Über den Baufortschritt zeigten sich alle Räte erfreut, über manche Begleiterscheinungen weniger. Aber letztlich kann jedes große Vorhaben Risiken mit sich bringen. Und wenn man zurzeit versuchen würde, Baukosten vorherzusagen, dann käme das einer Kaffeesatzleserei gleich. Das sagte Bürgermeister German Hacker am Donnerstagabend in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses.

Er bezog sich zwei Baumaßnahmen, "die in der Tat nicht alle Tage vorkommen" - den Neubau des Rathauses und die damit verknüpfte Sanierung des Schlosses. Zuvor hatte Projektleiter Jürgen Ziegler Informationen zum aktuellen Sachstand des Großprojekts gegeben.

Die wichtigsten Ergebnisse vorab: Die Fertigstellung des Rathausneubaus verzögert sich voraussichtlich um ein Vierteljahr und ist nun im Dezember 2022 vorgesehen, statt September. Und die Kosten dürften sich, realistisch betrachtet, um rund zwei Millionen Euro auf 40,5 Millionen Euro erhöhen, sagte Ziegler. Das liege hauptsächlich an den Schwierigkeiten, die man mit der Baugrube hatte.

Der Projektleiter nannte auch eine optimistische Prognose, die mit rund 38 Millionen Euro sogar noch etwas günstiger wäre als die ursprüngliche Berechnung. Eine pessimistische Prognose aber geht von einer Erhöhung um 11,6 Prozent auf 42,8 Millionen Euro aus. Orientiert hat man sich bei den Schätzungen an den bereits vergebenen und bezahlten sowie noch offenen Arbeiten und die er möglichen Kostenentwicklung. Die als realistisch angesehene Steigerung von 5,5 Prozent bezeichnete Ziegler als sehr moderat. Auch wenn die zwei Millionen mehr schon "ein Haufen Geld" seien, wie Walter Drebinger (CSU) anmerkte.

Reinigungen in der Nähe

Ziegler erwähnte in seiner umfangreichen Präsentation, die von Drebinger gelobt wurde ("So stell ich mir das vor"), dass beim Abpumpen des Grundwassers aus der Baugrube durch zwölf Brunnen auch belastetes Wasser gemessen worden sei. Gefunden wurden leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW). Offenbar haben sich im Bereich der Bamberger Straße früher drei chemische Reinigungen befunden, hatte Bürgermeister German Hacker recherchiert. Für diese seien solche Stoffe typisch. Die Belastung sei nicht hoch gewesen und wurde durch eine Anlage, die man aufgestellt hat, beseitigt, informierte Ziegler weiter.

Zurzeit "wächst der Keller heraus", wie es Bürgermeister Hacker formulierte. Im April soll der Rohbau dann fertig sein. Mit der Baufirma ist man laut Ziegler handwerklich sehr zufrieden. Allerdings sei die Abwicklung auch nicht frei von Konflikten.

Richtig dickes Lob gab's für die Firma Denkmalbau Ettersburg im Schloss, die trotz Mehrleistungen deutlich schneller als der vertraglich vereinbarte Termin gewesen sei. Die Zimmererarbeiten und die Stucksicherung seien im Wesentlichen abgeschlossen, jetzt folgt der Rohbau. Mit diesen will man aber warten, auch um Heizkosten im Winter zu sparen. Ziegler: "Das Schloss geht also in einen baulichen Winterschlaf, ohne dass ein Zeitverlust im Gesamtprojekt entsteht."

Kamin machte Sorgen

Größte Herausforderung bei der Sanierung seien die bröselnden Balken und ein Kamin, "der uns ganz viel Ärger macht". Beim Umbau im Jahr 1718 sei er wenig fachmännisch eingezogen worden und soll nun wieder abgebaut werden. Nur der Ofen bleibe erhalten. Unter der tonnenschweren Last habe sich ein massiver Holzbalken um zehn Zentimeter buchstäblich gebogen. Ein ganz wichtiger Satz ist für Ziegler: "Die Standsicherheit des Schlosses ist nicht gefährdet!"

Bernhard Schwab (CSU) kritisierte den Denkmalschutz dahingehend, dass zwar der Schlot abgebrochen werden dürfe, der Ofen aber stehen bleiben müsse. Dabei sei der doch eingemauert und es sei nichts schönes dran. Bürgermeister Hacker entgegnete, dass die Befeuerungsquelle als erhaltenswert betrachtet werde und man mit den Denkmalschützern gute Erfahrungen mache. Der Schlot sei noch im 20. Jahrhundert nachgebessert worden, ergänzte Ziegler, und könne schon von daher bedenkenlos weg,

Störfaktor Storch?

Man solle damit aber nicht allzulang warten, meinte Holger Auernheimer (SPD). Denn wenn erst die Störche kommen und dort nisten, dann dürfe man den Schlot wohl nicht abreißen. Jürgen Ziegler erkannte darin einen "berechtigten Einwand", aber Bürgermeister German Hacker nahm das gelassen. "Der Storch stoppt die Baustelle nicht", sagte er.