Auch der letzte Tag dieses Jahres wird von Corona geprägt sein. Silvesterfeiern sind heuer nur sehr eingeschränkt mit maximal fünf Erwachsenen aus zwei Haushalten möglich. Gäste müssen dann bei den Gastgebern übernachten, weil von 21 bis 5 Uhr die nächtliche Ausgangssperre gilt. Das traditionelle Silvester-Feuerwerk wird diesmal zum Jahreswechsel den Himmel nicht erleuchten.

Im Aischgrund werden hier und da höchstens einzelne Raketen aufsteigen und es wird vielleicht ohrenbetäubend krachen. Die Raketen stammen dann aus dem letzten Jahr, die illegalen Böller mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Polen oder Tschechien.

Während Städte wie Nürnberg die Silvesterknallerei generell untersagt haben, gibt es ein solches Verbot im Landkreis Erlangen-Höchstadt nicht. Wie stellvertretender Pressesprecher Johannes Hölzel am Montag auf Anfrage des FT mitteilte, gebe es bisher für den Landkreis keine Sonderregelungen. Es gelte weiterhin die "11. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung".

Feuerwerk kein triftiger Grund

Danach darf die Wohnung während der nächtlichen Ausgangssperre auch an Silvester nicht ohne triftigen Grund verlassen werden. Das Zünden von Raketen und Böllern gilt nicht als triftiger Grund. Allerdings, so stellvertretender Pressesprecher Hölzel, falle in der Verordnung unter den Begriff Wohnung auch der Balkon und das eigene Grundstück. Wer beim Böllern aber auf der Straße oder auf öffentlichen Plätzen angetroffen wird, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Die großen Leidtragenden sind diesmal all die, die mit Pyrotechnik ihr Geld verdienen. Das fängt bei den Herstellern von Feuerwerkskörpern an und endet bei kleineren Fachgeschäften wie dem Bastelstübchen Holler in Lonnerstadt. Dem hat die Regierung am 16. Dezember mit dem Verbot des Verkaufs von Feuerwerkskörpern 25 Prozent des Jahresumsatzes gestrichen.

Wie alle in der Branche waren die Hollers auch heuer für Silvester gerüstet. Der ausgebildete Großfeuerwerker Roland Holler und Sohn Fabian, der diese Ausbildung derzeit absolviert und wie der Vater zusätzlich auch Bühnenfeuerwerker ist, haben im Oktober und November ihre Lager mit hochwertigem Feuerwerk gefüllt, das jetzt nicht verkauft werden darf. "Den Druck der Werbeprospekte konnten wir gerade noch stoppen", sagt Roland Holler. Alleine das wären Kosten im vierstelligen Bereich gewesen.

Auch wenn die Hollers das Feuerwerksgeschäft im Nebenerwerb betreiben, hat Fabian das ganze Jahr über auch mit dem Internet-Auftritt auf die drei Tage vor Silvester hingearbeitet. An diesen Tagen muss normalerweise das Geld verdient werden. Daraus wird jetzt nichts. Ein Teil der hochexplosiven Ware muss gar vernichtet werden. Aber nicht nur das Silvestergeschäft fällt für die Feuerwerker aus. Bei zahlreichen Hochzeiten und anderen Festivitäten hätten sie das Jahr über den Himmel erleuchtet.

Illegale Böller aus dem Osten

Die Hollers haben volles Verständnis für die Corona-Auflagen. Dass sie jetzt aber kein Feuerwerk verkaufen dürfen, können sie nicht nachvollziehen. "Der Feuerwerksverkauf ist für unser Geschäft wie die Kirchweih für die Gastwirte", sagt Vater Holler. Er weiß, dass sich viele Deutsche in Polen und Tschechien teils mit bei uns nicht zugelassenen Böllern eindecken. Manche sind dann sogar noch so dreist und fragen in Lonnerstadt nach, ob man ihnen nicht die Zündschnüre für ihre gefährlichen, illegalen Bomben verlängern könnte.

Ganz auf das Silvesterfeuerwerk verzichten möchten Vater und Sohn Holler aber nicht. Damit dieser Brauch bei der nachwachsenden Generation nicht in Vergessenheit gerät, wollen sie am Dienstag von 10 bis 12 Uhr vor ihrem Laden Kinder- und Tischfeuerwerk verschenken. Diese Feuerwerkskörper der Kategorie F1 - wie Knallerbsen, Eisfontänen und Wunderkerzen - sind erlaubt. Die Aktion soll übrigens auch als Protest verstanden werden.