Die Ankündigung der Schaeffler-Firmenleitung am Mittwoch, rund 4400 Stellen in Europa abbauen und bis zu 300 Millionen Euro jährlich einsparen zu wollen, hat bei den Mitarbeitern wie eine Bombe eingeschlagen. "Die Leute in Höchstadt waren geschockt", sagt dazu Roland Holler, Vorsitzender des Betriebsrats im Höchstadter Werk.

Dieses Werk ist von der angekündigten Transformation besonders betroffen. Wie bereits berichtet, soll die Sparte Industrie von Höchstadt nach Schweinfurt verlagert werden. Dafür soll Höchstadt ein Kompetenzzentrum für den Werkzeugbau bekommen.

Betriebsratsvorsitzender Holler, der am 1. September seine 40-jährige Betriebszugehörigkeit feierte und seit 39 Jahren im Betriebsrat aktiv ist, fürchtet für Höchstadt "unweigerlich einen massiven Arbeitsplatzabbau". Seit Jahren befinde sich Schaeffler im Transformationsmodus, teilt Holler mit, da sei für ihn jetzt auch der Gang zu einer außerordentlichen Wirtschaftsausschuss-Sitzung in Schweinfurt nichts Außergewöhnliches gewesen.

Die dort erhaltene Nachricht, "die Industrie soll raus", habe für ihn dann aber gesessen. Die Höchstadter Maschinenfabrik existiere bereits seit 68 Jahren. Über all die Jahre war die Sparte Industrie ein fester Bestandteil des Höchstadter Werks.

Folgen noch unklar

Dass damit jetzt Schluss sein soll, kann Holler nicht verstehen. Da die Nachrichten von der Firmenleitung schon am frühen Mittwochnachmittag an die Medien gingen, habe es für ihn keine Chance gegeben, Betriebsräte und Kollegen vorab zu informieren.

Für den Betriebsratsvorsitzenden bedeutet die Verlagerung des Schwerlastbereichs nach Schweinfurt einen deutlichen Arbeitsplatzabbau in Höchstadt. Was das für den einzelnen Mitarbeiter für Folgen hat, sei noch unklar.

Die Betriebsräte des Höchstadter Werks fordern jetzt mit Nachdruck: Keine Standortschließungen, keine betriebsbedingten Kündigungen, den Stopp von Verlagerungen nach Osteuropa, eine gezielte Stärkung aller deutschen Standorte durch innovative und zukunftsfähige Produkte, kein Outsourcing und keine Fremdvergaben mehr und die Nutzung aller gesetzlichen und tariflichen Alternativen, wie Kurzarbeit, Arbeitszeitverkürzung und Teilentgeltausgleich.

In seinen 40 Jahren bei Schaeffler habe Betriebsratsvorsitzender Holler "eine solche Maßnahme noch nicht erlebt". In den kommenden Tagen und Wochen werden Betriebsrat, Belegschaft und IG Metall an einem Strang ziehen müssen, "um diesen Sturm zu überstehen". Holler kündigt an, um die Arbeitsplätze und den Standort Höchstadt zu kämpfen.

Keine konkreten Zahlen

Wie viele Stellen in Höchstadt abgebaut oder nach Schweinfurt verlagert werden sollen, wollte die Firmenleitung auf Anfrage des FT "derzeit nicht kommunizieren". Schaeffler-Pressesprecherin Bettina Lichtenberg teilte mit, dass "Personalmaßnahmen in enger Zusammenarbeit mit der Arbeitnehmervertretung vereinbart" werden.

Alle geplanten Maßnahmen sollen möglichst sozialverträglich umgesetzt und zu gegebenem Zeitpunkt kommuniziert werden. "Dies umfasst auch - wo möglich - eine Weiterbeschäftigung an anderen Schaeffler-Standorten", so die Pressesprecherin.

Zum Stellenabbau sollen Altersteilzeit, einvernehmliche Beendigungen oder Wechsel an andere Standorte beitragen. Lichtenberg kündigt aber eben falls an, dass betriebsbedingte Kündigungen als letztes Mittel nicht ausgeschlossen werden können. Derzeit keine Antwort gibt es von der Unternehmensführung auch auf die Frage, wie viele Stellen in welchen Sparten am Hauptsitz in Herzogenaurach wegfallen sollen.

Neben aller Negativmeldungen gibt es in den Werken Höchstadt und Herzogenaurach aber auch zukunftssichere Bereiche. Lichtenberg nennt für Höchstadt das neue Kompetenzzentrum für Werkzeugbau, für Herzogenaurach das hochmoderne Zentrallabor und das Kompetenzzentrum für die Wasserstofftechnologie.