Der Lockdown macht's möglich: Die Musikschule Höchstadt präsentiert sich mit ihren knapp 300 Schülern im Internet in einer Form, die es ohne die Pandemie wohl nicht gäbe - gerade an den Weihnachtsfeiertagen eine Empfehlung nicht nur für alle Musikfreunde. Musikschulleiter Gerhard Geuder gibt dazu Einblicke in einem Interview.

FT: Schaltet die Höchstadter Musikschule in Corona-Zeiten auch auf Online-Unterricht um?

Gerhard Geuder: Wir hatten bis Dienstag vor einer Woche Präsenzunterricht und sind am Mittwoch auf Online umgestiegen. Damit hatten wir im Frühjahr schon erste Erfahrungen gesammelt. Wir kommen im Einzelunterricht und bei den Kleingruppen mit Online ganz gut zurecht. Im Frühjahr lief es nicht bei allen gleich rund, aber jetzt sind soweit alle eingespielt. Manche Lehrer kamen mit der Technik schnell zurecht, bei anderen ging es langsamer. Größere Gruppen, wie der Jazzchor, müssen aber leider pausieren.

Wie stehen die Eltern zum Online-Unterricht - sind manche nicht genervt, wenn die Kinder zuhause auch noch musikalisch unterrichtet werden?

98 Prozent sehen das sehr positiv. Der Elternkontakt ist eher besser geworden, da die oft beim Online-Unterricht zuschauen und mitbekommen, worauf die Kinder beim Üben achten sollten. Einige meiner Schüler haben dadurch viel größere Fortschritte gemacht, weil einfach eine gewisse Kontrolle da war und die Eltern geholfen haben.

Auftritte vor Publikum sind damit jetzt auch nicht möglich?

Im Sommer konnte man noch mit entsprechenden Abständen auftreten. So hat z.B. Bloß Blech, eine Formation der Musikschule, im Außenbereich der Altenheime gespielt. Weil auch das nicht mehr möglich ist, haben wir uns nach einer Alternative umgeschaut. Statt des Sommerkonzertes zum Abschluss des Schuljahres hatten wir schon mal ein sogenanntes Multiscreen-Video produziert und das sollte es zu Weihnachten auch geben.

Was darf man sich unter einem Multiscreen-Video vorstellen und wie wird es produziert?

Im Gegensatz zu einem Abschlusskonzert der Musikschule bedeutet für mich ein solches Video viel mehr Aufwand. Ich habe mir dafür extra einen neuen, leistungsfähigeren Computer angeschafft. Im Vorfeld habe ich drei Musiktitel in verschiedenen Schwierigkeitsgraden ausgesucht und für die unterschiedlichen Instrumente arrangiert.

Die Tücke liegt im Detail. Je nach Instrument lernt man im Anfangsunterricht in unterschiedlichen Tonarten zu spielen; manche eher Kreuz-Vorzeichen, andere zunächst in B-Tonarten. Ich musste dauernd Kompromisse finden, um es für alle spielbar zu machen. Bei jedem Stück gab es deshalb auch vereinfachte Stimmen. Und dann soll es auch noch gut klingen.

Das Aufnehmen kann man sich wie in einem Tonstudio vorstellen. Mit den Noten bekommt jeder Schüler auch eine am Computer erstellte Audioaufnahme des Stückes - eine Art Band-Begleitung - und er muss exakt dazu spielen. Passt das Timing nicht, kann man mit dem Stück, auch wenn es perfekt gespielt wurde, für den Film nichts anfangen. Denn bei einem solchen Video werden am Ende alle Stimmen übereinander gelegt. Das ist vor allem für Klavierspieler oder Schlagzeuger, die sonst vorwiegend alleine üben, eine besondere Herausforderung.

Meist haben die Eltern ihre Kinder beim Musizieren gefilmt und mir die Videoclips dann geschickt. Auch meine Kollegen haben mich dabei sehr unterstützt und mit ihren Schülern geübt. Zusätzlich kamen noch Solobeiträge von Schülern, die ich mit eingebaut habe.

War es viel Arbeit, aus den einzelnen Clips das ganze Video zusammenzubasteln?

Ja, das war dann noch einmal sehr viel Arbeit, Clip für Clip übereinanderzulegen, Tonhöhen anzupassen, Clipgröße zu verändern und das alles so zu choreographieren, dass sich ein schönes Gesamtbild ergibt. Letztendlich entstanden so vier Videos, drei kleinere und ein großes, in dem diese integriert sind.

Wo kann man die Weihnachtsgrüße der Musikschule abrufen?

Auf der Homepage der Musikschule in der Fortuna Kulturfabrik sind die Videos unter "www.fortuna-kulturfabrik.de/musikschule/" bereits zu sehen.

Das Gespräch führte

Andreas Dorsch.