Erlanger Bierfest als Kulturerbe ausgezeichnet: Ein Fest der Traditionen

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Die traditionsreiche Erlanger Bergkirchweih ist ins Bayerische Kulturerbe aufgenommen worden. Das berühmte Bierfest will auch in Zukunft auf Tradition und echtes Brauchtum setzen.

Wenn zu Pfingsten der "Berg ruft", pilgern über eine Million Besucher nach Erlangen – und das bereits seit 271 Jahren. Die Erlanger Bergkirchweih, liebevoll "Berch" genannt, vereint auf einzigartige Weise jahrhundertealte Bierkultur mit fränkischer Gemütlichkeit. Unter schattenspendenden Linden- und Kastanienbäumen, in denkmalgeschützten Kellerhäuschen und über historischen Felsenkellern wird hier Geschichte lebendig – eine Tradition, die Generationen verbindet und weit über Frankens Grenzen hinaus Menschen begeistert.

Das älteste Bierfest der Welt erfährt nun eine ganz besondere Würdigung: Die Aufnahme ins Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes unterstreicht die herausragende kulturhistorische Bedeutung dieses Volksfestes. Diese Anerkennung ist nicht nur Ehrung, sondern auch Verpflichtung – denn sie rückt den Erhalt der authentischen Festkultur in den Fokus. Während sich andernorts Volksfeste zunehmend zu reinen Partymeilen entwickeln, setzt die Bergkirchweih bewusst auf die Bewahrung ihres traditionellen Charakters.

Kulturerbe-Status offiziell: Bergkirchweih setzt auf Tradition statt Ballermann-Atmosphäre

Ende März 2026 wurde es offiziell: Die Erlanger Bergkirchweih ist nun Teil des Bayerischen Landesverzeichnisses des Immateriellen Kulturerbes. Wie die Stadt Erlangen in ihrem RathausReport vom 27. März 2026 mitteilte, wird die Stadtverwaltung die Auszeichnung gezielt nutzen, um die überregionale Sichtbarkeit des Festes zu stärken. Damit gehört die Bergkirchweih zu insgesamt 103 Einträgen im bayerischen Verzeichnis – darunter auch die Fürther Michaelis-Kirchweih, das Goldschlägerhandwerk in Schwabach und die bayerische Brautradition nach dem Reinheitsgebot.

Besonders bemerkenswert: Die Kellerwirte kündigten anlässlich der Auszeichnung an, künftig verstärkt auf Tradition und Gemütlichkeit zu setzen – und bewusst weniger auf Bier, Party und Ballermann-Atmosphäre. "Die Aufnahme in das Landesverzeichnis ist eine besondere Anerkennung für unsere Bergkirchweih und alle, die sie seit Generationen mit Leben füllen", erklärte "Berg"-Referent Konrad Beugel. Gleichzeitig sei die Auszeichnung Ansporn und Auftrag, den historischen Charakter des Festes auch in Zukunft zu bewahren, wie BR24 berichtet. Diese Neuausrichtung unterstreicht den Willen, das authentische Erlebnis der Bergkirchweih für kommende Generationen zu sichern.

Pünktlich zum Start der Vorbereitungen auf die 271. Bergkirchweih läuft auch die Vermarktung auf Hochtouren. Bereits ab dem 30. März 2026 können Besucher Bierwertmarken für die Kitzmann-Keller bestellen – ein Zeichen dafür, dass die Vorfreude auf das traditionsreiche Fest bereits Wochen vor dem offiziellen Anstich am 21. Mai steigt. Zudem laufen die baulichen Vorbereitungen: Am Striezi Keller (Tucher Keller) werden derzeit umfangreiche Sanierungsarbeiten durchgeführt, nachdem der Keller 2025 nur mit Sondergenehmigung teilnehmen konnte, wie der Fränkische Tag berichtet.

