Im Dunkeln steuern sie Rastanlagen auf Autobahnen und Bundesstraßen an, schlitzen Lkw-Planen auf und rasen mit der Beute in Kleinwagen davon: Vor allem in den Wintermonaten machen sogenannte Planen-Schlitzer Jagd auf wertvolle Fracht. Bevorzugte Beute: Fahrzeugteile, Hygiene- und Kosmetikartikel, Bekleidung und Elektronikartikel. Also Diebesgut, das man schnell wieder los wird.

Die Fahrer schlafen meist, wenn sie ausgeraubt werden. Die Polizei hat deshalb - trotz regelmäßiger Kontrollfahrten - wenig Chancen, die Täter zu schnappen. Zuletzt waren auch in Franken mehrere Zwischenfälle gemeldet worden. Auf der Rastanlage Frankenhöhe (A 6) entwendeten Diebe aus einem Sattelzug Anfang November 20 neue Lkw-Reifen. Wert: knapp 10 000 Euro.


Die Zahl der Diebstähle nimmt zu

Wenige Tage zuvor hatten Unbekannte auf den Rastanlagen Aurach-Nord und -Süd (A 3) die Planen von gleich 14 Fahrzeugen aufgeschlitzt. Geklaut wurde nichts, der Materialschaden beläuft sich trotzdem auf knapp 10 000 Euro. Und auch auf Rastplätzen der A 9 im Landkreis Bayreuth wurden im November zahlreiche Lkw-Planen aufgeschlitzt. Die Beute blieb überschaubar, unter anderem Reinigungsmittel im Wert von 3500 Euro.

Eine in Auftrag gegebene "Planenschlitzerstudie" des Instituts für Logistikrecht und Riskmanagement (ILRM) der Hochschule Bremerhaven zeigt: Die Zahl dieser Diebstähle nimmt weiter zu. Frachtführende Unternehmen sprechen von einem Anteil von 66 Prozent an den Gesamtladungsdiebstählen seit 2013. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass sich bereits jedes vierte Transportunternehmen mit dem Planenschlitzen auseinandersetzen musste. Was ebenfalls deutlich wurde: Entgegen der öffentlichen Meinung, werden die Taten zum Großteil nicht von organisierten Banden verübt. Der Schaden je Diebstahl beläuft sich laut Angaben der Befragten aus der Transportbranche auf rund 3550 Euro. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Wert je Ladungsdiebstahlfall weist einen Betrag von 17 400 Euro auf. Fazit: Bei Planenschlitzern handelt es sich eher um Gelegenheitsdiebe oder Kleinkriminelle.


Überfüllte Rastplätze

Trotzdem ist der jährliche Schaden beachtlich. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) schätzt diesen auf 300 Millionen Euro. Unternehmen versuchen deshalb, sich beispielsweise mit verstärkten Planen zu schützen. Denn besonders gefährdete Orte zu meiden, ist fast nicht möglich. "Viele Plätze sind überfüllt und die Fahrer müssen ja auch irgendwann ihre Ruhezeiten einhalten", sagt Rainer Seebauer vom Polizeipräsidium Mittelfranken.

Zudem sind in Deutschland - im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern - Rastplätze mit speziellen Vorkehrungen wie der automatischen Erfassung von Kennzeichen, einem Sicherheitszaun oder Videoüberwachungen noch Mangelware. "Diebe können sich recht ungestört auf dem Rastplatz bewegen. Auf der Suche nach wertvoller Fracht schneiden sie meist mehrere Planen auf", so Seebauer.

Da hilft es nur bedingt, wenn die Betreiber der Rastplätze die Parkplatz-Beleuchtung auf Vordermann bringen. "Manche Täter schrauben die Lampen einfach raus und gehen dann auf Diebestour."


Tipps gegen "Planen-Schlitzer"


1. Bei der Routenplanung, wenn möglich, längere Aufenthalte auf Autobahnparkplätzen meiden.

2. Tatschwerpunkte meiden. So sollten beispielsweise Alternativparkplätze auf dem Betriebsgelände von Kooperationspartnern in die Routenplanung einbezogen werden.



3. Statistisch ist das Risiko auf Auto-rasthöfen abseits der Autobahnen deutlich geringer. Gerade moderne Rasthöfe mit gut ausgeleuchtete Parkplätzen sollten genutzt werden.

4. Der beste Schutz gegen die Diebe ergibt sich durch die Verwendung von schlitzfesten Spezialplanen.