Seit dem Frühjahr 2020 beherrscht die Coronapandemie die Welt. In Europa lag das Epizentrum zu Beginn vor allem in Norditalien rund um die Stadt Bergamo. Wie das Universitätsklinikum Erlangen erklärt, kam es dort aufgrund der hohen Fallzahlen schnell zur Überlastung des Gesundheitssystems.

Wichtige Unterstützung in diesen äußerst schwierigen Zeiten erhielt Italien unter anderem von Jürgen Schüttler, Direktor der Anästhesiologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen. Dank seines unermüdlichen Einsatzes mit viel Kommunikations- und Koordinationsarbeit konnten schwerstkranke italienische COVID-19-Patientinnen und -Patienten zur Behandlung nach Deutschland gebracht werden. Sein beherztes Engagement honorierte die italienische Regierung nun mit der Offiziersstufe (Ufficiale) des Ordens „Stern von Italien“ (Ordine della Stella d’Italia).

Die Hilfsaktion, die von der Bayerischen Staatskanzlei angestoßen worden war, startete in der letzten Märzwoche 2020. „Durch Kontakte zu Freunden und Kollegen wusste ich, wie groß die Not in Norditalien war. An fünf aufeinanderfolgenden Tagen hat deshalb ein Team mit Beteiligung von Ärztinnen und Ärzten unserer Anästhesiologischen Klinik jeweils zwei schwerstkranke, beatmete COVID-19-Patientinnen und -Patienten vom Flughafen Orio al Serio Bergamo zum Nürnberger Flughafen transportiert“, erinnert sich Prof. Schüttler. „Von dort aus wurden die Patientinnen und Patienten dann auf die drei Universitätsklinika Erlangen, Regensburg und Würzburg verteilt.“ Insgesamt konnten so zehn Italienerinnen und Italiener nach Deutschland gebracht und behandelt werden. Außerdem übersendeten Prof. Schüttler und sein Team medizinische Geräte nach Bruneck in Südtirol, damit die Krankenhäuser dort besser für die Pandemie gewappnet waren. „Durch unsere Bemühungen, den Menschen in Italien zu helfen, konnten glücklicherweise einige Leben gerettet werden. Wir haben sehr, sehr viele Telefonate geführt und mit den beteiligten Infrastruktureinrichtungen Transporte organisiert“, sagt Prof. Schüttler. „Besonders schön ist, dass es den meisten Patientinnen und Patienten heute wieder gut geht. Über eine Kollegin, die aus Nürnberg stammt und für den ADAC in der Region um Mailand bzw. Bergamo arbeitet, haben wir noch Kontakt zu einigen Betroffenen und ihren Familien.“

Mehr als ein Ritterschlag

Am 18. März 2022 lud der Generalkonsul der Italienischen Republik, Enrico De Agostini, Jürgen Schüttler dann nach München auf einen Espresso ein. „Ich habe mich auf einen angenehmen Austausch gefreut und ahnte nichts davon, dass ich bei dieser Gelegenheit mit einem Verdienstorden geehrt werden würde“, berichte der Würdenträger lachend. „Die Überraschung war daher groß, als Herr De Agostini eine feierliche Ansprache hielt und mir den Orden überreichte.“ Enrico De Agostini sagte bei der Übergabe der mit der Offizierswürde verbundenen Auszeichnung: „Als international renommierter Arzt und Wissenschaftler leitete Professor Schüttler die Aktivitäten, die mit der Aufnahme und Behandlung von zehn schwer erkrankten COVID-19-Patientinnen und -Patienten aus Italien in den Universitätsklinika Erlangen, Regensburg und Würzburg verbunden waren. Weiterhin stellte er die kontinuierliche Kommunikation mit dem Generalkonsulat der Italienischen Republik in München und dem italienischen Katastrophenschutz sicher. Sämtliche Maßnahmen, einschließlich der Verlegung der Patientinnen und Patienten nach Bayern und deren Rückverlegung, wurden vorbildlich durchgeführt und retteten somit das Leben von acht Menschen. Herr Professor Schüttler gilt als vorbildliches Beispiel für europäische Zusammenarbeit.“ Die Italienische Republik würdigt Jürgen Schüttler damit für sein beispielhaftes Engagement im Rahmen der deutsch-italienischen Zusammenarbeit im Gesundheitswesen bei der Rettung von schwerstkranken Coronapatientinnen und -patienten. Der Orden wird an im Ausland lebende Italienerinnen und Italiener sowie Ausländerinnen und Ausländer vergeben. Er wird auf Vorschlag des italienischen Ministers für auswärtige Angelegenheiten und internationale Zusammenarbeit nach Prüfung durch einen vierzigköpfigen Ordensrat vom Staatspräsidenten verliehen. Die Klasse des Offiziers entspricht der des deutschen Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse.