Noch bis zum Montagvormittag gab es keine Spur von dem Mann, der in Röttenbach auf seine Ex-Lebensgefährtin geschossen haben soll. "Er ist nach wie vor auf der Flucht", sagte Alexandra Oberhuber, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Mittelfranken, wo man schon dabei war, ein neues Fahndungsfoto von Marino K. zu erstellen. Es war zu vermuten gewesen, dass er sich den Schnurrbart abrasiert hat. Doch dann kam alles ganz anders.

Kurz vor 15 Uhr kommt dann die Entwarnung in Form einer Polizeimitteilung: "Der per Haftbefehl gesuchte Marino K. stellte sich heute in Begleitung seines Rechtsanwaltes bei der Kriminalpolizei in Heilbronn."

Damit geht seine viertägige Flucht zu Ende. Zuletzt hatte die Polizei mit einem europäischen Haftbefehl nach dem Mann gesucht. Auch die Bevölkerung wurde um Hinweise auf den Täter oder das Fluchtfahrzeug gebeten. Immer mit der Warnung versehen, dass Marino K. bewaffnet sein könnte. Schließlich handelt es sich um den Verdacht des versuchten Mordes.

In der Nacht auf Donnerstag, 24. September, soll der 57-Jährige mehrmals auf seine Ex-Freundin geschossen haben. Wie die Polizei mitteilte, habe er die 52-Jährige gegen 23 Uhr vor ihrer Wohnung in der Birkenstraße abgepasst und mehrere Schüsse auf sie abgegeben.

Die Polizei hatte seit Donnerstag keine Erkenntnisse über seinen Aufenthaltsort. Zuletzt wurde angenommen, er habe sich möglicherweise ins Ausland abgesetzt. Aber auch ein Versteck in Mittelfranken oder in Baden-Württemberg wurde von den Ermittlern nicht ausgeschlossen.

Wo sich Marino K. die letzten Tage aufgehalten hat, dazu könne sie keine Auskunft geben, sagt die Polizeisprecherin. Nur, dass er sich in Heilbronn gestellt hat und damit nicht weit von seinem offiziellen Wohnsitz in Brackenheim, südwestlich von Heilbronn.

Prozess in Mittelfranken

Die Vernehmungen dauerten am Nachmittag an. Ob der 57-Jährige, von der Polizei dringlich tatverdächtig, die Tat auch gestanden hat, ist offen. Bis zu einem Gerichtsurteil gilt die Unschuldsvermutung. Zuständig sei nicht die Justiz in Heilbronn, sondern hier in Mittelfranken, sagt Oberhuber. Die Tat ist hier geschehen. Ermittelnde Behörde ist die Sonderkommission "Birke" der Polizei Mittelfranken.

"Am ersten Tag waren wir alle schockiert, dass so etwas bei uns passieren kann. Das geht einem natürlich nahe", beschreibt Röttenbachs Bürgermeister Ludwig Wahl (FW) das Entsetzen, das Röttenbach am letzten Donnerstag erfasst hatte.

Gesprächsthema in Röttenbach

Mehrere Tage lang seien die Schüsse das Gesprächsthema in Röttenbach gewesen. "Vor allem die Sorge, wie es der Frau geht, beschäftigt viele", sagt Wahl. Er kenne die 52-Jährige nicht persönlich. Sie ist im öffentlichen Leben Röttenbachs nie groß in Erscheinung getreten. Er hoffe, dass es ihr gut geht.

Zum Gesundheitszustand der lebensgefährlich Verletzten, wollte die Polizei zum Schutz der Privatsphäre keine näheren Angaben machen. Nachdem die Schüsse auf sie abgegeben wurden, konnte sie noch ihre Tochter alarmieren, die dann den Notruf absetzte.

Die Röttenbacher seien wieder einigermaßen zur Ruhe gekommen, sagt Wahl. Von Schule und Kindergarten habe es zunächst sorgenvolle Äußerungen gegeben, was die Sicherheit anbetrifft. "Aber das hat sich schon wieder beruhigt", sagt der Bürgermeister. Nun ist klar, dass kein Grund mehr für ein mulmiges Gefühl besteht. Der Schock über die brutale Tat bleibt dennoch im Gedächtnis.