Im Jahr 1941 besaß die Stadt eine Sprengelschule, in der die katholischen Kinder aus Herzogenaurach, Hauptendorf und Steinbach sowie aus Burgstall und Falkendorf unterrichtet wurden. In die Mädchenschule am Kirchenplatz gingen 340 Schülerinnen. An dieser Schule hatten bis 1937 neben zwei weltlichen Lehrerinnen auch vier Maria-Ward-Schwestern gewirkt. Am 1. April 1937 waren die Ordensschwestern von ihren Stellen als Lehrerinnen entfernt worden. Als Ersatz kam Magdalena Metschnabl aus Bamberg in die Aurachstadt.

Bereits dort war sie mit ihrer christlichen Einstellung unangenehm aufgefallen. "Damals war es schon anrüchig, wenn man in die Kirche ging", erzählte sie später. Eine Entschließung des Ministeriums für Unterricht und Kultus vom 23. April 1941 besagte, dass der Unterricht statt mit einem Gebet mit einem Wochenspruch aus nationalsozialistischem Gedankengut oder mit einem Lied der Hitlerjugend begonnen werden sollte.
Solange die altgedienten Lehrer in Herzogenaurach wirkten, tat sich in dieser Richtung eher wenig. Auch Metschnabl hielt mit ihren Schülern am Gebet fest.

Als ab 1. Juli 1941 Georg Schlee als neuer Schulleiter für die Mädchenschule mit dem Titel eines Rektors in Herzogenaurach tätig wurde, änderte sich die Situation. In der Pause rief er alle Lehrer zusammen und verkündete: "Von jetzt ab wird nicht mehr gebetet, sie haben stattdessen ein nationalsozialistisches Lied zu singen, das Beten ist verboten und die Schulkreuze müssen entfernt werden." Lehrern, die sich dieser Anordnung widersetzten, drohte er die Entlassung oder die Strafversetzung nach Polen an.


Mütter vor dem Schulhaus

Über ihre Kinder erfuhren die Herzogenauracherinnen davon. Gleichsam als Fanal wirkte es, als Rektor Schlee am 11. Juli 1941 das Kreuz aus dem Handarbeitssaal, wo er Berufsschulunterricht gab, und nach Aussage einiger Kinder auch aus seiner Klasse entfernte. An diesem Tag versammelten sich nach dem 9- Uhr-Gottesdienst zunächst circa 50 Mütter vor dem Schulhaus, um dem Rektor ihre Meinung zu sagen.

Die Hauptinitiatorinnen waren Margarete Kern, Katharina Maier, Kuni Schmitt, Maria Schürr, Regina Wirth, Margarete Hornfischer und Ursula Sieber. Bald waren es 200 Frauen. Die Menge nahm durch Mund-zu-Mund-Propaganda aber immer mehr zu. Als Arbeiterinnen in den Schuhfabriken erfuhren, dass in der Schule die Kreuze abgenommen wurden, begaben sie sich dorthin.

Rektor Schlee fühlte sich angesichts der wachsenden Menschenmenge immer mehr bedroht und suchte bereits zu diesem Zeitpunkt um Unterstützung beim Bürgermeister nach.

Als in der Pause die Kinder nach unten auf den Kirchenplatz stürmte, drangen die Frauen über die zwei Eingänge in das Mädchenschulhaus ein. Einige sagten: "Wir kommen heute und verteidigen unsere Kinder." Rektor Schlee war in ein WC geflüchtet und versuchte, sich durch das Fenster abzusetzen. Die aufgebrachte Menschenmenge hatte dies jedoch bemerkt und verhinderte dies. Ein zu diesem Zeitpunkt auf Heimaturlaub befindlicher Soldat sagte: "Du Berschla, was willst du? Die Kreuze entfernen? Du, geh halt hinaus an die Front, dann hörst du, wie die jungen Soldaten nach dem Herrgott schreien! Und du willst ihn draus haben aus der Schul, untersteh dir's nicht und tu das Kreuz heraus!"

