Nach kurzer Krankheit ist am Mittwoch knapp 86-jährig die Höchstadterin Gretel Hawel im Klinikum Erlangen gestorben. Mit ihr verliert Höchstadt nicht nur eine engagierte Unternehmerin, sondern auch eine in der ganzen Region bekannte Persönlichkeit. Im Aischgrund und weit darüber hinaus war die Verstorbene nur als "Kree-Gretel" bekannt. Durch ihre herzliche und couragierte Art, aber auch als echte Fränkin mit viel Humor wird sie in Erinnerung bleiben.
Gretel Hawel, geborene Kupfer, erblickte in Horbach (Gemeinde Wachenroth) das Licht der Welt. Schon in jungen Jahren war sie durch Landwirtschaft und Lagerhaus des Vaters mit dem Anbau von Meerrettich bestens vertraut. Mit 17 Jahren erwarb sie den Motorradführerschein und mit 29 Jahren die Fahrerlaubnis für Lastkraftwagen, was zu dieser Zeit eine Seltenheit war.


Umzug nach Höchstadt 1976

Ab 1958 übernahm sie den Meerrettichgroßhandel und das Lagerhaus vom Vater. Sie heiratete Hans Hawel, den Inhaber eines Fuhrunternehmens. Aus der Ehe gingen die Söhne Dieter und Thomas hervor. Im Jahr 1976 siedelte der gesamte Meerrettichhandel mit Lagerhaus und Fuhrunternehmen nach Höchstadt an den Lappacher Weg um.
In Höchstadt lebte sich Gretel Hawel schnell ein, vergaß aber nie ihre alten Verbindungen und Freunde. Einem Dutzend Höchstadter Vereine gehörte sie als Mitglied an. Aber auch den Vereinen in ihrer alten Heimat hielt sie die Treue. Der Turnverein Jahn 07 Mühlhausen, der Heimatverein Reicher Ebrachgrund und die "Zufriedenheit Simmersdorf-Horbach" ernannten sie zum Ehrenmitglied. Von 1984 bis 1990 gehörte Gretel Hawel dem Höchstadter Stadtrat an. Zwölf Jahre war sie zudem ehrenamtliche Richterin am Bayerischen Verwaltungsgericht in Ansbach.


Mit Humor und Heimatliebe

Ihr Wissen über die Sonderkultur Kree gab Gretel Hawel in vielen Vorträgen, im Fernsehen und im Rundfunk weiter. Ihre "schöne Stadt Höchstadt" band sie immer liebevoll in ihre Vorträge mit ein und brachte so ihren Zuhörern ihre Heimat, den Aischgrund, seine Dörfer, Weiher und die Natur näher. Als Händlerin war sie die Mittelsfrau zwischen den Anbauern und den Verarbeitungsbetrieben.
Sie sprach von "meinen Kreebauern" und pflegte einen herzlichen Umgang mit ihnen. Stolz war die Verstorbene auf die von ihren Bäuerinnen gebundene "Kreekrone". Mit diesem Symbol eines guten Meerrettichjahres machte sie auf Festen und sogar auf dem Münchner Oktoberfest Werbung für die scharfe Wurzel aus Franken.
Gretel Hawel wurde 2002 mit der Bundesverdienstmedaille und 2009 mit der Ehrenspange der Stadt Höchstadt ausgezeichnet. Vom Verband landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen wurde sie 2006 mit dem silbernen Verbandsabzeichen geehrt. Außerdem erhielt sie mehrere Auszeichnungen des Baiersdorfer Unternehmens Schamel, der größten Meerrettichspezialfirma in Europa.
Totengebet ist am Montag, 30. Mai, um 18 Uhr in der Stadtpfarrkirche Höchstadt. Die Beerdigung findet am Dienstag, 31. Mai, um 14 Uhr in Etzelskirchen mit anschließendem Trauergottesdienst in der Stadtpfarrkirche Höchstadt statt.