20 Jahre lang hatte die "Alte" gehalten. Zwei Jahrzehnte und 20 Auftritte, wenn man das so sagen darf. Denn die Erntekrone wird in Dechsendorf nur zum Erntedankfest herausgeholt. Sonst hängt sie in der Scheune vom Joseph Bäßler. Unter dem Scheunendach, "damit die Mäuse nicht drankommen", erklärt der Dechsendorfer.
Das funktioniert, beim Abbau der alten Krone, die etwas unansehnlich geworden ist, fallen noch Hunderte von Körnern aus den Ähren. Es war die zweite Krone, die 1996 entstand. 1985 hatte der Heimatverein erstmals eine Krone gebaut. "In diesem Jahr ließen die Dechsendorfer alte Traditionen wieder enorm aufleben", erklärt die Vorsitzende Carmen Henniger.
"Von der Tracht bis zu dieser Krone zog die Tradition wieder in den Erlanger Ortsteil."
Und auch jetzt, bei der Dritten Krone sind wieder ein Dutzend Freiwilliger gekommen, um Hafer, Gerste, Weizen, Triticale und Roggen in Hunderte von kleine Buschen zu binden, die dann von der ehemaligen Vorsitzenden Regina Kindler und dem Hofbesitzer "Sepp" Bäßler an das Kronengestell gebunden werden.


Von Habern und Waazn

Learning by doing, selbst die kurzzeitig verdächtigte Betty, dass sie an den beiden anderen Kronen bereits beteiligt gewesen sei, gibt lächelnd zu, dass sie zwar seit Jahren die Krone zum Erntedankfest in der Kirche schmücke, aber "für mich ist das ein Debüt". Spaß hat die 87-Jährige dennoch, oder gerade deswegen. Wie alle anderen auch, denn monetären Lohn gibt es nicht. Die Bauern spenden das Getreide, die Mitglieder des Vereins die Zeit. Gut vier Stunden dauert der Bau der Krone.
"Mehr Habern, der Waazn is fertig!" In der Scheune geht es fränkisch-zünftig zu. Noch! Denn der Heimatverein in Dechsendorf hat im Gegensatz zu anderen Heimatvereinen noch einen guten Zulauf. Rund 300 Mitglieder, drei Dutzend Jugendliche und Kinder, die sich rege beteiligen. "Aber wir wissen nicht, ob die alle noch da sind, wenn in 20 Jahren wieder eine Krone gebunden werden muss", sagt Henniger.


Immer weniger Anbau

Ob die aufwendige Handarbeit wirklich gewürdigt wird, weiß die Heimatvereinchefin nicht. "Ich vermute, es würde erst auffallen, wenn die Krone mal nicht mehr ist."
Es würde auch etwas fehlen. Denn wenn Erntedank ist, wird die Krone, die dann noch mit den Früchten der Region umgeben sind, von dem Hof zur Kirche getragen. Ein imposantes Bild. Apropos: Aus der Region. Es werde schon allein schwieriger, weil die Bauern in der Region immer weniger Getreide anbauen. Es lockt die Biogasanlage und der einfache Maisanbau. "Das ist für alle Beteiligten nicht gut", sagt Bäßler.
Vielleicht finden sich aber auch wieder Mitglieder, die das Brauchtum und die Tradition auch in Zukunft erhalten.