Das Wartezimmer von Allgemeinarzt Frank Missel ist überfüllt, es sind nur noch Stehplätze frei. Es hustet und schnieft allerorten, die Patienten warten mit roten Augen und laufenden Nasen auf den Doktor. "Es kommt selten vor, dass so viel los ist, dass die Leute hier während des Wartens stehen müssen", sagt Missel.

Doch in diesem Jahr haben Erkältung und Grippe Hochsaison. "Bei den meisten Patienten handelt es sich um Virus-Infektionen", erklärt Missel. Welche Viren genau für die Krankheit verantwortlich sind, kann der Arzt nicht sagen. Es würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen, jeden einzelnen Patienten zu überprüfen. Viren lassen sich ohnehin nur schlecht behandeln - lediglich die Symptome kann man mit Medikamenten bekämpfen.

Das Problem in diesem Jahr ist: Die Krankheit dauert überdurchschnittlich lange. Warum das so ist, weiß Missel nicht genau.
"Unter einer Woche sind die wenigsten wieder fit. Es ist eben das Ende der Winterzeit - da sind die Akkus leer." Konkret bedeutet das, dass die Abwehrkräfte wegen der wenigen Sonnenstunden und der kalten Luft geschwächt sind. Die Vitaminversorgung des Körpers ist im Keller, die Schleimhäute sind ausgetrocknet, werden weniger durchblutet und sind somit anfälliger für Erreger.

Deshalb haben Viren bei den meisten Menschen zurzeit leichtes Spiel. Durch Faktoren wie Rauchen und schlechte Ernährung wird die Widerstandsfähigkeit zusätzlich verschlechtert. Die Folge: Viele müssen derzeit krankgeschrieben werden und zu Hause im Bett auf Besserung hoffen. Das geht laut Missel jetzt schon einige Wochen so: "Rund 70 bis 80 Prozent meiner Patienten kommen im Moment wegen eines grippalen Infektes in die Praxis." Weil die Viren besonders hartnäckig sind, müssen die Betroffenen meist längerfristig krankgeschrieben werden.

Frische Luft bietet Schutz

Wissenschaftlich gesehen gibt es nur wenige Möglichkeiten, einem Infekt vorzubeugen. "Vitamin-C-Tabletten und Tees können zwar unterstützend wirken, die effektivste Möglichkeit, sich zu schützen, ist aber viel Bewegung und frische Luft", erklärt Missel. Die trockene Heizungsluft zu Hause und im Büro sei auf Dauer nicht ideal. Außerdem könne man das Risiko einer Infektion senken, wenn man die Hände regelmäßig desinfiziert. "Händewaschen ist nur die zweitbeste Alternative. Wer Desinfektionsmittel zur Verfügung hat, sollte es nutzen."

Und einen weiteren, kleinen Trick verrät der Allgemeinmediziner: "Die Jüngsten lernen es inzwischen schon im Kindergarten: Man sollte beim Husten nicht die Hand, sondern den Ellbogen vor den Mund halten." So sind die Erreger an einer Stelle, die seltener in Berührung mit anderen Menschen kommt. Trotz aller Schutzmaßnahmen ist für Frank Missel jedoch klar: "Wenn es einen erwischt, dann erwischt's einen."

Den Trend, der in Frank Missels Praxis zu beobachten ist, kann Maja Gerhardt, Mitarbeiterin der Kapuziner Apotheke in Höchstadt, nicht bestätigen. "Bei uns ebbt die Nachfrage schon wieder ab." Präparate gegen die Symptome der Grippe seien immer gefragt, bei spezielleren Medikamenten könne sie keinen außergewöhnlichen Anstieg erkennen: "Die Hochphase war eigentlich Ende Februar, Anfang März. Derzeit wird es wieder weniger."

Wie bei Frank Missel haben sich im Kreiskrankenhaus die Fälle in diesem Jahr gehäuft. Hans-Joachim Laugwitz, Chefarzt der Inneren Abteilung, erklärt, dass sich der Grippebegriff hauptsächlich auf Influenza-Viren des Typs A und B bezieht. "Unsere Patienten bekommen einen Schnelltest. Damit dauert es etwa eine Stunde, bis wir wissen, um welchen Virus es sich handelt", sagt Laugwitz. Viele seien tatsächlich von Influenza-Viren betroffen, doch es gebe auch andere Erreger, gegen die man sich auch nicht impfen lassen könne. "Ins Krankenhaus kommen natürlich nicht die Patienten, die nur ein bisschen Husten haben. Wer zu uns kommt, der leidet meist an einer schweren Infektion der oberen Atemwege. Es sind kompliziertere Fälle, zum Beispiel bei älteren Menschen", sagt Laugwitz.

Besonders gefürchtet sind durch einen Virus verursachte Lungenentzündungen, da sie nicht mit Antibiotika behandelt werden können. "Man kann dann nur mit Präparaten eingreifen, die die Virus-Vermehrung eindämmen - und das geht nur in einem frühen Stadium", erklärt Laugwitz. Auch er hat festgestellt, dass die Erreger in diesem Jahr besonders hartnäckig sind.

Kein Zusammenhang mit Wetter

Die Grippewelle am Wetter festzumachen wäre Spekulation: "Der Grund für ein verstärktes Auftreten ist nicht genau bekannt. Es kann daran liegen, dass eine besonders aggressive Mutation eines Virus aufgetreten ist", sagt Laugwitz. Oft sei auch die Impfmüdigkeit der Bevölkerung eine Ursache. Husten, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen sorgen dann dafür, dass man sich im nächsten Jahr doch wieder impfen lässt.