Jeder sechste Arbeitsplatz bei Schaeffler/FAG in Schweinfurt könnte in den nächsten Jahren wegfallen. Der Betriebsrat und die IG Metall sprechen von "ganz konkreten Plänen" der Konzernleitung, die einen Verlust von "bis zu 1000 Arbeitsplätzen" in Schweinfurt bedeuten könnten.

Diese Angaben des Ersten Bevollmächtigten der Metallgewerkschaft in Schweinfurt, Peter Kippes, hat Schaeffler in Herzogenaurach am Dienstag im Kern bestätigt, nicht allerdings die Zahlen der IG Metall. Schaeffler-Sprecher Marcus Brans sagt, dass bis 876 Stellen der Automotive-Sparte bei FAG in Schweinfurt wegfallen könnten, "wenn wir nichts tun".

Rote Zahlen
"Tun" bedeutet für Brans und Schaeffler, dass das Unternehmen auf den "enormen Kostendruck" in einem schmalen Segment reagiert, "das seit Jahren schon wirtschaftlich kaum mehr darstellbar ist", wie Brans formuliert.
Schaeffler/FAG sei nach seiner Kenntnis das einzige deutsche Unternehmen, das noch Radlager für Kraftfahrzeuge herstelle. "Wir können hier weder Gewinne erwirtschaften noch neue Aufträge generieren."



Der Konzern wolle die Radlager-Fertigung komplett in osteuropäische Werke verlagern, um die dort günstigere Kostenstruktur zu nutzen. Das betreffe 576 Arbeitsplätze in Schweinfurt. 300 der Automotive-Stellen wolle Schaeffler in Schweinfurt halten, "wenn wir zu einer wirtschaftlich tragfähigen Vereinbarung kommen", sagt Brans. Er betont, "dass nichts entschieden ist; wir beginnen jetzt mit den Verhandlungen."

Drohender Unterton
Der drohende Unterton aus Herzogenaurach ist in Schweinfurt angekommen. Gewerkschaft und IG Metall, zuletzt 2004 bei der drohenden Schließung des FAG-Werkes in Eltmann (Landkreis Haßberge) darin geschult, dass die Konzernmutter mit harten Bandagen kämpfen kann, kündigen entschiedenen Widerstand an. Zwar soll es in Schweinfurt keine "betriebsbedingten Kündigungen" geben, wie es im Unternehmensdeutsch heißt, sondern Altersteilzeitmodelle und die Übernahme von Mitarbeitern in andere Sparten; trotzdem sieht Gewerkschaftschef Peter Kippes keinen plausiblen Grund für einen Kahlschlag dieser Größenordnung. "Dann steht in Schweinfurt eine ganze Halle leer." Kippes will wie der Betriebsratsvorsitzende Norbert Lenhardt die Pläne des Konzerns von externen Gutachtern auf Herz und Nieren prüften lassen. "Wenn der Druck schon seit Jahren so groß ist, hätte man sich ja um andere Lösungen bemühen müssen. Für die wegfallenden Arbeitsplätze muss Ersatz her", sagt Kippes.

Gespräche
Mit Sorge beobachtet man im Rathaus die Entwicklung. "Der Oberbürgermeister wird sich sofort um Gespräche mit der Firmenleitung bemühen", sagt Pressesprecher Martin Baldauf. Bei der Agentur für Arbeit in Schweinfurt hält man sich mit einer Beurteilung zurück. Der Arbeitsmarkt in der Region steht "glänzend da", aber gerade der Wegfall von Arbeitsplätzen in der Produktion sei "nur schwer zu verkraften", sagt ein Experte der Agentur. Er fürchte vor allem einen Dominoeffekt: "Es ist ein fatales Signal, wenn die Industrie so massiv Stellen abbaut. So hält man keine Fachkräfte."

Schaeffler beschäftigt weltweit 76 000 Mitarbeiter, in Deutschland sind es 29 000.