Die ganze Nacht konnte er nicht schlafen. Bekam kein Auge zu. War viel zu aufgewühlt, als dass er nach diesem Spiel hätte zur Ruhe kommen können. "Es war wirklich Herzschmerz", sagt Jason Opare-Jones. Ihm war klar, dass es gegen die Mannschaft der USA nicht leicht werden würde. Vor allem mit Jürgen Klinsmann als deren Trainer. "Ich hatte vorher schon im Gefühl, dass es für Ghana schwierig wird. Die USA wurde unterschätzt."

Schon in der ersten Minute kassierte die ghanaische Mannschaft das erste Gegentor durch Clint Dempsey. "Das war einfach nur superpeinlich. Insgesamt hat Ghana aber sehr gut gespielt, der Teamspirit war da", findet Opare-Jones. Wie das Spiel am Samstag gegen Deutschland ausgehen wird? Das kann der 22-Jährige nur schwer einschätzen: "Da ist alles möglich." Was Opare-Jones aber auf jeden Fall weiß: Seine Daumen drückt er auch dann für Ghana - nicht für Deutschland.
Ein bisschen im Zwiespalt sieht er sich dennoch: "Es ist ein Mixfeeling. Ich identifiziere mich mit Deutschland. Trotzdem: Ghana ist mein erstes Team, Deutschland mein zweites."

Opare Jones' Eltern stammen aus Ghana mit irischen und nigerianischen Wurzeln. Geboren wurde er in Hamburg. Aufgewachsen ist er in London, verbrachte seinen Ferien aber auch immer wieder in Deutschland. Seit Februar wohnt er in Nürnberg. Die Arbeit zog ihn ins Frankenland - bei Adidas in Herzogenaurach ist er in der Personalabteilung für die Talentsuche zuständig. "Ich habe nicht nur eine Heimat. Ich fühle mich in Deutschland, England und Ghana zuhause."

Diskutieren und analysieren

Fußball war für Opare-Jones bereits von klein auf ein Teil seines Lebens: "In Ghana ist Fußball wie eine zweite Religion." Und obwohl er sowohl Ghana als auch Deutschland als große Fußballnationen sieht, sind da für ihn doch ein paar Unterschiede, vor allem, was das Feiern angeht: "Fällt für Ghana ein Tor, dann wird getanzt und gesungen. Da kommt das ganze Temperament raus", erklärt er. In Deutschland ticken die Uhren dagegen ein bisschen anders: "In Deutschland freut man sich schon auch. Aber da wird gleich diskutiert und analysiert. Das ist eben eine andere Form, sich in das Spiel zu vertiefen."

Das Spiel am Samstagabend schaut er sich mit seinem Halbbruder in Hamburg an. Zusammen mit anderen Ghanaern. "Ich habe immer noch Hoffnung, dass Ghana weiterkommt", sagt er. In der Rolle des künftigen Weltmeisters sieht er aber eine andere Mannschaft: "Deutschland hat gute Chancen."