Ariane Dammann-Ranger veranstaltet zusammen mit dem Verein Hohestete seit 2011 Jazzkonzerte im Schlossgewölbe. Die in Hamburg geborene und in Höchstadt aufgewachsene Musikpädagogin studierte an der Hochschule für Musik und Theater in der Hansestadt Schulmusik mit Klavier als Hauptfach und Saxophon als Nebenfach. In Hamburg bereits verbeamtet, legte sie in Bayern noch einmal ein Staatsexamen ab und unterrichtet seit 1993 am Höchstadter Gymnasium, wo sie seit 1995 zunächst drei, dann zwei Jazz-Big-Bands betreut. Im Jahr 2021 will sie in Höchstadt ein Jazzfestival veranstalten.

Hatten Sie schon immer eine Neigung zum Jazz?

Ariane Dammann-Ranger: Nein. Ich bin ganz klassisch erzogen, mit Bach groß geworden. Ich habe erst an der Hamburger Hochschule Jazz gehört, im höheren Semester, als an der Hochschule der Studiengang Jazz gegründet wurde. Da bin ich immer mal wieder ins Konzert gegangen und dachte: gefällt mir. In der neu gegründeten Hamburger Landesjugend-Big-Band fehlte ein Saxophon, da habe ich eineinhalb Jahre mitgespielt und viel für die Big-Band-Arbeit gelernt. Improvisieren konnte ich zu der Zeit nicht, aber alle Noten vom Blatt ablesen. Spielen ohne Noten ist zunächst für einen klassischen Musiker nicht vorstellbar. Diese Freiheit muss man sich selber erarbeiten. Das habe ich erst in Burghausen gelernt.

Wie kamen Sie auf die Idee, in Höchstadt ein Jazzfestival veranstalten zu wollen?

Die Reihe jazz!3 lief drei Jahre, als eine Bekannte mich auf die Festival-Idee brachte. Doch war mir klar, dass ich erst in Höchstadt ein festes Publikum erobern musste. Dazu richtete ich ein Abo-System ein für jeweils drei Konzerte im Jahr. Das gibt eine gewisse finanzielle Sicherheit. Damit habe ich angefangen, es hat sich bewährt und es bildete sich ein Stammpublikum. Nach fünf Jahren hatte ich im Hinterkopf: Wenn ich jazz!3 zehn Jahre lang erfolgreich gestalten kann, gibt es ein Festival.

Also eine Feier des zehnjährigen Bestehens der Jazz-Reihe.

Genau. Ich gehe auch gern auf Festivals. Jazz nicht nur an einem Abend zu hören, sondern drei, vier Konzerte hintereinander mit unterschiedlichen Musikern aus unterschiedlichen Richtungen, da entwickelt sich ein Sog. Man lebt einfach mal drei Tage in der Welt des Jazz. Sich also ganz vollfüllen mit Musik.

Liegt schon ein organisatorisches Gerüst für das Festival vor?

Ja. Von Freitag bis Sonntag im Juni 2021, das genaue Datum steht noch nicht fest. Ein Einstiegskonzert am Freitag, am Samstag ein Doppelkonzert, am Sonntagnachmittag ein Abschlusskonzert, alle in der Fortuna-Kulturfabrik. An drei Tagen gibt es also vier große Konzerte, und vielleicht könnte man am Nachmittag zum Beispiel am Kellerberg oder open air oder im Gewölbe noch einmal kleinere Konzerte veranstalten. Oder ein Jazzfrühschoppen am Samstag. Auf jeden Fall soll der Sonntag mit einem Nachmittagskonzert einer Big Band enden.

Der Veranstaltungsort ist schon sicher festgelegt?

Das ist sicher in der Fortuna, und die Stadt unterstützt mich dabei.

Wie sieht es mit der Finanzierung aus?

Die Finanzierung steht noch nicht. Das ist das Schwierigste. Ich brauche Förderer und habe mich an den Bayerischen Musikrat gewandt. Dieser gewährt finanzielle Unterstützung im Rahmen des bayrischen Kulturfonds für Jubiläen oder andere große musikalische Events. Ich hoffe, dass ich auch mehrere Sponsoren aus der Gegend gewinne und vom Landkreis unterstützt werde. Bisher habe ich erst eine Zusage, aber wir fangen ja gerade an. Die finanzielle Unterstützung ist notwendig, weil die Eintrittsgelder die Honorare für international renommierte Musiker nicht decken werden. Wir haben in der Fortuna auch nur 250 Plätze.

In welcher Höhe ungefähr bewegen sich die Gagen für die anvisierten Gruppen?

