Wahnsinn, es ist vollbracht. Der Höchstadter EC erhält sich die Chance auf die bayerische Meisterschaft. Dabei sahen sich die Eishockey-Cracks von der Aisch über weite Strecken der vierten Finalpartie gegen den spielstarken EHC Waldkraiburg in die Defensive gedrängt, musste mit Mann und Maus verteidigen und fanden phasenweise kaum Zeit zum Durchatmen. Doch Torhüter Philipp Schnierstein - der schon oft das Zünglein an der Waage war - wuchs erneut über sich hinaus und wird wohl auf ewig einen Platz im Herzen der HEC-Fans bekommen.
Mit seinen Paraden rettete er die Alligators über die Overtime ins Penaltyschießen, wo er zweimal geschickt den Winkel verkürzte und es seinen Teamkameraden Patrik Dzemla und Ales Kreuzer ermöglichte, im Eishockey-Märchen der Panzerechsen ein neues Kapitel aufzuschlagen. Bei mehr als 1500 Zuschauern brachen hernach alle Dämme, sie feierten ihr Team als hätte es sich schon am Sonntagabend die Krone aufgesetzt.
Doch der Showdown findet erst am kommenden Freitag in Waldkraiburg statt. Dafür gilt es, noch einmal alle Kräfte zu sammeln, sich zu fokussieren und den Löwen, die ebenfalls ein würdiger Titelträger wären, noch einmal den Zahn zu ziehen. Zum Zuschauen verdammt sind dann Höchstadts Eigengewächs Thilo Grau und Waldkraiburgs Kapitän Max Kaltenhauser, die sich im Eifer des Gefechts eine Spieldauerstrafe einhandelten.


Höchstadter EC - EHC Waldkraiburg  n.P. 4:3

Der HEC schickte zu Beginn seine dritte Reihe aufs Eis, doch diese Finte ging nach hinten los. Waldkraiburg wirbelte ungehemmt und ging schon nach 25 Sekunden durch Kaltenhauser in Führung, nachdem die Alligators nicht entscheidend klären konnten. Doch die Hausherren fingen sich und antworteten durch Ales Kreuzer, der einen Querpass von Tomas Urban platziert abtropfen ließ (5.). Trotzdem hielten die Löwen den Druck aufrecht, erst Mitte des Drittels konnte sich Höchstadt etwas befreien und ging in Überzahl in Führung. Daniel Sikorski nahm von der blauen Linie Maß und traf flach ins Eck (16.).


HEC kann Überzahl nicht vorentscheidend nutzen

In einem danach offenen Schlagabtausch rückte Schnierstein ein ums anderen Mal in den Fokus, der HEC setzte auf Konter und wurde bei doppelter Überzahl belohnt: Urban traf überlegt zum 3:1 (34.). Doch danach brachte der HEC nichts mehr zu Stande und ermöglichte so den Anschlusstreffer durch Trox, der die Unordnung vor dem Höchstadter Tor nutzte (37.). In dieser Phase schafften die Hausherren kaum Entlastung und konnten froh sein, dass die Führung Bestand hatte.


Die Goalies erzwingen das Penaltyschießen

Doch nur wenige Sekunden nach dem Seitenwechsel war dieser Vorteil dahin: Der HEC war unsortiert, brachte den Puck nicht aus der Gefahrenzone, wo Hämmerle am schnellsten schaltete und den Ausgleich markierte (41.). Nun war alles wieder offen. Höchstadt versuchte, die Kontrolle zu übernehmen, doch Graus Spieldauerstrafe machte dies zu Nichte. Der HEC war nur noch mit Defensiv-Aufgaben beschäftigt, löste dieser aber bravourös. Weil auf der anderen Seite Sven Gäbelein, Daniel Jun und Kreuzer kein Glück hatten, ging es in die Overtime. Beide Teams kreierten hier Chancen, doch die Goalies - Vetter und Schnierstein - lieferten eine bärenstarke Leistung ab und hielten ihre Kästen sauber. Also ging es ins Penaltyschießen, wo Hagemeister und Paderhuber die Nerven versagten. Auf Höchstadter Seite blieben Dzemla und Kreuzer dagegen cool und beförderten die Scheibe jeweils unter Vetter hindurch in die Maschen.


Die Statistik zum Spiel

Höchstadter EC -EHC Waldkraiburg  n.P. 4:3 (2:1, 1:1, 0:1)

Höchstadter EC: Tor: Schnierstein, Riebel; Verteidigung: Stütz/Sikorski, Ryzuk/Babinsky, Kaczmarek;
Angriff: Jun/Grau/ A. Lenk, Urban/Dzemla/Kreuzer, Tratz/Gäbelein/L. Lenk, Hiendlmeyer, Seelmann

EHC Waldkraiburg: Tor: Vetter, Hingel; Verteidigung: A. Kanzelsberger, Paderhuber, F. Kanzelsberger, Schmidt, Rott, Andrä, Richter, Hilpert, Seifert; Angriff: Marek, Kaltenhauser, Hradek, Manger, Wagner, Hipetinger, Hämmerle, Führmann, Trox, Vogl, Hagemeister

SR: Jürgen Sperl, Alexander Karl, Thomas Weger

Zuschauer: 1518

Tore: 0:1 Kaltenhauser (1.), 1:1 Kreuzer (5.), 2:1 Sikorski (16.), 3:1 Urban (34.), 3:2 Trox (37.), 3:3 Hämmerle (41.)

Strafzeiten: 6 + 25 (Grau) / 6 + 25 (Kaltenhauser)