Mit einem Kantersieg haben sich die Bayernliga-Handballerinnen der TS Herzogenaurach eindrucksvoll für die Hinspielpleite gegen Dietmannsried/Altusried revanchiert. "Keiner im Verein kann sich erinnren, dass die Mannschaft schon mal 40 Tore geworfen hat", sagte ihr Trainer Hans-Jürgen Kästl. Positiver Nebeneffekt: Bei elf Punkten Vorsprung auf den potenziell gefährlichen viertletzten Platz ist der Klassenerhalt sechs Partien vor Schluss praktisch eingetütet.


TS Herzogenaurach - HSG Dietmannsried/Altusried 40:28

Ein Grund für die Diskrepanz zwischen der 28:34-Niederlage im Allgäu und dem jetzigen Zwölf-Tore-Vorsprung könnte die weite Anreise sein. "Da ist man fast vier Stunden unterwegs", erinnert sich Kästl an das Spiel Anfang November.
Die Gäste, die aufgrund ihres breiten und hochwertigen Kaders deutlich weiter vorne in der Tabelle erwartet wurden, versuchten von Beginn an, mit einer Doppelmann- beziehungsweise - fraudeckung gegen Alexa Dodan und Saskia Probst, ihre Gegnerinnen zu beeindrucken.

Aber die HSG musste wie schon das eine oder andere Team zuvor erfahren, dass dieses taktische Mittel nicht mehr greift. "Mittlerweile haben wir Konzepte dagegen", erklärte der Coach. Die Gastgeberinnen, die beide Punkte an der Aurach behalten wollten, um den entscheidenden Schritt für den Klassenerhalt zu machen, benötigten aber einige Minuten, um sich freizuspielen. Mitte der ersten Halbzeit lag das Heimteam bereits sechs Tore in Front (13:7).


Schwerstarbeit für Alexa Dodan

Die Allgäuerinnen nutzten einige Zeitstrafen gegen die Turnerschaft, um über die zweite Welle zum Erfolg zu kommen. Schwerstarbeit hatten Dodan und Nadja Müller-Tegel zu verrichten. Da die Rumänin schnell mit zwei Strafen vorbelastet war, agierte sie nur noch in der Offensive, während die 39-jährige Abwehrspezialistein den defensiven Part übernahm. Für Dodan kamen dadurch Zusatzkilometer zur gegenüberliegenden Auswechselbank zustande. Dietmannsried nutzte das "Chaos", um zur Pause bis auf zwei Zähler aufzuschließen (15:13).

In Hälfte 2 überzeugte die Heimsieben mit temporeichem Angriffsspiel und setzte sich Tor um Tor ab (28:21). Erkennbar waren in jeder Phase die große Entschlossenheit und der ausgeprägte Wille, den für den weiteren Saisonverlauf bedeutsamen Sieg einzufahren. Zudem hatte Teilzeitkraft Dodan nach dem Seitenwechsel einen kürzeren Weg zur Bank und ihre Teamkolleginnen hatten sich auf die Linie der Schiedsrichter eingestellt. "In den zweiten 30 Minuten haben wir nur noch eine einzige Zeitstrafe bekommen", erzählte der 54-Jährige.


Probst erzielt den 40. Treffer

Mit 25 Toren im zweiten Durchgang brannte die TSH ein Offensivfeuerwerk ab, das Saskia Probst acht Sekunden vor Schluss mit dem historischen 40. Treffer krönte. Überschattet wurde die Partie von eine schweren Verletzung der Gästespielerin Marinna Mazak, die nach einem unglücklichen Zusammenprall in der zweiten Halbzeit ausschied.


Kästl in Gesprächen über Zukunft

"Für die Kaderplanung war es ein bedeutender Schritt", erklärte Kästl, der vermutet, dass auf dem bayerischen Transfermarkt heuer viel los sein wird. Auch der Sulzbach-Rosenberger selbst tritt in dieser Woche mit der Abteilungsleitung in Verhandlungen. "Wir sind auf einem guten Weg", deutet der Trainer eine Fortsetzung seines Engagements an.

Trotz des fast sicheren Klassenerhalts fürchtet Kästl, dass die kommenden Wochen nicht einfacher werden, "da wir personell extrem dünn besetzt sind". Im Derby beim HC Erlangen am Samstag muss seine Rumpftruppe auch auf den Trainer verzichten. "Der Sieg war aber eine Bestätigung, dass wir in der Bayernliga mithalten können und trägt sehr zur Beruhigung bei", sagte der Oberpfälzer.
TSH: Bernhardt, Ohlmann, Müller - Dodan (8/3), Mittelheiser (2), Probst (15/1), Merz (2), Mittasch (6), Katrin Kräck, Küffner (3), Janka Kräck (4), Müller-Tegel