Vier- und fünfstellig. Das ist relativ wenig im Vergleich zu Pop und Rock. Jazz befindet sich in einer musikalischen Nische, ähnlich wie die zeitgenössische klassische Musik. Ich muss und möchte - wie ich das immer tue - die Musiker gerecht bezahlen. Also feste Gagen, nicht abhängig von den Eintrittsgeldern. Zum Sparen bleibt da nichts übrig. Mein Anliegen ist nicht, zu verdienen, sondern für Höchstadt und den Landkreis Begeisterung für den Jazz zu wecken.

Wer wird als Veranstalter des Festivals auftreten?

Die Stadt Höchstadt.

Und die künstlerische Leiterin sind dann Sie.

Ja.

Was gleich die nächste Frage provoziert. Ist der immense Aufwand alleine und ehrenamtlich überhaupt zu schaffen?

Ich traue es mir einfach mal zu. Mein Mann steht hinter mir. Es hat sich bereits ein Organisationsteam gebildet mit momentan acht Personen. Dann gibt es ein Team von Freundinnen, die die Verköstigung übernehmen. Ich brauche musikbegeisterte Helfer, die sich einsetzen und mit anpacken. Bei anderen Festivals wird das im Wesentlichen auch ehrenamtlich gemacht.

Werden noch freiwillige Helfer gesucht?

Ja, unbedingt, sie können sich gerne melden (Tel. 09193/4507).

Jazz, gerade in seiner künstlerisch anspruchsvollen Form, ist nicht gerade eine Massenmusik. Sind Sie zuversichtlich, genügend Karten verkaufen zu können?

Da bin ich sehr zuversichtlich. Ich hoffe natürlich, dass ich Bands bekomme, die Zugpferde sind. Dass ich mir keinen Till Brönner leisten kann, ist klar, aber es sollten Musiker sein, die über Insiderkreise hinaus bekannt sind.

Kann man schon Namen nennen?

Ich würde das lieber erst machen, wenn die Engagements unter Dach und Fach sind. Wenn man berühmte Namen haben will, ist es schwierig, wenn man nur 250 Plätze bieten kann. Ich muss also versuchen, über Kontakte jemanden zu bekommen, der sagt: Eigentlich ist die Location viel zu klein für mich, aber es interessiert mich, da zu spielen, weil es spannend ist. Denn vor 250 Leuten hat man einen ganz anderen Kontakt zum Publikum als auf einer Riesenbühne wie bei Jazz am See. Die Club-Atmosphäre gibt es sowohl im Gewölbe mit 80 bis 100 Leuten als auch in der Fortuna, man ist nah an den Musikern dran. Ich hoffe, dass ich jemanden kriege, der sagt: Ich mach das. Einen Namen kann ich verraten: Das ist Florian Höfner, der in Höchstadt aufgewachsen und hier schon mehrfach aufgetreten ist. Seinen Werdegang und seine internationale Karriere verfolge ich seit fast 20 Jahren. Er kommt aus Kanada mit zwei kanadischen Top-Musikern und wird voraussichtlich das Festival am Freitagabend eröffnen.

In welcher Höhe etwa sollen die Eintrittspreise liegen?

Das liegt noch nicht endgültig fest. Für vier große Konzerte wird es ein Gesamtticket geben, einzelne Konzerte können selbstverständlich auch individuell gebucht werden. Aber wie bei der jazz!3-Reihe werden die Eintrittspreise nicht überhöht sein.

Das Engagement der Musiker obliegt auch Ihnen allein?

Ja. Leichter ist es, wenn man die Musiker kennt. Auch wenn ich den Top Act nicht bekomme, weiß ich auf jeden Fall, dass ich internationale Spitzenmusiker bekomme - aus Kanada, der Schweiz, aus Deutschland natürlich. Aber die Schwierigkeit ist halt, dass das finanzielle Gerüst noch nicht 100-prozentig steht. Sowieso liegt mir das Künstlerische mehr als das Finanzielle.

Wird Ihnen die Arbeit nicht zuviel?

Die Vorbereitungen machen mir total viel Spaß. Das Organisationsteam wird im Spätwinter zusammentreten. Ich hoffe, dass die Engagements bis dahin fix sind.

Falls das Festival ein Erfolg wird: Denken Sie bereits jetzt an eine Wiederholung oder gar einen regelmäßigen Turnus?

Das kann man wieder machen, aber sicher nicht im Jahresabstand. Es sollte auch was Besonderes bleiben. Erfolg misst sich an den Zuschauerzahlen, aber auch an der Resonanz hinterher. Man kann ja auch nicht die Sponsoren überlasten. Das Interview führte Rudolf Görtler.