Eigentlich sind Feuchttücher ja unheimlich praktisch. Ob daheim auf der Toilette oder unterwegs mit einem Baby - die feuchten Tücher, die meist angenehm nach Aloe Vera, Kamille oder Seife duften, nehmen es mit jedem Schmutz auf. Gar nicht so praktisch sind die Feuchttücher dagegen für die Mitarbeiter von Kläranlagen und Bauhöfen.

Meist schaffen es die Tücher gar nicht erst bis in die Kläranlage. Sie verstopfen die Abwasserpumpen schon auf dem Weg dorthin und müssen von Hand wieder entfernt werden. "Das ist eine sehr unangenehme Arbeit. Es ist nicht schön", sagt Klaus Düthorn, Chef der Höchstadter Kläranlage. Weil Feuchttücher besonders reißfest sind und sich im Wasser nicht zersetzen, verstopfen sie die Abwasserpumpen.

"Verzopfung" nennt Düthorn es, wenn sich die Tücher zusammenklumpen und um die Pumpe wickeln. Meist sind die Übeltäter nicht aus Papier, wie normales Toilettenpapier, sondern aus Vlies. Deswegen dürfen sie nicht in der Toilette runtergespült werden. Auch andere Hygieneartikel, wie Wattestäbchen, haben in der Toilette nichts verloren.

Zur Höchstadter Kläranlage gehören rund hundert solcher Pumpen. In jedem Ortsteil stehe ein Pumpwerk, das mit zwei bis drei Pumpen ausgestattet ist, berichtet Düthorn. Einmal im Monat müsse man auf jeden Fall ausrücken. Das bedeutet für die Mitarbeiter der Kläranlage vor allem eines: mehr Arbeit. Sobald aus einer Pumpstation ein Störfall gemeldet wird, mache sich ein Mitarbeiter - bei größeren Problemen sogar zwei - auf den Weg. In manchen Pumpen seien laut Düthorn Schneidewerke eingebaut, die durch Sand und Steine im Abwasser allerdings schnell stumpf werden.


Pumpe verstopft bei Regen

Die Mitarbeiter des Lonnerstadter Bauhofs kennen das Problem mit der Abwasserpumpe ebenfalls. Fast jeden Monat müssen sie deswegen in die Abwasserpumpstation am Ortsrand hinab klettern. "Besonders schlimm sind Regentage, weil dann der Wasserspiegel ansteigt und die Pumpe noch schneller verstopft", erklärt Bauhofleiter Johann Höps.

Weil Lonnerstadt keine eigene Kläranlage hat, leitet die Pumpe das Abwasser in die Höchstadter Kläranlage. Dafür muss die Pumpe aber intakt sein und darf nicht von Feuchttüchern und anderen Hygieneartikeln verstopft werden. "An der Pumpe bilden sich dann immer so lange Zöpfe", sagt Bauhofmitarbeiter Jens Loeser.
Fällt eine Pumpe aus, kann das Abwasser nicht weiter transportiert werden und es kommt zu einem Rückstau im Kanal. Von den Versprechen der Feuchttuch-Hersteller halten die Bauhofmitarbeiter nicht viel. Manche Hersteller werben auf der Verpackung damit, dass sich das Feuchttuch im Abwasser zersetzt und so ohne Bedenken in der Toilette runtergespült werden kann. Das ist aber nur bei den wenigsten Tüchern der Fall.

"Es wird seit Jahren immer schlimmer", sagt Harald Haßlauer vom Lonnerstadter Bauhof. Nicht nur Hygieneartikel müssen er und seine Kollegen aus dem Abwasser fischen. Zahnbürsten, leere Verpackungen oder Steine schwimmen auch manchmal in der trüben Brühe.