höhepunkt des Abends. Nicht nur, weil der eine oder andere Spieler eine nette Anekdote zu erzählen wusste, sondern auch, weil die beiden Moderatoren den Bieter-Wettstreit humorvoll anstachelten. So wurden für alle Trikots durchweg stolze Summen erzielt. Top-Seller des Abends war gleich zu Beginn das Jersey von Gaolie Philipp Schnierstein, der der große Rückhalt der Panzerechsen war und deshalb von der Internet-Plattform bayernhockey.com auch völlig zurecht zum "Spieler des Monats März" gekürt wurde. Aber auch die anderen Akteure hatten bei den Fans einen hohen Marktwert, ganz egal, ob es die "Game Worn Jerseys" von Jun, das der Nachwuchstalente Lukas Lenk und Philipp Seelmann oder das des am Vorabend mit einer Platzwunde aus dem Spiel ausgeschiedenen Ales Kreuzer war.