Die Menge zog mit Schlee zum Rathaus. Anscheinend versuchte er, zum Ortsgruppenleiter der NSDAP zu gelangen. Dieser wollte die inzwischen auf 400 bis 500 Personen angewachsene Menge mit dem Hinweis beschwichtigen, dass es keinen Grund zur Aufregung gebe: "Was wollt ihr denn? Wir sind doch alle gottgläubig!" Worauf die Frauen geantwortet haben sollen: "Nein, katholisch sind wir." Schlee rettete sich dann im Rathaus ins Zimmer des Bürgermeisters. Das Gebäude wurde bis zum Abend von den Frauen umlagert. Gegen 17 Uhr verlief sich die Menge langsam, der Schulleiter wurde unter Polizeischutz nach Hause geführt.


Entfernung des Rektors verlangt

Engagierte Herzogenauracherinnen verfassten sogar eine Petition, die sie an das Staatsministerium für Unterricht und Kultus nach München sandten. Diese trägt die Unterschrift von vier Frauen: Marie Schürr, Rina Maier, Kuni Schmitt und Regina Wirth. Diese wussten ihre Mitstreiterinnen hinter sich, der Text begann daher: "Im Namen der Mütter & Frauen Herzogenaurachs..." Besonders an der Person des Rektors Schlee machten sie ihre Kritik fest. "Wir verlangen [...] die Entfernung des Rektors Schlee, da ohne dessen Versetzung Ruhe in der hiesigen Stadt nicht einziehen wird. Die Kinder haben eine direkte Furcht, vor diesem Herrn u. diese Behandlung lassen sich die Eltern, am allerwenigsten die im Felde stehenden Väter u. Brüder auf keinen Fall gefallen."

Die beiden Lehrerinnen Neukam und Metschnabl, die das Schulgebet noch verrichteten, wollten sie unter allen Umständen in Herzogenaurach behalten. Sollten die Lehrerinnen strafversetzt werden, so würde das große Wellen der Empörung verursachen. Außerdem forderten sie in ihrer Petition, "...daß die hiesige Lehrerschaft, soweit sie auf Gebet u. Kreuz verzichten, wieder zur Sitte der Väter zurückkehrt".

Die Frauen wurden von der Polizei noch am Freitag im Gasthaus "Weißes Roß" verhört. Am nächsten Tag war die Gendarmerie der ganzen Umgebung aufgeboten. Auf dem Flugplatz soll eine Maschinengewehrabteilung bereitgestellt worden sein. Täglich waren zwei Gendarmen im Schulhaus anwesend. In den nächsten Tagen folgte eine große Untersuchungsaktion, bei der die Frauen einzeln befragt wurden. Lehrerin Metschnabl wurde aus dem Schuldienst entlassen und absolvierte eine Ausbildung als Seelsorgehelferin. Die Aktion in Herzogenaurach fand sogar Eingang in den Monatsbericht der Regierung in Ansbach für den Juli 1941. "Die Bevölkerung ist z.T. wegen der Maßnahmen auf religiösem Gebiet immer noch stark beunruhigt. In Herzogenaurach, LK Höchstadt, entlud sich am 11. Juli [1941] die Mißstimmung eines Teiles der Bevölkerung in Demonstrationen vor dem Rathaus, bei denen scharfe Kritik an den getroffenen Maßnahmen geübt wurde. Äußerlich herrscht zwar jetzt überall, auch in Herzogenaurach, wieder Ruhe, die innere Erregung hält aber an [...] Es ist zu befürchten, daß die Frauen ihre Besorgnisse auf religiösem Gebiet auch ihren im Felde stehenden Männern mitteilen und so die Stimmung der gerade jetzt hart kämpfenden Front ungünstig beeinflussen."

Vermutlich bewahrte diese Einschätzung der politischen Lage die Herzogenauracherinnen vor härteren Strafen. Sie hatten mit ihrer Aktion erreicht, daß die Kreuze in den Schulzimmern verblieben.