Die monatelange Diskussion darüber, wie das Wohnbaugebiet Häckersteig erweitert werden soll, ist vorerst einmal beendet. Mit einer deutlichen Mehrheit von 16:8 Stimmen entschied sich der Stadtrat am Montagabend für eine "ökologische Alternative" gegenüber den ursprünglichen Plänen.

Diese sahen am Häckersteig 40 bis 50 Hektar neues Bauland vor. Nach einer Intervention der CSU-Fraktion waren die Flächen auf 26 Hektar reduziert und vom Stadtrat im Juli mit großer Mehrheit für gut befunden worden. Dieser Kompromiss sollte in die neue Flächennutzungsplanung aufgenommen werden.

Nach weiteren Protesten einiger Höchstadter Naturschützer wurde dem Kompromiss noch eine ökologische Variante gegenübergestellt, mit der jetzt der neue Flächennutzungsplan für das gesamte Stadtgebiet samt Ortsteilen ins Genehmigungsverfahren geht.

Bürgermeister Gerald Brehm (JL) blickte auf die langen Diskussionen zurück, die vor zwei Jahren mit einer Klausurtagung des Stadtrats begannen. Und er erinnerte daran, dass der Flächennutzungsplanentwurf jetzt erst einmal in die Anhörungsrunde geht und es noch zwei bis drei Jahre dauern kann, ehe er rechtskräftig wird.

Es wird Abstriche geben

Der planende Ingenieur Georg Schreiber vom Höchstadter Ingenieurbüro Valentin Maier betonte einmal mehr, die Pläne würden ohnehin nicht so beschlossen wie heute vorgelegt. Im Zuge des Verfahrens werden noch einige Änderungen eingearbeitet werden müssen. 21 Prozent Zuwachs bei den Siedlungsgebieten im Kernstadtgebiet und 24 Prozent in den Ortsteilen bekomme man "nicht komplett durch".

Markus Fleckenstein, der den begleitenden Landschaftsplan erstellt hat, sieht die Schwerpunkte der Planung in der Erweiterung des Baugebiets Häckersteig und der Gewerbeflächen-Ausweisung im Schwarzenbachtal an der B 470 am westlichen Stadtrand. Bei der beschlossenen Variante am Häckersteig hält er die große freie Grünfläche aus Sicht des Artenschutzes für einen Vorteil, dafür könnten sich die beiden spornartig in die Landschaft ragenden Siedlungsteile bei der Genehmigung nachteilig auswirken. Mit dem Gewerbegebiet im Schwarzenbachtal würde er nicht so weit nach Westen gehen.

SPD-Sprecher Andreas Hänjes erinnerte daran, nach jahrelangem Streit für den Häcker-steig einen Kompromiss gefunden zu haben. Der wäre sein Favorit gewesen, auch aus städtebaulicher Sicht.

Mit Kompromiss ins Verfahren

Man werde immer Kompromisse finden müssen, meinte Junge-Liste-Sprecher Michael Ulbrich. Seine Fraktion wolle mit dem Kompromiss ins Genehmigungsverfahren gehen. Man müsse Wohnen und Arbeiten ans Mittelzentrum Höchstadt anbinden. In Richtung Grüne sagte er: "Die ideale Lösung kann nicht sein, dass wir uns nicht entwickeln." Für das von den Grünen beantragte Ratsbegehren, bei dem die Bürger über weitere Wohn- und Gewerbegebiete entscheiden sollten, sehe Ulbrichs Fraktion keine Notwendigkeit. Am Rande merkte er an, dass mit den umfangreichen Unterlagen, die die Räte zum Flächennutzungs- und Landschaftsplan erhalten haben, für ihn die Grenze der Belastbarkeit erreicht sei.

Dieser Feststellung schloss sich CSU-Sprecher Alexander Schulz an. Es sei als ehrenamtliche Stadtrat extrem schwer gewesen, sich in der knappen Zeit mit dem riesen Werk zu befassen. Die CSU könne mit dem ökologischen Kompromiss gut ins Verfahren gehen, sagte Schulz. Es sollte aber kein Freifahrtsschein für ungehinderten Flächenverbrauch sein. Auch im Innenstadtbereich müssten Flächen aktiviert und nachverdichtet werden, forderte der CSU-Sprecher und wünschte sich ein ökologisches Gewerbegebiet.

Auf generelle Ablehnung stieß der Flächennutzungsplan bei den drei Grünen im Stadtrat. "Zu viel Flächenverbrauch", argumentierte Peter Winkler und forderte ein "wirksames Flächenmanagement". Zudem sollte Höchstadt nicht mehr an der Einfamilienhaus-Strategie festhalten. Winkler sieht in dem Plan "Gewinn- und Vermögensmaximierung" mit "verschwenderischen Wucherungen" im Vordergrund. Der Grünen-Antrag auf das Ratsbegehren wurde nur von Franz Rabl (CSU) unterstützt und mit 20:4 Stimmen abgelehnt.

Kein Verständnis für die Forderungen der Grünen hatte Bürgermeister Brehm. Er hielt Winkler, der selbst in einem Einfamilienhaus im Häckersteig wohnt, Egoismus vor. Auch Menschen seien Schutzgut, sagte Brehm. Andere Kommunen würden Baugebiete ausweisen, unsere Kinder müssten dann abwandern.

"Junge Familien brauchen Platz", forderte AfD-Solist Christian Beßler. Er lobte den alten Stadtrat für die Vorarbeit und warnte - mit Blick auf die Grünen - vor blindem Aktionismus. "Arbeitsplätze schaffen und Wohlstand erhalten", müsse die Devis lauten.

Arbeitsplätze ja, aber nicht im Schwarzenbachtal, forderte Josef Bessler (JL). Er stimmte dem Flächennutzungsplan zu, wollte aber festgehalten haben, dass er das Gewerbegebiet an der B 470 ablehnt.

Breiten Konsens gab es im Rat für die Überplanung des Grundstücks Medbacher Mühle. Der neue Eigentümer bekommt die Voraussetzung, um aus dem halb verfallenen Gemäuer einen Gastronomiebetrieb mit Biergarten und Wohnung zu machen.