Momentan schaut es im Naturschutzgebiet in der Grethelmark bei Bösenbechhofen noch wüst und trocken aus. Äste und Gestrüpp liegen in einer großen Kuhle, an deren Rand ein Harvester die gefällten Bäume entastet. Doch schon bald soll auf diesem Boden ein Moorweiher entstehen.

"An dieser Stelle gab es früher schon einmal einen Weiher, doch er wurde vor langer Zeit aufgelassen", erzählt Johannes Marabini von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Erlangen-Höchstadt. "Das muss vor ungefähr 100 Jahren gewesen sein", schätzt er anhand des Baumbestandes, der nun dem Weiher weichen muss. Die etwa 300 Bäume, größtenteils Fichten, fallen für einen guten Zweck.

"Moorweiher sind ein wichtiger Lebensraum für Tiere, die auf der Roten Liste bedrohter Tierarten stehen", betont Marabini. Die kleine Moosjungfer etwa ist für die zweijährige Entwicklung von der Larve zur Libelle auf einen nicht austrocknenden Weiher angewiesen. Auch der Moorfrosch, dessen männlicher Vertreter sich während der Paarungszeit blau färbt, fühlt sich hier zu Hause.

Nicht nur Fauna, sondern auch Flora siedelt sich gerne an und in Moorweihern an. Der Bremi-Wasserschlauch etwa, eine fleischfressende Pflanze, die laut dem Experten Marabini in ganz Mitteleuropa nur noch hier zu finden ist, stellt eine der größten Raritäten dar. Weitere Arten sind Torfmoose und der Rundblättrige Sonnentau. Durch die nährstoffarmen, sauren Verhältnisse fühlen sich diese speziellen Arten hier wohl und haben sich bestens angepasst.

In der näheren Umgebung des zukünftigen Weihers gibt es bereits einen Moorweiher. Dieser ist nur einer der vielen Weiher, die im Rahmen des seit 1996 laufenden Bayernnetznatur-Projektes "Lebensraumnetz Moorweiher und Niedermoore" gestaltet wurden. Die Kosten für das Projekt tragen die Bayerischen Staatsforsten. Nachdem alle Bäume den Weg freigemacht haben, wird bald an zwei Enden des Weihers Erde aufgefüllt, damit sich das Wasser stauen kann. Dazu kommen Ablaufrohre, sodass das Wasser die Möglichkeit hat, in den etwas tiefer gelegenen Bruchwald abzufließen. Von dort aus wandert es dann in eine Kette aus Weihern, die größtenteils zur Karpfenzucht verwendet werden, bevor es in den Saltendorfer Weiher fließt.

Ein Himmelsweiher

"Der Moorweiher soll ein sogenannter Himmelsweiher werden", sagt Wolfgang Göbel, der Revierleiter des Forstreviers Zentbechhofen. Dass heißt, er soll nur vom Regenwasser gespeist werden. Marabini, Göbel, und Forstreferent Stefan Herbst hoffen daher auf baldige Regenfälle. Nur dann kann sich ein Moor entwickeln, in dem sich die bedrohten Arten ansiedeln können. Sie gehen davon aus, dass das Projekt bis Ende Juni abgeschlossen sein wird und der aufgelassene Weiher bis dahin wieder vernässt ist.