Erst wurden die Stadträte informiert, dann folgte die Pressemitteilung aus dem Rathaus: Die Martinikirchweih ist abgesagt. Das teilte die Stadtverwaltung am Dienstagvormittag mit und beugte sich damit der an Stärke zunehmenden Corona-Pandemie. "Bedauerlicherweise lassen die Entwicklungen der letzten Tage eine Durchführung nicht zu", teilte Stadtmarketingchefin Judith Jochmann mit.

Noch im Lauf des Tages sprang die Ampel dann auf Rot - Der Schwellenwert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen war überschritten. Gegen 15 Uhr wurde der Sieben-Tages-Inzidenzwert für den Landkreis Erlangen-Höchstadt laut Landratsamt mit 50,27 angegeben.

Unterdessen waren Mitarbeiter der Kreisbehörde in Herzogenaurach unterwegs, um Hinweisschilder rund um die Grünanlage am Postplatz anzubringen. Denn für dieses Gelände hatte der Landkreis in einer Allgemeinverfügung eine Maskenpflicht und Alkoholverbot verordnet. Etwa 20 solcher Hinweise wurden angebracht, weitere Plätze in der Innenstadt bleiben bislang ausgespart. Der damit optisch gekennzeichnete Bereich betrifft vor allem die Anlage rund um das dortige Kunstwerk.

Das Landratsamt hatte dieses Areal ausgewählt, weil man dort "eine gewisse Erheblichkeit" sieht, wie Sachgebietsleiter Hartmut Raitzig auf Anfrage des FT mitteilte. Der Platz sei ein Sammelpunkt. Neben der Maskenpflicht gilt dort auch ein Alkoholverbot.

Von der Stadt waren mehrere Bereiche vorgeschlagen worden, wo sich eine Maskenpflicht anböte. Dazu zählten auch die Hauptstraße und die Schütt sowie der Marktplatz und der Kirchenplatz. Kurzzeitig war der ganze Bereich in einer Grafik bereits auf der Homepage der Stadt zu sehen.

Das Landratsamt begnügt sich vorerst mit der Postanlage. Man wollte die Bürger nicht unnötig belasten, sagte Raitzig. Allerdings sei es durchaus möglich, dass die Verordnung auf weitere Flächen erweitert wird. Darüber werde dann nach Rücksprache mit der Polizei befunden. Die Verfügung wurde erlassen, als die Ampel noch Gelb zeigte.

Unter den Passanten war durchaus etwas Verwirrung zu erkennen. "Weiß man denn, wer dem Virus mitteilt, dass es nicht in die Hauptstraße und zum Marktplatz geht?", lautete eine sarkastische Frage. Andere Bürger hatten sich schnell, und auch ohne Hinweisschilder, auf die steigenden Zahlen eingestellt. So waren zur Mittagszeit auch in der Hauptstraße vermehrt Passanten zu sehen, die sich mit Maske schützten.

Oder sie hatten bereits geahnt, dass die Ampel bald schon von Gelb auf Rot umspringen würde. Bei Rot gilt eine Maskenpflicht, laut Anordnung des Bayerischen Staatsministeriums, automatisch auch für Fußgängerzonen sowie andere stark frequentierte Plätze.

Gassi mit Maske

Auch für Gabriele Ritter und ihre Tochter Julia war das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes keine Frage. Beim Gassigehen mit ihrem Hund Renzo trugen beide Maske. "Das ist schon in Ordnung so", sagte Gabriele, "sonst kriegt man das nie in Griff." Ihrer Meinung nach sollen die Leute an solchen Maßnahmen wie der Maskenpflicht sehen, "dass es wirklich ernst ist". Wenig Verständnis aber hat sie für die Leugner und all die, die stets meinen, es besser zu wissen.

Keine Martinikirchweih

Die Maskenpflicht hätte auch zur Martinikirchweih gegolten. Und dazu noch eine Einbahnregelung, Einlasskontrollen und ein vorgeschriebener Ort, wo man seine Speisen verzehren dürfe. Also schon durchaus erhebliche Einschränkungen. Dennoch hatte die Stadt bislang versucht, die Kirchweih durchzuführen. Jetzt nicht mehr.Weitere strenge Auflagen wären dazu gekommen, wie ein Alkoholverbot und eine Begrenzung der Besucherzahl, sagte Ordnungsamtsleiter Gerd Lorenz. Auch wäre der verkaufsoffene Sonntag wohl nicht zu halten gewesen. Alles in allem keine Entwicklung, die eine Kerwa noch gerechtfertigt hätten.

Den Martiniritt hatte man schon vor Tagen abgesagt.