Peter Maier, die Höchstadter kennen ihn als Bauingenieur des alteingesessenen Ingenieurbüros Valentin Maier, ist zum Bürgermeister von Laer gewählt worden. Das kleine Städtchen (spricht man Laer, nicht Lär) mit 6600 Einwohnern liegt im Münsterland in Nordrhein-Westfalen, wo in den letzten Wochen Kommunalwahlen stattfanden. Für Laer ist das Ergebnis ein Paukenschlag.


Stellenanzeige im Internet

Maier setzte sich in der Stichwahl mit 61,5 Prozent gegen den amtierenden, von der CDU unterstützten Bürgermeister Detlev Prange durch, der seit 2009 im Amt war. Prange war zuvor Kämmerer gewesen. Aber was verbindet den 51-jährigen Höchstadter mit der Stadt im Münsterland? Er habe gegoogelt und eine Stellenanzeige gefunden: "Gemeinde sucht Bürgermeisterkandidaten", sagt Maier. Dann habe er sich beworben.


"Nachdem ich geschieden wurde, habe ich eine neue Herausforderung gesucht." Kommunalpolitik habe ihn schon immer gereizt. In Höchstadt sei er vor 30 Jahren in der Jungen Union an der Seite von Gerald Brehm (dann Junge Liste) aktiv gewesen. In eine Partei sei er aber nie eingetreten.

In Laer suchte die SPD zusammen mit der FDP einen Kandidaten. "Unser bisheriger Kandidat hat Anfang des Jahres sein Interesse zurückgezogen", sagt Norbert Rikels, Vorsitzender des Laer SPD-Ortsvereins.
Da sich in den eigenen Reihen keiner gefunden habe (Rikels selbst wollte mit 70 Jahren nicht für den hauptberuflichen Bürgermeister kandidieren), habe man zusammen mit der FDP die Anzeige geschaltet. Maier sei einer von sieben Bewerbern gewesen. Eine Kommission hat dann im Juli entschieden: Das ist unser Mann.

"Ein bisschen war das wie bei einer mündlichen Prüfung in der Schule", sagt Maier. Er sollte seine Konzepte vorstellen, wie er die Kommune voran bringen möchte. "Die Stadt ist quasi pleite", sagt der neue Bürgermeister, der Ende Oktober seinen Amtsantritt hat. Er werde daher erst einmal den Haushalt sanieren. Für die Ausschreibung eines neuen Baugebiets komme ihm seine bisherige berufliche Tätigkeit gelegen. Laut Rikels ein Grund, der Maier für den Job qualifiziere.


Wahlkampf an den Wochenenden

Bekanntlich ist ja Bürgernähe eine wichtige Eigenschaft, die ein Politiker haben muss. Aber geht das überhaupt: Bürgernähe, wenn man seine Bürger noch gar nicht kennt? "Es geht um Fach- und Sachkompetenz", sagt Maier. Im Sommer sei er immer am Wochenende von Höchstadt nach Laer gefahren, um Wahlkampf zu machen. Und dieser hat anscheinend gezündet. Mit 30,8 Prozent setzte sich Maier bei der Wahl am 13. September gegen vier Mitbewerber durch. Bei der Stichwahl am Sonntag holte er dann die 61,5 Prozent. Und das bei einer stattlichen Wahlbeteiligung von 64,5 Prozent.


Der Fremde aus Bayern

"Es hat sich im Wahlkampf schon abgezeichnet", sagt SPD-Ortsvereinsvorsitzender Rikels. Aber ist es kein Problem für die Laer und Laerinnen von einem Fremden aus Bayern regiert zu werden? "Dann hätte er dieses Ergebnis wohl nicht bekommen", sagt Rikels. Der bisherige Bürgermeister sei nicht wegen eines Skandals oder einer Affäre aus dem Amt gejagt worden. Aber es habe eine große Unzufriedenheit gegeben, sagt Rikels. Er freue sich schon darauf, zusammen mit Maier in dessen Heimatstadt im Aischgrund zu reisen.

Eine Wohnung in Laer habe Maier noch nicht. "Aber es wird wohl kein großes Problem eine zu finden." Angesprochen auf eine künftige Städtepartnerschaft zwischen Laer und Höchstadt muss Maier lachen: "Warum nicht? Schauen wir mal."