Ein ungewohnter Blick bot sich in diesem Jahr den Besuchern der Martinikirchweih. Aufgelockert durch Reihen von Marktständen, war die Hauptstraße wieder beidseitig mit Buden und voll belegt.
Premiere hatten Matthias und Anita Groß aus Zweifelsheim. An seinem Verkaufsstand bot das Ehepaar selbst gemachte Marmelade und Brotaufstriche an. Seit ihrem neunten Lebensjahr ist Anita Groß mit der Kunst des Marmeladenkochens vertraut. Seit nunmehr zwölf Jahren ist diese Arbeit zu ihrem Hauptberuf geworden.
Die Idee sich selbstständig zu machen, kam der Hauswirtschaftsleiterin - sie war lange Zeit Leiterin der Küche beim hessischen Landessportverband in Frankfurt - nach der Rückkehr in ihre Heimat. Hier fand sie keinen geeigneten Arbeitsplatz.
Auf dem Bauernhof ihrer Eltern in Zweifelsheim aufgewachsen, hat sie beiereits als Kind geholfen, die heute weit über die Grenzen Herzogenaurachs hinaus bekannte, selbstgemachte Marmelade auf dem heimischen Herd zu kochen und in Gläser abzufüllen.
"Ich koche meine Marmeladen und Brotaufstriche heute noch nach dem Rezept meiner Mutter. Einige Zutaten habe ich verfeinert und im Laufe der Jahre auch andere Sorten ausprobiert", sagte Anita während der Martinikirchweih. Mittlerweile bietet sie mehr als 90 Sorten ihrer Marmeladen und Brotaufstriche an.

Antrag im Stadtrat geplant

Sie bietet ihre Waren zuhause in Zweifelsheim, aber auch auf den Märkten in der Gegend und in diversen Dorfläden an. Begeistert ist Anita von den beiden Dorfläden in Simonshofen und in Schönberg. Als Verein geführt, wird hier die ganze Palette an Lebensmitteln angeboten und von den Bürgern auch angenommen. "Ich werde im Stadtrat den Antrag stellen auch in Herzogenaurach, vor allem im Musikerviertel im Westen der Stadt, einen solchen Dorfladen zu verwirklichen", sagte sie. In dieser Ecke von Herzogenaurach gebe es derzeit keinen Laden, geschweige denn eine andere Möglichkeit einzukaufen. Sie wolle zwar so einen Dorfladen nicht selbst betreiben, wäre aber gerne bereit, sich bei der Organisation mit einzubringen.

Reaktionen

Die Meinung über die Veränderung der Kirchweih mehr hin zum Markt fiel bei den Besuchern allerdings unterschiedlich aus. Da gab es sogar den Ratschlag, die Kirchweih nur noch Samstag und Sonntag auszurichten.
Wir hörten uns bei einigen Besuchern um. Den Herzogenauracher Marcel Bestenlehrer zog es auf dem direkten Weg zum Imbiss. Er legte offenbar weniger Wert darauf, ob nun Kirchweihbuden oder Marktstände in der Hauptstraße stehen. Am Samstagabend herrschte vor allem dort reger Andrang. Vieles spielt sich an den vier Tagen außerdem in den Gaststätten um Hauptstraße und Marktplatz herum ab.
Das sprach auch Bernd Neubauer aus. "Ich laufe, wenn das Wetter passt, durch die Hauptstraße um mir etwas zum Essen zu kaufen, etwas zu trinken und gemütlich mit meiner Familie zu bummeln", sagte er. Ob sich das Ganze nun Martinimarkt oder Martinikirchweih nennt, sei ihm nicht so wichtig. Dieser Aussage schloss sich auch seine Frau Marica an.

Andrang in Geschäften

Viel zu tun hatten am Samstag weder die Schausteller noch die Betreiber der Marktstände und Kirchweihbuden, nachdem es bereits kurz nach 18 Uhr zu regnen begonnen hatte. Am Sonntag war der Besuch besser, obwohl sich das Regenwetter fortsetzte. Der größte Andrang fand dennoch in den Geschäften statt, die wegen des verkaufsoffenen Sonntags ihre Pforten geöffnet hatten.