Bei der Bürgermeisterwahl am 17. Januar 2021 werden in Weisendorf die Karten neu gemischt. Bei der Aufstellungsversammlung von Bündnis 90/Die Grünen wurde der verheiratete Dipl.-Ing. für Hochbau Ernst Rappold einstimmig zum Bürgermeisterkandidaten gewählt. Rappold wurde am 15. März dieses Jahr erstmals in den Gemeinderat gewählt und ist nun der dritte Kandidat für den Chefsessel im Weisendorfer Rathaus.

Auch Zweiter Bürgermeister Karl-Heinz Hertlein von der CSU und Franz Dellermann von der Unabhängigen Wählergruppe Buch-Nankendorf (UWG) bewerben sich um den Bürgermeisterposten. Die Neuwahl wird erforderlich, weil Bürgermeister Heinrich Süß von der UWG am 10. September überraschend verstarb.

In seiner Vorstellungsrede stellte Rappold in Kurzform die zentralen Themen vor, die er als Bürgermeister angehen wird: Die Energiewende müsse ebenso zügiger vorangebracht werden sowie die Verkehrswende mit dem weiteren Ausbau des ÖPNV. Bei der städtebaulichen Sanierung der Ortsmitte von Weisendorf sei noch viel Luft nach oben und in Sachen "Kultur" sieht der Kandidat noch viel Nachholbedarf.

Grundsätzlich hätten die meisten Bürger dieselben Vorstellungen davon, wie sich eine Gemeinde entwickeln müsse und welche Veränderungen angestrebt werden sollten, so Rappold. Sein Ziel für eine mögliche Amtszeit als Bürgermeister sei es daher, diese Veränderungen konsequent umzusetzen: Ab einem gewissen Punkt gehe es aber nicht mehr um das "Wollen", sondern um das "Machen". "Jeder will schönere Ortszentren, mehr Radwege, eine intakte Natur und einen besseren ÖPNV. Mein Ziel ist es, der zu sein, der diese Vorhaben auch angeht und umsetzt", erklärt der Bürgermeisterkandidat.

"In der Gemeinde sind noch viele Schätze zu heben, so ist Weisendorf bei der Energiewende stehengeblieben", sagte Rappold und erinnerte an die Windräder bei Dachsbach, an denen sich Weisendorf ursprünglich beteiligen wollte und letztlich dagegen klagte.

"Dieses Thema ist mir sehr wichtig. Weisendorf kann energieautark werden und ein eigenes Stromnetz betreiben, wenn der Markt Weisendorf konsequent weiter daran arbeitet. Dazu gehört dann eine Unterstützung der Bürger in energetischen Fragen und die Initiierung von Bürgerenergieprojekten, um die Stromerzeugung durch Photovoltaik schmackhaft zu machen und voranzutreiben."

Bei der Verkehrswende will der Kandidat einen schnelleren Umstieg auf den ÖPNV, damit der Verkehr von den Straßen genommen wird. Weisendorf habe die Chance, zu einem Drehkreuz der Nachbarlandkreise zu werden, wenn man es auch wolle, dazu müsse aber auch der Landkreis noch mehr tun.

Ebenso energisch will Rappold sich für mehr Kultur in der Gemeinde einsetzen, denn es sei nicht nur viel Potenzial vorhanden, die Menschen wären sicher dankbar. "Kultur besteht nicht nur aus einer Kirchweih, über die Weisendorf nicht hinausgekommen ist. Die Menschen erwarten mehr", meint Rappold. Er kann sich einen Kunst- und Kulturverein vorstellen.

"Marktplatz statt Parkplatz"

Ein wichtiges Thema ist für den Kandidaten die städtebauliche Sanierung der Ortsmitte. Weisendorf habe nämlich einiges zu bieten, das ausgeschöpft und umgesetzt werden müsse. So wurde das Thema "Marktplatz" im Gemeinderat erstmals 2009 thematisiert, aber es sei nichts passiert.

Dann habe man es in der letzten Gemeinderatssitzung geschafft, die Bushaltestelle zu einem Kurzparkplatz umzuwidmen. Eigentlich solle es "Marktplatz statt Parkplatz" heißen, deshalb soll im Ortskern der Verkehr minimiert oder am besten ganz außen vor bleiben.

Der Abriss des alten Rathauses und dann die Ansiedlung der Spedition habe ihn als "Gegner" letztlich zur "aktiven" Politik gebracht. "Weisendorf liegt mir am Herzen, weil ich hier lebe und arbeite. Ich habe schon immer Grün gewählt, und jetzt bin ich, mit einem gewissen Stolz, der, der als Grüner zum Bürgermeister in Weisendorf gewählt werden kann", sagte Rappold abschließend.