Große Ehre für den "Berch": Hintergrund der Kulturerbe-Auszeichnung

Die Aufnahme ins Landesverzeichnis ist das Ergebnis einer breiten Zusammenarbeit zwischen Kellerwirten, Schaustellern, dem Verein Bergflair ERhalten e.V. und der Stadt Erlangen. Die historische Bierkultur, die denkmalgeschützten Kellerhäuschen und die teils über hundert Meter tiefen Felsenkeller im Burgberg bildeten das überzeugende Fundament für die Bewerbung. Mit ihrer mehr als 270-jährigen Geschichte gilt die Bergkirchweih als ältestes Bierfest der Welt, wie die Stadt Erlangen betont.

Die Wurzeln der einzigartigen Tradition reichen zurück bis ins Jahr 1755, als der Erlanger Stadtrat beschloss, den Pfingstmarkt mit dem Vogelschießen der Schützenkompagnie zusammenzulegen und in das Keller-Areal zu verlegen. Seitdem hält die Begeisterung der Besucherinnen und Besucher ungebrochen an. Die Bergkirchweih findet traditionell am Donnerstag vor Pfingsten statt und endet am ersten Montag nach Pfingsten. Während der zwölf Festtage erwarten die Veranstalter Hunderttausende von Besucherinnen und Besuchern aus ganz Franken und darüber hinaus.

Über 270 Jahre lebendige Bierkultur

Laut Stadt Erlangen speist sich die besondere Anziehungskraft des "Berch" aus mehreren einzigartigen Elementen:

  • Die historische Bierkultur, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht
  • Die denkmalgeschützten Kellerhäuschen, die als sogenannte Lusthäuschen ab 1718 entstanden
  • Die teils über hundert Meter tiefen Felsenkeller im Burgberg, in denen Erlanger Brauereien seit Ende des 17. Jahrhunderts ihr Bier lagerten
  • Die authentische Atmosphäre, die Tradition und Gemütlichkeit vereint

Breite Zusammenarbeit führt zum Erfolg

Den Anstoß für die Bewerbung gaben laut Mitteilung der Stadt Erlangen insbesondere die Kellerwirte und Schausteller. Federführend stellte der Verein Bergflair ERhalten e.V. den Antrag beim Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat. Die Antragstellung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Erlangen, Beratern, der Königlich privilegierten Hauptschützengesellschaft Erlangen sowie mit den Kellerwirten. "Diese breite Zusammenarbeit war entscheidend für die hohe Qualität der Bewerbung", betonte "Berg"-Referent Konrad Beugel.

Wertvolle Unterstützung kam auch von außen: Der Austausch mit der Stadt Fürth, deren Michaelis-Kirchweih bereits seit 2018 im Verzeichnis geführt wird, lieferte wichtige Hinweise für den Bewerbungsprozess. Besonderer Dank gilt laut Beugel neben den Ehrenamtlichen im Verein "Bergflair ERhalten" auch ehemaligen Mitarbeitern der Stadtverwaltung. Dr. Andreas Jakob, der frühere Leiter des Stadtarchivs, sowie Jochen Buchelt, Bierexperte im Heimat- und Geschichtsverein, begleiteten und unterstützten den Bewerbungsprozess maßgeblich.

"Die Bergkirchweih ist weit mehr als ein Volksfest – sie ist gelebte Tradition, die Generationen verbindet", betont die Stadt. Mit der offiziellen Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe wird diese besondere Verbindung nun auch überregional sichtbar gemacht. Die Bergkirchweih gehört zur DNA der Stadt Erlangen – und das seit nunmehr 271 Jahren.

Streitfrage: Ist die Bergkirchweih das älteste Bierfest der Welt?

Die Erlanger Bergkirchweih wird vonseiten der Stadt als "ältestes Bierfest der Welt" betitelt – doch wie belastbar ist diese Behauptung? Fest steht: Das Volksfest ist nachweislich 55 Jahre älter als das weltberühmte Münchner Oktoberfest, das erstmals 1810 stattfand. Wie BR24 berichtet, ist die Erlanger Bergkirchweih "Deutschlands ältestes Bierfest" – eine Formulierung, die auf sicherem Boden steht. Die Stadt Erlangen selbst geht noch einen Schritt weiter und bezeichnet den "Berch" als "ältestes Bierfest der Welt". Diese Selbstbezeichnung bezieht sich auf kontinuierlich stattfindende Volksfeste mit Bierausschank, die bis heute in ihrer ursprünglichen Form gefeiert werden.

