Warum das Märzen Märzen heißt, weiß Baptist Ackermann vom Brauhaus Höchstadt nicht genau. "Ich vermute, dass der Name noch aus Zeiten stammt, in denen es schwierig war, das Bier während der Lagerung zu kühlen", sagt er. Damals konnten Brauer Bier nur in der kalten Jahreszeit herstellen. Nur dann waren die Temperaturen in den Kühlkellern niedrig genug. Der März war der letzte Monat, in dem noch gebraut wurde - und das Bier hieß dementsprechend "Märzen".

Wodurch sich das besondere Bier auszeichnet, erklärt Ingo Sauer von der Brauerei Blauer Löwe in Höchstadt: "Es ist stärker und süßer als ein herkömmliches Vollbier." Die Nachfrage variiere regional stark. Sauer beliefert beispielsweise einen Getränkemarkt in Nürnberg mit Märzen. "Da ist die Nachfrage noch sehr groß." In Österreich sei sogar fast die Hälfte des gesamten verkauften Bieres Märzen.


In den Wintermonaten geht das Bier besonders gut - im Sommer hingegen eher weniger. Warum, ist klar: Es ist für heiße Tage zu schwer und zu stark und damit nicht empfehlenswert für den Genuss in der prallen Sonne.
Auch Ingo Sauer hat eine Theorie, wo der Name des Märzens herkommt. "Früher durfte vom 23. April bis zum 29. September wegen der erhöhten Brandgefahr nicht gebraut werden. Im März produzierte man dementsprechend ein Bier, das sich lange hielt: das Märzen." Damals hat man offenbar noch nicht viel Wert darauf gelegt, ob das Bier im Sommer zu stark ist oder nicht.

Im Vergleich zum Pils oder zum Vollbier erfordert die Herstellung des Märzens einen höheren Aufwand, wie Sauer erklärt: "Für einen normalen Sud brauche ich etwa sechs Stunden, für ein Märzen hingegen etwa neun Stunden." Grund dafür ist vor allem die Maische, also das Gemisch aus Wasser und geschrotetem Malz. Sie wird bei niedrigeren Temperaturen angesetzt und braucht längere Pausen zwischen den einzelnen Phasen. Das Malz sorgt letztlich auch für die dunklere Farbe des Bieres. Bei Ingo Sauer ist das Märzen eher eine Randsorte - dennoch rentiere es sich immer noch.

"Seit ich dabei bin, gibt es auf jeden Fall kein Märzen mehr", sagt Michael Ackermann, der die Leitung des Höchstadter Brauhauses inzwischen übernommen hat. "Es muss fast 40 Jahre her sein, dass wir Märzen verkauft haben", erinnert sich sein Vater Baptist Ackermann. Die Nachfrage sank stetig und so hat es sich schließlich nicht mehr gelohnt. "Am Ende haben wir vielleicht noch drei Kästen verkauft." Dabei habe mit dem schweren, süßlichen Bier alles angefangen. Damals, sagt Ackermann, gab es nur Märzen oder Helles. Und die dunklere Variante war durchaus gefragt. Während des Autobahnbaus gab es in der Nähe der Brauerei eine kleine Wirtschaft, die "Schaschlikbar". "Dort sind die Autobahnarbeiter verkehrt", sagt Ackermann. Diese kamen zumeist aus Norddeutschland und haben immer gerne zum Märzen gegriffen - "vermutlich, weil sie aus der Heimat nur helles, herbes Bier kannten".

Doch die Arbeiter gingen, die Wirtschaft wurde geschlossen und in der ganzen Region stieg die Nachfrage nach leichterem, hellem Bier - wie etwa Pils. 1976 war es dann soweit: Ackermann nahm Märzen aus dem Programm und ersetzte es durch Kellerbier.

"Die Leute möchten immer mehr Sorten, jeder hat seinen ganz persönlichen Geschmack", sagt Michael Ackermann. Aber eines sei sicher: "Nach Märzen fragt bei uns niemand mehr."