Locker und entspannt sitzt Nadja Pries auf einer Bank vor dem Vereinsheim des Radsportclub 1950 Erlangen, an dem Ort, wo alles begann. Neben dran befindet sich eine BMX-Strecke. Die sandige Strecke beinhaltet viele Hügel und Huppel, die Kurven sind gepflastert. Nadja fühlt sich hier wohl, hier ist sie zu Hause.

Seit gut einer Woche ist Nadja Pries wieder zurück in Spardorf im Kreis Erlangen-Höchstadt. Die 22-Jährige hat als BMX-Fahrerin bei den Olympischen Spielen teilgenommen. Die Spiele in Rio waren ihre ersten. Seit 15 Jahren fährt die Spardorferin BMX.

"Ich war neugierig als Kind", erklärt die 22-Jährige. In Spardorf selbst gibt es eine BMX-Strecke, dort war sie früher oft mit ihrem Bruder. "Dann kam eins zum anderen", sagt Nadja. In Deutschland nahm sie am Bayernpokal teil und fuhr in der Bundesliga. Bei ihrem ersten Europarennen schaffte sie es sogar aufs Treppchen. Im Jahr 2008 war BMX erstmals olympisch. Das war der Zeitpunkt, an dem Nadja entschied, ihren Sport professionell ausüben zu wollen und an großen Turnieren wie Olympia teilnehmen zu wollen, erklärt sie.


Ein langer Weg bis Rio

Die Qualifikation zu Olympia dauerte zwei ganze Jahre. Über ihren zwölften Platz bei der Weltmeisterschaft im Mai in Kolumbien qualifizierte sich die Studentin für die Teilnahme in Rio. "Über den Winter hat ich das große Ziel nach Rio zu kommen", erklärt Nadja.

Als feststand, dass sie mit nach Rio darf, steckte sie sich ein neues Ziel: "Ich wollte ins Finale fahren", sagt Nadja. Im Halbfinale war allerdings Schluss für die Mittelfränkin. "Ich habe geschafft, was ich schaffen wollte", erklärt sie, "Es war eine Ehre dort fahren zu dürfen."


Ihr Leben dreht sich um den Sport

Vier Wochen war Nadja für die olympischen Spiele unterwegs und das ausgerechnet in der Prüfungszeit. Die 22-Jährige studiert Psychologie in Erlangen. Aufgrund ihres Sportes kann sie jedoch nur in Teilzeit studieren, immer darauf bedacht, beides unter einen Hut zu bekommen.

Das Training und die Vorbereitungen auf große Wettkämpfe haben es allerdings in sich. "Mein ganzes Leben ist danach ausgerichtet, dass ich im Olympia-Jahr meine Bestleistung abrufen kann", erklärt die Studentin. Für gewöhnlich trainiert Nadja zwei Mal täglich.

Die Einheiten bestehen abwechselnd aus Kraft- und Ausdauertraining und dem Fahren auf der Strecke. Regelmäßig fährt sie zum Trainingslager in andere Länder. "Mein ganzes Leben plan ich um den Sport", sagt die elffache deutsche Meisterin. Vor den Olympischen Spielen in Rio war die BMX-Fahrerin zwei Wochen lang in Florida. Dort gewöhnte sie ihren Körper an das Klima und die Zeitumstellung und trainierte Intensiv für ihr großes Rennen.

Ernsthaft verletzt hat sich die 22-Jährige noch nicht. Kleiner Verletzungen wie Fingerbrüche, offene Wunden oder mal eine Gehirnerschütterung kämen schon mal vor, erklärt sie locker. Dann müsse sie für ungefähr zwei Monate pausieren, dass sei zwar ärgerlich, aber auszuhalten, erklärt Nadja. Angst vor Stürzen oder Verletzungen scheint sie keine zu haben.


Gute Stimmung unter deutschen Sportlern

Insgesamt reiste sie mit knapp 450 weiteren deutschen Sportlern nach Rio. Zu Beginn der Spiele sei die Stimmung unter den Sportlern sehr angespannt gewesen sein, erklärt Nadja. "Gegen Ende hat man gemerkt, wer seine Wettkämpfe schon hinter sich hatte und wer nicht", sagt die 22-Jährige. Außerhalb des olympischen Dorfes gab es das offizielle deutsche Haus, in dem die Sieger gefeiert wurden. Dort sei viel gefeiert und viel getrunken worden, erzählt Nadja. "Die Atmosphäre im deutschen Haus war megagut" erinnert sie sich.


Nackig für Olympia

Vier deutsche Teilnehmerinnen an Olympia lernte Nadja schon im Mai beim Fotoshooting für den Playboy kennen. "Die Anfrage hab ich im April bekommen", erklärt Nadja. Allerdings wusste sie damals noch nicht, ob sie sich überhaupt für die Sommerspiele qualifizieren wird. Als ihre Teilnahm fest stand, sagte sie dem Shooting zu. "Ich war gleich begeistert", sagt Nadja, "das war für mich ein Teil meiner ganzen Olympiaerfahrung."

Nach dem ganzen Trubel kehrt nun in Nadjas Leben wieder etwas Ruhe ein. Erst 2018 beginnt die Qualifikation für Olympia 2020. Bis dahin wird die 22-Jährige an Welt- und Europameisterschaften teilnehmen.