Der Skiurlaub fällt aus, die Reise zu den Verwandten in Norddeutschland wird wegen Corona ebenfalls abgesagt. Da ist jetzt zwischen Silvester und Dreikönig die ideale Zeit, um endlich einmal Keller und Wohnung zu entrümpeln. Also, Anhänger vom Nachbarn ausleihen, alles drauf, von dem man sich schon lange trennen will, und noch kurz vor der Mittagspause ab zum Wertstoffhof nach Medbach.

Biegt man dann am Ende des Höchstadter Ortsteils Richtung Deponie ab, sieht man schon nach wenigen Metern, dass diese Idee viele andere ebenfalls hatten. Die Warteschlange aus voll beladenen Kombis und Anhängern scheint endlos. Naja, bis 12 Uhr ist eh geöffnet, denkt sich so mancher. In den 20 Minuten bis zur Mittagspause werde ich meinen Müll da schon noch los.

Nur acht Personen gleichzeitig

Diese Anlieferer haben ihre Rechnung aber ohne Corona gemacht. In Zeiten der Pandemie darf der Wertstoffhof nur betrieben werden, wenn sich Personal und Kunden an die strengen Corona-Auflagen halten. Die lassen bei Maskenpflicht nur acht Personen gleichzeitig aufs Gelände.

Um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten und denen, die noch drin sind, ein sicheres Abladen zu ermöglichen, schließt die Anlage in Medbach schon 15 Minuten vor dem offiziellen Termin. Auf diese Sonderregelung macht in roter Schrift nicht nur die Homepage des Wertstoffhofs aufmerksam, auch an der Einfahrt weisen Zusatzschilder darauf hin. Doch welcher Autofahrer nimmt davon schon Notiz?

Wenn dann ein Mitarbeiter der Anlage in der Zufahrt auftaucht, das Tor schließt und den schon länger wartenden Müllanlieferern klar macht, dass sie jetzt vor der einstündigen Mittagspause nicht mehr eingelassen werden können, brennt manchen die Sicherung durch. "Die Leute werden aggressiv, haben angeblich keine Zeit und wir haben wieder die Arschkarte gezogen", sagt einer, der schon jahrelang auf dem Wertstoffhof arbeitet. Für ihn ist es der Corona-Frust der Menschen, der da gleich mit abgeladen wird.

Die Belegschaft in Medbach hat für den Frust und manche Aggression abgewiesener Anlieferer einerseits zwar Verständnis, bekommt andererseits aber auch Besuch von Gesundheitsamt und Polizei, die das Einhalten der Auflagen kontrollieren.

Betrieben wird der Wertstoffhof in Medbach vom Abfall-Zweckverband Erlangen/Erlangen-Höchstadt. Dessen Geschäftsführerin Silke Knörlein kann den Ärger derer nachvollziehen, "die schon eine halbe Stunde mit dem Auto anstehen und dann doch nicht mehr reinkommen". Um die Mittagspause ausfallen zu lassen und mit Schichtdienst zu überbrücken, hat Knörlein allerdings zu wenig Personal. Die fünf Mitarbeiter auf der Anlage seien zwingend nötig, die Pause schreibt das Arbeitsschutzgesetz vor.

Abholsystem funktioniert

Auffallend ist für die Geschäftsführerin auch, dass in den vergangenen Tagen in Medbach ein wesentlich größerer Andrang herrschte als auf den Wertstoffhöfen in Herzogenaurach und Erlangen. Die Mitarbeiter in Medbach sehen den Grund dafür in ihrem größeren Einzugsbereich.

Mit Blick auf die Warteschlangen in Medbach erinnert Silke Knörlein auch an das "funktionierende Abholsystem im Landkreis Erlangen-Höchstadt. "Es wird alles abgeholt", sagt sie, von Papier über gelben Sack, Restmüll bis zum Sperrmüll. So mancher Anlieferer könnte sich die Fahrt nach Medbach sparen.

Tut aber offensichtlich kaum jemand. Am gestrigen Dienstag standen nach der Mittagspause um 13 Uhr bereits wieder 37 Fahrzeuge in der Schlange.