Tatsächlich lässt sich die Behauptung international nur schwer verifizieren. Weltweit könnte es ältere lokale Bierfeste geben, die jedoch nicht so bekannt oder dokumentiert sind. Die Bergkirchweih kann aber für sich in Anspruch nehmen, das älteste durchgehend dokumentierte und in seiner Tradition bewahrte Bierfest zu sein. Mit über 270 Jahren Geschichte, den historischen Felsenkellern und den denkmalgeschützten Kellerhäuschen verfügt sie über ein einzigartiges kulturelles Fundament, das nun auch durch die Aufnahme ins Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes offiziell gewürdigt wird.

Im Vergleich zu anderen großen deutschen Volksfesten ist die Datenlage eindeutig: Das Oktoberfest wurde 1810 gegründet, das Cannstatter Volksfest in Stuttgart startete 1818, und auch das Gäubodenvolksfest in Straubing ist deutlich jünger. Selbst wenn der Titel "ältestes Bierfest der Welt" eine gewisse Selbstvermarktung beinhaltet – in Deutschland und vermutlich auch in Europa ist die Bergkirchweih konkurrenzlos das älteste ihrer Art.

Fränkisches Kulturerbe in seiner Vielfalt

Die Erlanger Bergkirchweih steht nicht allein: Franken ist reich an kulturellen Traditionen, die als Immaterielles Kulturerbe gewürdigt werden. Das Bayerische Landesverzeichnis enthält zahlreiche fränkische Einträge, die die besondere kulturelle Vielfalt der Region widerspiegeln. Fünf der 13 im Jahr 2024 neu aufgenommenen Kulturformen kommen aus Franken, was die besondere Bedeutung der Region für das bayerische Kulturerbe unterstreicht.

Immaterielles Kulturerbe in Mittelfranken:

  • Erlanger Bergkirchweih (neu aufgenommen 2026)
  • Kunigundenfest in Lauf an der Pegnitz
  • Goldschlägerhandwerk in Schwabach
  • Windsbacher Knabenchor
  • Treideln auf dem Ludwig-Donau-Main-Kanal (von Kelheim bis Bamberg)

Immaterielles Kulturerbe in Oberfranken:

  • Kronacher Schwedenprozession
  • Genussregion Oberfranken (als Gute-Praxis-Beispiel)
  • Bewahrung und Förderung von Kultur, Vielfalt und Qualität regionaler Spezialitäten in Oberfranken
  • Kulturformen der Nutzung bäuerlicher Gemeinschaftswälder im Steigerwald und angrenzenden Regionen
  • Flechthandwerk in Oberfranken

Immaterielles Kulturerbe in Unterfranken:

  • Sennfelder und Gochsheimer Friedensfeste mit Plantanz
  • Lohrer Karfreitagsprozession
  • Traditionelle Wiesenbewässerung in Franken

Wie BR24 berichtet, wurden 2024 fünf mittel- und oberfränkische Traditionen ins Bayerische Landesverzeichnis aufgenommen. Ferner gehören auch weitere fränkische Traditionen wie die Bamberger Gärtner, die Dörrobstherstellung im Steigerwald und die Fürther Michaelis-Kirchweih zum Immateriellen Kulturerbe. Neben der Bergkirchweih zählen auch zahlreiche weitere Kirchweih-Traditionen im Raum Erlangen zum gelebten Brauchtum der Region.

Was ist Immaterielles Kulturerbe?

