• Herzogenaurach leidet an Personalmangel für Kindertagesstätten
  • Verkürzte Betreuungszeiten und zu wenige Gruppen sind die Folge
  • Corona- und Schwangerschaftsausfälle verschärfen die Situation
  • Bürgermeister German Hacker sieht Potenzial in ausländischen Kräften 

Die kirchlichen Träger der Herzogenauracher Kindertagesstätten suchen derzeit händeringend nach pädagogischem Personal. Auch Bürgermeister German Hacker (SPD) macht auf den Personalmangel aufmerksam und erklärt im Gespräch mit inFranken.de, aus welchen Gründen die Situation in seiner Stadt so angespannt ist und was helfen könnte.

Herzogenaurach braucht mehr Kita-Personal: "Jeder Ausfall reißt ein Loch"

Der Bau des neuen Gebäudes der Kindertagesstätte "Johann Comenius" geht voran. Sie soll im April 2022 ihre Türen öffnen. Doch das Problem wird sein, die Räume zu füllen. 40 bis 50 Stellen seien bei den beiden kirchlichen Trägern frei. "Wir können sie gerade nicht besetzen", schildert Hacker. Zunächst sollen drei bereits bestehende Gruppen in das neue Gebäude einziehen, sieben Gruppen könnten aber theoretisch gebildet werden. "Eltern stehen vor einem riesigen Betreuungsproblem. Deswegen werden in Herzogenaurach Kindertagesstätten ohne Ende gebaut. Wir bauen so viel Platz wie nötig ist." Daran scheitere es nicht.

"Herzogenaurach hat eine sehr hohe Betreuungsquote", erklärt Hacker. Wir haben mittlerweile 1400 betreute Kinder im Kita-Alter." Dazu kämen ein in den letzten drei bis vier Jahren spürbarer Zuzug und Anpassungen des Betreuungsschlüssels. Ein niedrigerer Betreuungsschlüssel bedeute, dass sich eine Fachkraft um weniger Kinder und dafür intensiver um sie kümmere. Damit sei aber mehr Personal nötig.

Zwei weitere Faktoren verschärften die Situation: Weil der Beruf vornehmlich von Frauen besetzt werde, komme es immer wieder zu Ausfällen wegen Schwangerschaften. Wegen der Corona-Pandemie müssten die Betroffenen unverzüglich ihre Arbeit pausieren und könnten nicht wie vorher in Horten weiterarbeiten. Wie in anderen Branchen führten Corona-Infektionen zu enormen Einschränkungen im Betrieb: "Jeder Ausfall reißt sofort ein Loch. Während man vor drei Jahren bei einem Ausfall einen Springer eingesetzt hat, ist jetzt die Luft so dünn, dass es zu verkürzten Betreuungszeiten kommt. Im Extremfall muss eine Gruppe auch mal temporär geschlossen werden. "

Ausländische Pädagog*innen könnten helfen, doch es gibt Hürden

Hacker kann die Sorgen und den Stress der Eltern nachvollziehen. Doch das Kindeswohl müsse hoch bewertet werden. 20 Kleinkinder könnten nicht von einer Person betreut werden. Hacker sieht in den Zuzügen aus dem Ausland eine große Chance. "Oft kommen Ehepartner mit, die in ihrem Land pädagogische Ausbildungen erworben haben. Dann geht es aber darum, diese Ausbildungen anzuerkennen und das ist sehr schwierig."

So komme es weiterhin darauf an, für den Beruf zu werben, der in den Worten Hackers "familienfreundlich, sicher" und nicht so schlecht bezahlt sei, wie es oft heißt. Die Träger der Kindertagesstätten "lassen nichts unversucht", so die Beobachtungen des Bürgermeisters, der zum Schluss betont, dass in Herzogenaurach alle Weiterbildungsmöglichkeiten verfügbar seien.

Doch auch im Hinblick auf andere Branchen, wie der Pflege, müsse man der Realität ins Gesicht sehen: "Wir haben einen klaren Arbeitnehmermangel und das wird sich so schnell auch nicht ändern. Wir müssen schauen, dass die jungen Menschen in die Berufe gehen, wo wir sie brauchen."