Eine Stimmung der ganz eigenen Art: der Tag vor dem Lockdown, Maskenpflicht unter freiem Himmel, vorbildliche Abstandswahrung gepaart mit dem Totengedenken an den Gräbern. Schwüles Novemberwetter während des Allerheiligengottesdienstes auf dem Höchstadter Friedhof. Doch kaum zu glauben: Während der Zeremonie fiel kein Tropfen Regen.

Seit Monaten spielte Höchstadts Stadtkapelle unter der Leitung von Georg Römer erstmals wieder zusammen. Sie brauchten und bekamen knapp 20 Meter Platz, um in den vorgeschriebenen Abständen Aufstellung zu nehmen.

Die Kirchenräte der St.-Georgspfarrei mussten keine Ordnungsmaßnahmen ergreifen, die Menschen verhielten sich vernünftig. Sie wollten in dieser Stimmung nur eines: nicht allein an ihre Verstorbenen denken, sondern gemeinsam miteinander beten.

Sie wollten einfach Hoffnung schöpfen und vertrauensvoll in die Zukunft schauen - in die ihrer Toten und in die eigene. Die vielen, die gekommen waren, erwarteten ein gutes Wort und sie bekamen es.

Wie Eucharistie der Urchristen

Ein spürbar ergriffener Stadtpfarrer zusammen mit Pfarrvikar James Nangachveetill, Diakon Georg Paszek und Pastoralreferentin Monika Urbasik feierten den festlichen Allerheiligengottesdienst mit hoffnungsvollen Texten und Gebeten. Kilian Kemmer erinnerte daran, dass die ersten Christen nur an den Gräbern ihrer Verstorbenen die Eucharistie feierten.

Später setzte man herausragende Christen in den Gotteshäusern bei oder begrub sie direkt bei der Kirche, um so die Verbindung von Himmel und Erde, Gott und Mensch, Ewigkeit und Zeit zu versinnbildlichen. Auch heute befindet sich noch in jeder Kirche mindestens ein Grab im Altar. Reliquien von Heiligen werden in den Altären beigesetzt, um diesen Gedanken des Urchristentums aufrechtzuerhalten.

Gedanken aufgreifen

"Sollte nicht der Allerheiligengottesdienst unabhängig von der Pandemie in Zukunft immer auf dem Friedhof stattfinden?", fragte Kemmer.

Viele Helfer der Grottenbaugruppe, des Pfarrgemeinderats, des Bestattungsinstituts Riegler und des städtischen Bauhofes sorgten mit Mesner Gerhard Wirkner und den Ministranten für einen würdigen und sicheren Rahmen. Benedikt Döring vom Leitungsteam der Ministranten beschallte die gesamte Friedhofsanlage. In das Totengedenken schloss Pastoralreferentin Monika Urbasik auch die Opfer der Coronapandemie ein.

Viele hätten gerne dem Bürgermeister per Handschlag gedankt, dass er die Feier auf dem städtischen Friedhof unter den strengen Auflagen zugelassen hat. Das Stadtoberhaupt stand am Grab seiner in diesem Jahr verstorbenen Mutter.

Trost spenden

"Wenn schon so viele in diesem Jahr einen nicht öffentlichen Abschied von einem lieben Menschen wegen der Pandemie auf sich nehmen mussten, braucht es wenigstens ein trostreiches Allerheiligenfest", betonte Gerald Brehm.

Bereits am Vormittag versammelten sich die Christen in Sterpersdorf und in Gremsdorf zu ihrem traditionellen Friedhofsgang. Auf dem Friedhof "An der Birkach" segnete am Nachmittag des Feiertags in Etzelskirchen Diakon Georg Paszek die Gräber.

Einen Tag vor dem zweiten Teil-Lockdown waren die Allerheiligen-Gottesdienste in Höchstadt und in seinen Ortsteilen ein mutiges Zeichen der Ortskirchen, das für die Menschen Hoffnung ausstrahlte.LM