Das Konzept des Immateriellen Kulturerbes unterscheidet sich grundlegend vom bekannten UNESCO-Weltkulturerbe. Während letzteres Bauwerke oder Naturstätten umfasst, fokussiert sich das Immaterielle Kulturerbe auf lebendige Traditionen wie Tanz, Theater, Musik, Bräuche, Feste und überliefertes Wissen. Immaterielles Kulturerbe – kurz IKE – sind lebendige Traditionen, die einer Gemeinschaft ein Gefühl der Identität und Kontinuität vermitteln, so das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat.

Seit 2003 stellt die UNESCO immaterielle kulturelle Ausdrucksformen in den Fokus der Öffentlichkeit. Weltweit sollen überliefertes Wissen und Können, das einen wesentlichen Bestandteil der Alltagskultur darstellt, sichtbar gemacht werden. Zudem werden Maßnahmen zu dessen Erhalt und Weiterentwicklung unterstützt. Deutschland trat dem UNESCO-Übereinkommen im Jahr 2013 bei. Neben dem bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes existieren eigene Länderverzeichnisse in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und im Saarland. Um die besondere kulturelle Vielfalt im Freistaat sichtbar zu machen, wurde 2013 parallel zur nationalen Liste ein eigenes "Bayerisches Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes" eingerichtet.

Die kulturellen Ausdrucksformen, die im Bayerischen Landesverzeichnis gelistet sind, stehen stellvertretend für die Vielfalt des kulturellen Erbes in Bayern. Sie zeigen, wie sich unzählige Menschen im Freistaat für den Erhalt und die Weitergabe ihrer lebendigen Traditionen engagieren. Die Erlanger Bergkirchweih ist damit in illustrer Gesellschaft und reiht sich ein in eine Liste von Kulturformen, die das bayerische Erbe in seiner ganzen Bandbreite repräsentieren – von traditionellem Handwerk über Festbräuche bis hin zu musikalischen Traditionen.

Ausblick: Bergkirchweih 2026 mit neuem Titel

"Der Berg ruft!" – unter diesem Motto findet die 271. Erlanger Bergkirchweih vom 21. Mai bis 1. Juni 2026 statt, wie die Stadt Erlangen bekannt gibt. Erstmals wird das traditionsreiche Volksfest dabei den prestigeträchtigen Titel als Immaterielles Kulturerbe tragen – eine historische Premiere für den "Berch".

Die Bergkirchweih 2026 beginnt traditionell am Donnerstag vor Pfingsten, dem 21. Mai, mit dem feierlichen Fassanstich durch den Oberbürgermeister um 17 Uhr. Über eine Million Besucher werden erneut auf dem Gelände rund um den Burgberg erwartet. Zwölf Festtage lang verwandelt sich das historische Areal in ein fröhliches Beisammensein mit Musik, Bier, Tanz und traditionellen Fahrgeschäften.

Besucherinnen und Besucher können sich auf folgende Highlights freuen:

  • Zwölf Festkeller mit denkmalgeschützten Kellerhäuschen unter schattenspendenden Linden- und Kastanienbäumen
  • Traditionelles Bergkirchweih-Festbier, das eigens für das Fest eingebraut wird
  • Rund 90 Schausteller mit Fahrgeschäften und Kirmesattraktionen
  • Das traditionelle Riesenrad als weithin sichtbares Wahrzeichen der Bergkirchweih
  • Live-Musik auf verschiedenen Bühnen in den Kellern
  • Der Berggottesdienst am letzten Sonntag der Bergkirchweih
  • Das traditionelle Bierbegräbnis am Abschlusstag, bei dem sich die Besucher mit weißen Taschentüchern zum Lied "Lili Marleen" vom "Berch" verabschieden

Mit der frischen Auszeichnung als Immaterielles Kulturerbe dürfte die Bergkirchweih 2026 noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Veranstalter setzen dabei verstärkt auf die Bewahrung der traditionellen Atmosphäre und des historischen Charakters, der das älteste Bierfest der Welt seit über 270 Jahren auszeichnet.

Vorschaubild: © Daniel Karmann/dpa