Schaeffler baut weitere Jobs ab und will Standorte schließen
Der Autozulieferer Schaeffler aus dem Kreis Erlangen-Höchstadt begründete die weiteren Einschnitte mit der Automobilkrise in Europa, die weitere Gegenmaßnahmen und strukturelle Anpassungen erfordere ...
Dortmund, Morbach, Berlin, Schwalbach: Schaeffler will vier deutsche Standorte schließen und Tausende Stellen streichen. Welche Werke und Bereiche trifft der Sparkurs noch?
Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler verschärft seinen Sparkurs mit einem neuen Kostensenkungsprogramm und der Streichung von Tausenden Stellen extrem. Wie das Unternehmen in Herzogenaurach (Kreis Erlangen-Höchstadt) mitteilte, sollen in Europa weitere 3460 Arbeitsplätze abgebaut werden, davon 2660 in Deutschland. Zudem ist die Schließung von vier deutschen Standorten vorgesehen.
Der MDax-Konzern führte die zusätzlichen Einschnitte auf die Automobilkrise in Europa zurück, die weitere Maßnahmen und strukturelle Anpassungen erfordere.
Schaeffler streicht Tausende Jobs und schließt Werke - vier Standorte in Deutschland
Fünf Standorte, darunter vier in Deutschland, sollen perspektivisch geschlossen werden. Dazu zählen Schaeffler zufolge das Werk in Dortmund mit derzeit 430 Beschäftigten und der Standort Morbach mit 160 Mitarbeitern.
Zudem ist laut Schaeffler geplant, die Aktivitäten am Standort Berlin mit aktuell etwa 270 Beschäftigten einzustellen und den Standort Schwalbach zu schließen. Ein Großteil der rund 385 Beschäftigten solle an den Schaeffler-Standort in Frankfurt wechseln. Insgesamt seien etwa 190 Stellen vom Abbau betroffen.
Darüber hinaus sei vorgesehen, die Aktivitäten im Werkzeugbau am Standort Höchstadt einzustellen und im Sondermaschinenbau an den Standorten Erlangen und Schweinfurt Anpassungen vorzunehmen. Ferner seien Kapazitäts- und Strukturanpassungen an weiteren Standorten in Deutschland - darunter Herzogenaurach, Bühl, Höchstadt, Nürnberg und Regensburg - geplant.
Scharfe Kritik von IG Metall und Betriebsrat
Die IG Metall und der Konzernbetriebsrat kritisierten das neuerliche Sparprogramm scharf. "Bei Schaeffler folgt inzwischen ein Abbauprogramm auf das nächste, noch bevor die Folgen des vorherigen bewältigt sind", sagte Thomas Höhn, Unternehmensbeauftragter der IG Metall für Schaeffler. "Das ist kein Zukunftskonzept für den Industriestandort Deutschland." Bereits 2024 und 2025 hatte Schaeffler die Streichung mehrerer Tausend Arbeitsplätze beschlossen.
Der Vorsitzende des Konzernbetriebsrates, Uli Schoepplein, kritisiert, dass die geplanten Einschnitte erneut besonders die deutschen Standorte treffen sollen. Wer immer neue Abbauprogramme auferlege, Standorte schließe und Personalkosten senken wolle, schwäche den Standort Deutschland statt ihn zu stärken.
Nach Abschluss der im November 2024 bekannt gegebenen Strukturmaßnahmen sowie von 1800 Altersteilzeitverträgen Anfang Oktober habe der Vorstand beschlossen, ein weiteres Programm zur Ergebnisverbesserung zu starten, hieß es weiter. Ziel sei es, Überkapazitäten abzubauen, Entwicklungskapazitäten anzupassen, Personalkosten zu senken und die Komplexität der Organisation zu reduzieren.
50 Prozent des Stellenabbaus betreffen die Produktion
Zum Stellenabbau hieß es, rund 50 Prozent beträfen die Produktion, 30 Prozent den Bereich Forschung und Entwicklung und 20 Prozent weitere Funktionsbereiche. Vom Abbau seien 16 Standorte in der Region Europa betroffen.
Das jährliche Ergebnis solle sich durch die Maßnahmen ab 2030 um 300 Millionen Euro verbessern. Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld veranschlagt für das Sparprogramm Einmalkosten von rund 480 Millionen Euro. Zuletzt hatte der fränkische Autozulieferer ein neues Hightech-Werk in China eröffnet.
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