"Die Lage ist ernst", sagt Bianca Dotterweich, Pflegedienstleiterin am Kreiskrankenhaus St. Anna in Höchstadt. Sie ist täglich hautnah mit der Pandemie konfrontiert. Corona bestimmt inzwischen auch in St. Anna den Betriebsablauf.

Eindringlich appelliert sie an die Vernunft der Bürger, die Schutzmaßnahmen einzuhalten. Abstand, Masken, Hygiene und Kontakte soweit wie möglich vermeiden. Was Corona anrichtet, erlebt sie täglich im Dienst.

Der ärztliche Leiter, Inneren-Chefarzt Dr. Martin Grauer, beschreibt die aktuelle Lage am Kreiskrankenhaus so: "Viel Luft ist nicht mehr, wir laufen auf Reservetank." Für die Covid-Patienten ist in Höchstadt eine abgeschlossene Station eingerichtet. Die Zahl der infizierten Patienten schwankt, auch die derer, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Mal mehr, mal weniger, dann gibt es wieder drei Zugänge auf einmal.

Gegenseitig aushelfen

Sechs Betten mit Beatmungsgeräten gibt es auf der neuen Intensivstation. "Wir sind täglich im Gespräch mit der Uniklinik Erlangen", sagt Grauer. Bei der Unterbringung und Versorgung der Patienten hilft man sich gegenseitig, auch mit anderen Kliniken in der Region wird regelmäßig die Situation erörtert.

Für das Personal bedeuten die Corona-Patienten eine besondere Belastung. Schwestern und Pfleger müssen den ganzen Tag volle Schutzausrüstung tragen. "Man schwitzt damit sehr schnell. Vor allem, wenn man sich bewegt, wie bei der Grundpflege", berichtet Dotterweich.

Auf der Covid-Station müsse besonders konzentriert gearbeitet werden. Der Umgang mit Infektionskrankheiten sei zwar unser Job, sagt die Pflegedienstleiterin, aber man habe es hier mit einem neuen Virus zu tun. Manche Mitarbeiter seien per Attest von der Betreuung von Covid-Patienten befreit, aber für alle anderen gebe es kein "ich will nicht".

Oberstes Ziel des Höchstadter Krankenhauses ist es, handlungsfähig zu bleiben. Denn neben Corona müssten auch noch die anderen Patienten versorgt werden. Bisher sei man ganz gut durch die Krise gekommen, blickt Dotterweich zurück.

Täglich wird neu organisiert

Ihre Hauptaufgabe ist es derzeit, von Tag zu Tag das Personal zu organisieren. Täglich wird die Lage besprochen und auch umgeschichtet. Weil die Mitarbeiter am Anschlag arbeiten, rechnet Dotterweich damit, dass weiterhin der eine oder andere ausfällt. Mit aktuell nur zwei an Corona erkrankten Beschäftigten stehe das Höchstadter Haus gegenüber anderen Kliniken noch gut da, sagt der Chefarzt. Der Hälfte der Mitarbeiter hat er auch schon die erste Impfung verpasst und mahnt generell, sich auch die zweite im richtigen Abstand zu holen.

Um den zusätzlichen Pflegebedarf stemmen zu können, hat das Krankenhaus schon vor Weihnachten begonnen, über den Pflegepool des Freistaats, den Rettungsdienst und Katastrophenschutzbund weitere Helfer zu akquirieren, was bereits zu einer Entlastung führt.

Dotterweichs Wunsch ist es generell, die Hausärzte eng in die Patientenbetreuung einzubinden. Sie sollten ihre Patienten in der jetzigen Zeit nur in Notfällen an Krankenhäuser verweisen. Auch Pflegeheime sollten ihre Patienten aus Krankenhäusern schnell wieder aufnehmen.

Im Höchstadter Haus fokussiere man sich darauf, so Dotterweich, stabile Intensivpatienten zeitnah auf die Normalstation zu verlegen, um wieder freie Intensivkapazitäten zu schaffen. Chefarzt Grauer registriert jetzt in Corona-Zeiten "50 Prozent mehr Intensivkapazität als üblich". Jenseits von Corona laufe in St. Anna der normale Notfallbetrieb natürlich weiter.

Noch fünf Wochen durchhalten

Um das Gesundheitssystem nicht kollabieren zu lassen, appelliert Grauer dringend an die Bevölkerung, "noch drei bis fünf Wochen durchzuhalten".