Luthers Thesenanschlag vor 500 Jahren feierten die Kirchengemeinden Mühlhausen und Weingartsgreuth mit einem wunderbaren Fest. Schwer zu beschreiben, was schöner war: Die zauberhafte Illuminierung, die beeindruckenden Gottesdienste, die Nacht der Lichter mit Taizé-Gebet, die Musik verschiedenster Stilrichtungen oder die zwischenmenschlichen Begegnungen.

Die Glocken der Pfarrkirche Maria und Kilian läuteten schon am Vorabend des Reformationstages das Jubiläum ein. Aus der Höhe des Kirchturms kündeten Bläser das Jubiläumsfest an. In völlig neues Licht getaucht, zeigte sich das Gotteshaus schon von weitem. Licht und Schatten verliehen dem altehrwürdigen Kirchenbau noch viel mehr Präsenz als am hellen Tage. Wer sich der Kirche von Westen näherte, wurde zum Innehalten motiviert: Bilder, Sprüche und Zitate einer Lightshow an der Westfassade forderten zum Nachdenken auf. Beim Betreten des Kirchenraums zog ein faszinierendes, künstlerisch gestaltetes Farbenspiel den Besucher in seinen Bann. So - mit allen Sinnen - hatte man das Gotteshaus noch nie gesehen, noch nie erlebt. Immer neue Blickpunkte taten sich auf. Auch der Umgriff von Kirche und Pfarrhaus war für das Fest gestaltet. Im gleißenden Licht kam die alte Kirchhofmauer erst so recht zur Geltung. Unzählige Kerzen ließen Hof und Pfarrhaus festlich strahlen.

Für die Bewirtung der vielen Besucher, die auch aus den umliegenden Gemeinden nach Mühlhausen geströmt waren, sorgten viele fleißige Hände. Bei kalten und heißen Getränken, Lutherbier und Bratwürsten kam es an den wärmenden Öfen zu vielen Begegnungen und guten Gesprächen.
Unter der Federführung von Kirchenvorsteher Holger Höhnlein waren für die Vorbereitung seit einem Jahr unzählige Helfer am Werk. Obwohl die Pfarrstelle derzeit vakant ist. Die Gemeinden werden von Pfarrer Andreas Sauer aus Lonnerstadt betreut.

Es möge "ein geistlicher Ruck" durch die beiden Kirchengemeinden gehen, wünschte sich Pfarrer Sauer bei der Eröffnung. Er hoffe, dass sie dadurch in der Nachfolge Jesu gefestigt und neu in seine Nachfolge gerufen werden. Die besondere Beleuchtung der Kirche solle zum einen an den Beginn der Reformation erinnern, zum anderen aber der Ehre Gottes dienen, "der uns im Gotteshaus sein Evangelium verkünden und die Sakramente reichen lässt". Die Illuminierung erinnere auch an Jesus als das Licht der Welt.

Dass "nicht in Abgrenzung, sondern im ökumenischen Geist und in ökumenischer Weite" gefeiert wurde, ist in Mühlhausen und der katholischen Schwestergemeinde Wachenroth fast selbstverständlich. "Wir feiern dieses Jubiläum nicht bloß nebeneinander oder gar gegeneinander, sondern miteinander", sagte Padre Gabriel Ramos Valiente, der die Grüße der Wachenrother Schwesterpfarrei Sankt Gertrud überbrachte. Die Suche nach dem Sinn des Lebens verbinde die Zeit heute mit der Zeit Martin Luthers. In einer Zeit des Wandels habe er die Kraft des Evangeliums neu erfahrbar machen wollen. "Deshalb wollen wir das tun, worum es Martin Luther gegangen ist: Christus neu entdecken!"

Ein "ökumenisches Grußwort unterm Kirchturm" sprachen auch die Bürgermeister Klaus Faatz (CSU, Mühlhausen) und Friedrich Gleitsmann (CSU, Wachenroth). An gleicher Stelle spürte Edwin Klein aus Weingartsgreuth am Abend des Reformationstages der Sprache Luthers nach. Mit dem berühmtesten (wenn auch nicht geschichtlich belegtem) Luther-Wort "Hier stehe ich und kann nicht anders", eröffnete Klein seinen Vortrag. Beendet wurde er mit einem Wort des Reformators, über das man heute eher schmunzeln kann: "Ihr könnt predigen über was ihr wollt, aber niemals über vierzig Minuten."

Und dann gab es noch einen ganz besonderen musikalischen Leckerbissen, den wohl Mühlhausens ehemaliger Pfarrer Heinrich Weniger initiiert hatte: "Samba meets Posaunenchor". Trommler und Bläser, allesamt mit Vogelmasken, zogen durch die Menge der Besucher ein und ließen die Aura des historischen Ortes mit der Musik verschmelzen.