Für Bürgermeister German Hacker (SPD) war es ein "historischer Moment": Am Samstag wurde der Grundstein für das neue Rathaus gelegt. Im Zuge der Corona-Beschränkungen wurde auf ein großes Event zur Grundsteinlegung jedoch verzichtet. "Wir haben ursprünglich geplant, eine große Veranstaltung auszurichten. Dies werden wir spätestens bei der Eröffnung nachholen, wenn größere Events hoffentlich wieder erlaubt sind. Trotzdem wollten wir nicht auf die traditionelle Grundsteinlegung verzichten. Diese gehört bei einem Bauvorhaben dieser Größenordnung einfach dazu", erklärte das Stadtoberhaupt.

Deswegen war der Kreis der Teilnehmer mit den beiden Pfarrern Karola Schürrle und Helmut Hetzel sowie Architekten, Projektleiter, Bauamtsleiterin Silke Stadter, Restaurator Tilmann Kühn und Oberbauleiter Gerd Schuster und Vertretern des Stadtrates auch überschaubar.

Rathaus gehört in die Mitte

Die beiden Pfarrer betonten, dass ein Rathaus in die Mitte gehöre, denn es werden für die Bürgerinnen und Bürger gebaut, die sich dort "Rat" holen können. Dazu gehören dann auch die Bediensteten der Stadt sowie die Mitglieder des Stadtrates. Der Segen Gottes galt aber nicht nur dem Neubau, sondern allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Beschäftigten auf der Baufirma und nicht zuletzt allen Menschen, die im neuen Rathaus ein- und ausgehen. "Wir freuen uns schone heute auf den Schlosshof mit seinen schönen Veranstaltungen und Festen", betonte Karola Schürrle.

Mit dem Beginn des Rohbaus geht das Projekt vom Entwurfszustand in die Umsetzung über. Der Neubau basiert auf den Entwürfen des Nürnberger Architekturbüros Bär, Stadelmann, Stöcker - die Gewinner eines EU-weiten Wettbewerbsverfahrens, das die Stadt 2015 durchführte und dessen Ergebnisse sie öffentlich ausstellte.

Das künftige Rathaus ist in Anlehnung an die Geschichte des Gebäudes eine Verbindung von Neubau und historischem Schlossgebäude. Im Zentrum des Ensembles entsteht, wie bereits beim Vorgängerbau, der so genannte "Schlosshof", also wieder ein Innenhof. Er wird gestaltet als eine großzügige Freifläche, die auch Platz für Veranstaltungen schafft. Der Neubau setzt sich als Zeitzeugnis der Gegenwart optisch vom Schloss ab und ist nur in den Obergeschossen angebunden. Der Gebäudeteil, der als Ratssaal genutzt wird, ragt repräsentativ über die anderen Geschosse.

Christoph Schmidt und Friedrich Bär, Projektleiter und Architekt des Nürnberger Büros, betonten, dass die Einbindung des historischen Schlosses in den Neubau für die Planer eine Herausforderung darstellte, wie überhaupt das gesamte Projekt in der Innenstadt nicht alltäglich für Planer uns Baufirmen sei. Die beiden Planer hatten viele Zahlen zum Rohbau mitgebracht und baten die Anwohner ebenso um Verständnis wie Bürgermeister Hacker für die vielen Lastwagen und das damit verbundene Verkehrsaufkommen.

Zeitkapsel im Sockel

Im Mittelpunkt stand die Einzementierung der Zeitkapsel in den Grundsteinsockel. Dieser wird später in den Rohbau des Gebäudes so integriert, dass die Abdeckplatte mit Wappen und Inschrift in einer Wand des neuen Rathausfoyers repräsentativ zu sehen sein wird. In die Schatulle aus Edelstahl wurden aktuelle Tageszeitungen ebenso gesteckt wie das Amtsblatt und natürlich aktuell gültige Münzen. Die Nachwelt kann dann auch einmal die Baupläne, den Ablauf der Grundsteinlegung, eine Broschüre zur Markenstilistik der Stadt Herzogenaurach und insbesondere einen Mund-Nase-Schutz samt Hygienekonzept studieren.

