Ein Skelett hat Wissenschaftlern neue Einblicke in die Eiszeit gegeben. Auch Forscher der FAU Erlangen gehörten zu den Experten.
Bei Bauarbeiten in Taimering nahe Regensburg entdeckten Mitarbeiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD) die Überreste eines Wollhaarmammuts. Es lebte und starb während der Würmeiszeit und wurde nach seinem Tod offenbar von altsteinzeitlichen Menschen zerlegt. Nun hat ein Forscherteam, zu dem auch Mitarbeiter der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg gehörten, die wissenschaftlichen Ergebnisse der Untersuchung veröffentlicht.
Diese zeigen, dass es sich dabei tatsächlich um einen "Eiszeitkrimi" handeln könnte. Viele Spuren deuten darauf hin, dass sich steinzeitliche Menschen damals an dem Kadaver des Tieres bedient haben. Der Fund sei für die Forscher in vielerlei Hinsicht "eine kleine Sensation". Für Begeisterung sorgte kürzlich auch eine mittelalterliche Entdeckung in der Nürnberger Altstadt.
FAU-Forscher untersuchen Taimeringer Wollhaarmammut
Bei dem aktuell untersuchten Mammut-Fund wurden neben dem knapp zweieinhalb Meter langen Stoßzahn noch 70 weitere Knochen und Knochenbruchstücke entdeckt, vor allem die des Brustkorbs sowie Hand- und Fußknochen, wird in der Meldung erklärt. Sie waren "aufgrund ihrer jahrtausendelangen Konservierung im Feuchtbodenmilieu außergewöhnlich gut erhalten", wie Christoph Steinmann, stellvertretender Leiter des Referates Bodendenkmalpflege Niederbayern/Oberpfalz am BLfD berichtet.
Die paläontologische Begutachtung der Überreste zeigte, dass alle Knochen zu einem noch nicht vollständig ausgewachsenen Exemplar mit rund drei Metern Schulterhöhe gehören. Bei einer Altersdatierung der Fundstücke ergab sich ein Alter zwischen 25.000 und 27.000 Jahren. Da die Knochen außerdem bis ins Detail unversehrt erhalten geblieben sind, konnten die Forscher einen längeren Transport durch Wasser sowie eine Zerlegung durch Raubtiere ausschließen.
Ungewöhnliche Strukturen auf der Oberfläche der Rippenknochen entpuppten sich jedoch als Schnittmarken, wodurch man auf menschliche Aktivitäten schließen konnte. Diese Schnitte wurden von altsteinzeitlichen Jägern und Sammlern verursacht, als sie das Tier zerlegten, heißt es. Eine der Rippen sei sogar als Schneidebrett verwendet worden. Ob das Mammut auch von diesen Menschen erlegt wurde oder ob es bereits tot war, bleibe laut Kerstin Pasda vom Institut für Ur- und Frühgeschichte an der FAU jedoch unklar.
"Kleine Sensation": Ergebnisse überraschen Wissenschaftler
Durch Pollenanalysen konnte darüber hinaus noch ermittelt werden, in welcher Umgebung das Taimeringer Mammut damals lebte und starb. Eine "krautige Tundra-artige Steppen-Vegetation mit vereinzelten Zwergsträuchern" sei demnach das Zuhause des Tiers gewesen. Diese sogenannte Mammutsteppe lag vor etwa 20.000 bis 30.000 Jahren in Europa zwischen dem skandinavischen Eisschild und den südlichen Gletschern der Alpen. Die nährstoffreichen Kräuter und Zwergsträucher, die dort wuchsen, dienten den Mammuts als Nahrungsquelle.
"Eine kleine Sensation ist unser Fund in vielerlei Hinsicht", berichtet Gertrud Rößner, Paläontologin an den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. Funde von Mammuts in unseren Breiten seien nämlich äußerst selten. Solche Entdeckungen gibt es normalerweise in östlicheren Regionen Europas. Die Archäologieprofessoren Andreas Maier von der Universität zu Köln und Thorsten Uthmeier von der FAU ergänzen zudem, dass es aus diesem Abschnitt der Kaltzeit fast keine Nachweise menschlicher Aktivität aus dieser Region gebe. "Jäger- und Sammlergemeinschaften zogen sich klimabedingt in Europa nach Süden und Osten zurück", erklären die beiden.