Auf die Kläranlage der Stadt werden neue Herausforderungen zukommen. Sie haben mit dem Klärschlamm zu tun, dessen Beseitigung keine einfache und schon gar keine billige Aufgabe darstellt. Seit Jahren schießen die Transportkosten in die Höhe, eine Verbesserung ist nicht absehbar. Deshalb braucht es neue Lösungen, und darüber hat der Haupt- und Finanzausschuss jüngst ausgiebig beraten. Der Stadtrat soll dann in seiner nächsten Sitzung am Donnerstag der kommenden Woche einen Beschluss treffen.

Ziel muss es sein, die stetig steigenden Kosten für den Abtransport zu verringern. Das kann nur dadurch geschehen, dass der Klärschlamm trockener und damit leichter wird. Mögliche Lösungen stellte nun Jörg Zenker vom Ingenieurbüro Biedermann aus Ansbach in der Sitzung vor.

Planungsauftrag vergeben

Die Tiefbau-Experten erhielten in der gleichen Sitzung auch bereits den Auftrag, die Planungsleistungen für die Umsetzung der Klärschlammbehandlung zu übernehmen, Kostensumme rund 226 300 Euro. Geschehen wird das durch eine Trocknung mit Pelletierung. Das war von Zenker als Vorzugsvariante beschrieben worden.

Diese Lösung sieht vor, dass die Stadt Herzogenaurach künftig ihren in der eigenen Anlage selbst produzierten Klärschlamm trocknen und in Pellets pressen wird Damit könnten massive Kosten eingespart werden, wie eine von Zenker vorgestellte Studie aufzeigte. Berechnet wurde eine Zeitdauer von 20 Jahren.

Dafür wird eine Anlage benötigt, die in einer zusätzlichen Halle auf dem Gelände der Herzogenauracher Kläranlage bei Neuses Platz finden kann. Bis Ende des Jahres 2022 soll die Anlage fertig sein und ihren Betrieb aufnehmen können. Die Kosten der baulichen Umsetzung, einschließlich der Steuerungstechnik, sollen rund zwei Millionen Euro betragen, wie der Ingenieur erläuterte. Geheizt werden soll die Trocknungsanlage mit Gas.

Die Krux bei der Sache ist bisher, dass der Feuchtigkeitsgehalt im Klärschlamm bei 73 Prozent liegt. Das macht die Masse schwer und erfordert viele Transporte. Zenker nannte 200 Fahrten pro Jahr. 1800 Tonnen fallen jährlich an. Pro Tonne koste die Entsorgung zurzeit etwa 150 Euro, Tendenz steigend.

An sich sei der Trockengehalt von 27 Prozent schon relativ gut, meinte der Experte und verwies auf andere Anlagen, die weniger effektiv arbeiten. Mit einer Trocknung und Pelletierung vor Ort können aber ganz andere Ergebnisse erzielt werden: Man erzielt 90 Prozent Trockenstoff, was die Jahresmenge auf 540 Tonnen reduziert und nur noch etwa 50 Fahrten erfordert. Denn die Pellets sollen dann weiterhin in eine Verbrennungsanlage gefahren werden, was wie bisher in einem Zementwerk sein könne.

Eine dritte Variante mit Verbrennung (Pyrolyse) vor Ort empfahl Zenker nicht. Diese wäre deutlich teurer, außerdem sei dies störanfällig und wäre wartungsintensiv. Erfahrungswerte habe man hierzu bisher auch nur aus größeren Anlagen.

In der Debatte regte Retta Müller-Schimmel von den Grünen einen Zusammenschluss in der Metropolregion statt eines Alleingangs an. Denkbar wäre eine solche Zusammenarbeit mit Herzogenaurach als Zentrum, meinte Jörg Zenker. Die Überlegungen wurden von Christian Bendler, Leiter Tiefbauamt im Rathaus, gebremst. Eine kommunale Anlage dürfe so etwas nicht übernehmen, dazu bräuchte es einen Zweckverband. Ein solcher aber wäre in frühestens fünf bis sieben Jahren spruchreif.

Gespräche suchen

Konrad Körner (JU) fand es "gut, wenn in die Zweckverbands-Richtung gedacht wird", bevor man den Schlamm weiter durch ganz Deutschland und Europa fährt. Auch sei es nicht der Weisheit letzter Schluss, den Klärschlamm mit fossilen Brennstoffen zu trocknen. Körner regte an, im Landkreis Gespräche zu suchen. "Andere haben die gleichen Probleme." Bürgermeister German Hacker sagte, dass nicht alle Gemeinden im Landkreis eine eigenen Kläranlage hätten und nach Herzogenaurach schon drei Gemeinden einleiten. Herzogenaurach sei im Kreis die größte Anlage. Freilich könne man Gespräche führen. Wichtig ist für den Bürgermeister dabei, dass man aber strikt trenne zwischen der jetzt Pelletierung und der in zehn Jahren anstehenden Phosphorrückgewinnung. Das ist dann das nächste Problem mit dem Klärschlamm.

Der Beschluss, die genannte Variante zu nehmen, fiel im Ausschuss einstimmig. Jetzt ist noch der Stadtrat gefragt.