Drei Hammerschläge

Zur Zeremonie gehörte außerdem, dass der Bauherr, vertreten durch Ersten Bürgermeister, mit einem Grundsteinhammer drei Mal symbolisch auf den gesetzten Stein schlug. Der Segen und diese Tradition sollen dem Bauwerk Schutz, Glück und Erfüllung zusprechen.

Mit "It's a long way" gab der Bürgermeister einen Abriss des Zeitplanes. Er begann mit dem Beschluss des Stadtrates am 16. März 2011 und und nannte auch den Juli 2014, als der Stadtrat die Erstellung eines Gesamtkonzeptes, bestehend aus Generalsanierung des Schlosses und Abriss sowie Ersatzneubaus des Rathauses aus den 60er-Jahren, beschloss. Hacker erwähnte den Umzug in das Interimsrathauses, die archäologischen Grabungen und den Start der Tiefbauarbeiten vor einem Jahr Nach Betonierung des ersten Teiles der Bodenplatte werden derzeit die ersten Kellerwände erstellt.

Schloss ist älter als gedacht

Im Schloss läuft die Sanierung derzeit auf Hochtouren und die Zimmerleute sind mit den Holzbalkendecken beschäftigt. Bürgermeister Hacker lobte insbesondere die handwerkliche Qualität der Firmen. So sei es im Schloss höchste Zeit für eine Sanierung gewesen, denn immer wieder werden schadhafte Stellen an den Balkendecken entdeckt.

Die Sanierung führe aber auch zu neuen Erkenntnissen zur Baugeschichte. Der Kern des Schlosses (westlicher Teil des Südflügels) stammt nicht wie bisher angenommen von etwa 1417, sondern kann nun in die Zeit um 1350 datiert werden. Bereits um 1417 bekam dieser Teil ein neues Dach und die Erweiterung des Südflügels kann auf etwa 1428 datiert werden. Im Zuge der Errichtung des Ostflügels und der barocken Überformung des Südflügels (Schloss in seiner heutigen äußeren Form) in den Jahren 1712 bis 1720 (jetzt durch Fälljahre 1719 und 1720 bestätigt) wurden die Decken im Südflügel höhenmäßig durch eine zweite Balkenlage angepasst.

Appell an die Fairness

In seiner Ansprache appellierte der Bürgermeister zum Neubau des Rathauses an eine sachliche und faire Diskussion. Im Stadtrat habe es zum Projekt immer eine breite Mehrheit gegeben. "Sonst würden wir heute nicht hier stehen", sagte Hacker. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Transparenz des Vorhabens, auf die Internetseite der Stadt und die Baustellenkommunikation.

Laut Kostenberechnung wird der Neubau rund 28 Millionen Euro kosten und die Sanierung des Schlosses wird auf acht Millionen Euro beziffert. Dazu kommen noch die Außenanlagen für rund 1,7 Millionen Euro. "Wir versuchen, das größte Bauprojekt der Stadt nach Kräften im Kostenrahmen zu halten", erklärte der Bürgermeister. Dass es Unwägbarkeiten gab und möglicherweise noch geben wird, verhehlte der Bürgermeister auch nicht und erinnerte schmunzelnd an die Störche, die partout nicht weichen wollen.

Die Störche waren auch bei der Ansprache der Planer ein Thema, trotz aller Vergrämungsversuche und Ausweichquartiere blieben die Störche beharrlich und bekamen letztlich eine Sondergenehmigung der Regierung. "Es gibt nichts, was es nicht gibt, der Posten Unvorhergesehenes ist nicht umsonst enthalten", betonte Hacker mit einem Augenzwinkern.

"Ich freue mich wahnsinnig auf das neue Rathaus, denn die Planung ist vielversprechend", erklärte der langjährige CSU-Stadtrat Franz-Josef Lang, der zusammen mit Altbürgermeister Hans Lang in der ersten Reihe die Zeremonie verfolgte.

Abschließend warb Bürgermeister German Hacker bei allen Anwohnern und Gewerbetreibenden im Umfeld sowie an den Zufahrtsstraßen um Verständnis und Geduld. Außerdem wünschte er allen Beteiligten weiterhin einen unfallfreien Verlauf der überaus komplexen Baustelle.