Wer möchte in diesen Tagen nicht wissen, ob er mit dem Corona-Virus infiziert ist - oder vielleicht auch war? Einen Corona-Test zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Wer es schon einmal versucht hat, kann ein Lied davon singen. Aber es gibt da ja auch noch die Antikörper, die jeder Corona-Infizierte im Blut haben könnte.

Die Antikörper nachzuweisen, verspricht jetzt eine Firma aus Pappenheim. Die ist eigentlich in den Bereichen Energie und Mechatronik aktiv, hat seit Corona aber auch Schutzmasken, medizinische Schutzkleidung, Desinfektionsmittel und sogar einen Covid-19-Antikörper-Test im Portfolio.

Wie das Pappenheimer Unternehmen dem FT mitteilt, werde es diesen Test am 19. August in den Räumen einer Erlangen Firma am Langemarckplatz der Bevölkerung anbieten. Bereits am 15. August testen die Pappenheimer übrigens in Coburg.

Erwachsene, die sich testen lassen, müssen dafür 36 Euro bezahlen, eine vierköpfige Familie kann für 128 Euro erfahren, ob jemand Antikörper im Blut hat. Innerhalb von 15 Minuten sollen die getesteten Personen das Ergebnis bekommen - aufs Handy oder direkt vor Ort.

Keine Garantie

Mediziner aus der Region Erlangen halten von dieser Art von Tests allerdings nicht viel. Für Prof. Dr. Christian Bogdan, Direktor des Mikrobiologischen Instituts der Uniklinik Erlangen, hat "die routinemäßige Testung der Normalbevölkerung auf Antikörper gegen SARS-CoV2 keinen Sinn".

Der Nachweis von Antikörpern bedeute nicht, dass die betreffende Person dauerhaft vor dem Corona-Virus geschützt ist, erklärt Christian Bogdan auf Anfrage des FT. Es sei sogar so, dass aus einem positiven Test nicht abgeleitet werden könne, dass der Patient überhaupt vor einer Covid-19-Infektion geschützt ist. Die Tests, wie sie auch von der Pappenheimer Firma angeboten werden, würden zudem nicht das Vorhandensein von virusneutralisierenden Antikörpern nachweisen, so Bogdan.

Der Erlanger Institutsdirektor warnt, Menschen könnten aus dem möglichen Nachweis von Antikörpern sehr schnell den eventuell falschen Schluss ziehen, sie seien geschützt und würden dann auf Hygienemaßnahmen verzichten. Das würde eine völlig falsche Reaktion auslösen.

Die von einem kanadischen Unternehmen stammenden Tests, die in Erlangen und Coburg angeboten werden, sehen Bogdan und Kollegen "wissenschaftlich sehr kritisch", da die Fehlerquote relativ hoch ist. Wie der Erlanger Mikrobiologe weiter mitteilt, sei dieser Test aus Kanada im Mai von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) in den USA von der Zulassungsliste gestrichen worden.

Für Bogdan scheint dieses Testangebot eines der vielen Beispiele der vergangenen sieben Monate zu sein, wo Firmen plötzlich über Covid-19 neue Tätigkeitsfelder und Einkünfte generieren.

Der ärztliche Leiter des Kreiskrankenhauses St. Anna in Höchstadt, Inneren-Chefarzt Dr. Martin Grauer, kann einem solchen Antikörper-Test ebenfalls nicht viel Positives abgewinnen. Das Höchstadter Krankenhaus führe zwar auch Antikörper-Tests durch, beworben werden sie aber nicht. "Wir raten eher ab", sagt Grauer, der auch ausgebildeter Infektiologe ist.

Nützen würden solche Tests in erster Linie dem, der sie anbietet, so Grauer. Noch seien diese Tests "nicht richtig gut und nicht standardisiert". Interessenten bittet er um Geduld. Vernünftige Tests erwartet er erst in einigen Monaten.