Das Spielszenario für Freitag Abend hat Jean-Paul Blum schon genau vor Augen: Frankreich führt souverän mit einem 1:0, dominiert das Spiel mit Zauberfußball, glänzt mit beeindruckenden Aktionen von Karim Benzema und Paul Pogba - bis Thomas Müller in der 88. Minute mit einem Tor ausgleicht. Es kommt zur Verlängerung, schließlich zum Elfmeterschießen - Deutschland gewinnt, Frankreich scheidet aus. "So tragisch wäre das für mich aber nicht. Deutschland war bis jetzt ohnehin die bessere Mannschaft", findet Jean-Paul Blum.

Pfannkuchen für Steffi Graf

Seine Daumen drückt der 65-Jährige trotzdem für Frankreich. Geboren und aufgewachsen ist er nämlich in Niederbronn-les-Bains, einer französischen Kleinstadt im Elsass. Vor 42 Jahren kam er nach Deutschland, direkt nach Herzogen aurach, der Arbeit wegen. 22 Jahre lang war er Koch im früheren Adidas-Sporthotel - dem heutigen HerzogsPark. Gekocht hat er dort für so ziemlich jeden, der Rang und Namen hatte, ob aus dem Sport, der Politik oder der Unterhaltungsbranche. Sein persönliches Highlight: Steffi Graf. "Das war 1987. Sie war sehr nett. Gekocht habe ich für sie gefüllte Pfannkuchen", erinnert sich Blum.

Doch nicht nur Steffi Graf kam in den Genuss seiner Kochkünste. Vor allem viele Fußballer ließen sich sein Essen immer wieder in vollen Zügen schmecken, unter anderem die deutsche Nationalmannschaft von 1974: Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Uli Hoeneß, Paul Breitner und so weiter. Auch die beiden damaligen Trainer Helmut Schön und Jupp Derwall saßen mit am Tisch. "Französische Spieler waren auch da. Und der damalige französische Trainer Michel Hidalgo", sagt Blum.

Und nicht nur Fußballer, auch andere Sportler wie die beiden Skifahrerinnen Rosi Mittermaier-Neureuther und Irene Epple-Waigel oder die Rennfahrer Jacques Bernard Ickx und Harald Ertl bekochte er. "Die Begeisterung für den Sport, die ich ohnehin von klein auf hatte, hat mit diesem Job natürlich noch zugenommen. Er machte noch Fußball verrückter", schmunzelt Blum.

Udo Jürgens und David Hasselhoff

Mit dem zwölfköpfigen Küchenteam stand der Franzose aber auch für Stars wie Udo Jürgens, James Last, Roberto Blanco, Marianne und Michael oder David Hasselhoff am Herd. Oder auch für Politiker wie dem einstigen bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß und dem früheren Bundespräsidenten Walter Scheel. "Es war schon eine Ehre, für all diese Menschen kochen zu dürfen", sagt Blum.

Serviert wurde natürlich nicht irgendwas: "Es gab vor allem die gehobene Küche: Hummer, gefüllte Forelle oder Kalbsrückensteak", erklärt Blum. Bei der Zubereitung der Nachspeise ist ihm einmal versehentlich ein Fehler unterlaufen. Den haben seine Gäste auch gleich bemerkt: "Ich habe aus Versehen zum falschen Spritzbeutel gegriffen und statt Sahne Meerrettichsahne verwendet", lacht Blum.

Sonderwünsche von den Prominenten, was sie am liebsten auf ihrem Teller haben möchten, hat es während seiner Zeit im Sporthotel auch immer wieder gegeben. "Ich weiß noch, gefragt war vor allem Kaviar", erinnert sich Blum.

Heute kocht er am liebsten für seine Frau Annette. Mit ihr zusammen schaut er sich am Freitag Abend ganz in Ruhe in Wohnzimmer das Fußballspiel an. Und egal ob morgen Deutschland oder Frankreich gewinnt, Weltmeister wird Blum zufolge, der früher selbst aktiv Fußball gepielt hat, ohnehin eine ganz andere Mannschaft: "Ich denke es wird Brasilien."