Unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich dieser Tage ein Jubiläum ereignet: Das Stadtmuseum kann auf die Fertigstellung des großen Spitalgebäudes auf dem Kirchenplatz vor 20 Jahren zurückblicken. Denn im Herbst 2000 ging eines der größten Sanierungsprojekte der Stadtgeschichte zu Ende: Der gut 500 Jahre alte, stattliche Bau gegenüber der Kirche wurde ein ganzes Jahrzehnt lang umgebaut und restauriert. Seither ist das Stadtmuseum dort beheimatet.

Museumsleiterin Irene Lederer hat schon Anfang des Jahrtausends in einem Buch des Herzogenaurachers Fritz Spieß über Geschichte und Geschichten aus der Stadt eine Abhandlung geschrieben. Nach zehnjähriger Umbauzeit, so berichtet sie, nahm das ehemalige Pfründnerspital "Zum Heiligen Geist" das Stadtmuseum auf.

Das spätmittelalterliche Fachwerkgebäude wurde 1511 errichtet und gehört zu den interessantesten Häusern in der Stadt. Das Baudenkmal blieb über die fünf Jahrhunderte hinweg größtenteils in Originalsubstanz erhalten, erfährt der Leser, und es wurde aufwändig in historischen Techniken restauriert. Und das nutzt auch dem Museum: Denn Befunde zur Bautechnik und zur Baugeschichte wurden sichtbar gelassen und und werden während der Rundgänge durch das Stadtmuseum auch erläutert.

Groß gefeiert wurde die Neueröffnung des Stadtmuseums am 29. September 2000. Der damalige Bürgermeister Hans Lang betonte, dass am Kirchenplatz ein historisches Schatzkästlein entstanden ist. Er dankte dem Heimatverein und vor allem dem früheren Heimatpfleger Richard Tille, aber auch Klaus-Peter Gäbelein und Fritz Spieß. So berichtet es das Amtsblatt am 12. Oktober 2000.

Luitpold-Maier-Zimmer

Dank der Sammlertätigkeit des Vereins und dank zahlreicher Schenkungen und Vermächtnisse sei der Museumsbestand stetig angewachsen, hieß es bereits vor zwei Jahrzehnten. Zu den Vermächtnissen gehört auch das Zimmer des Herzogenauracher Ehrenbürgers Luitpold Maier.

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m Juni 1990 wurde die Sanierung in Angriff genommen. Schnell wurde klar, dass frühere Umbauten dem Gebäude erheblich zugesetzt hatten, obwohl ja ein großer Teil der Originalsubstanz des spätmittelalterlichen Fachwerkbaus erhalten bleiben konnte. Ein statisches Gutachten und eine Befunduntersuchung bildeten 1991 und 1992 die Grundlage für ein Sanierungskonzept. Ab 1993 herrschte reges Leben auf der Baustelle, beendet wurden die Arbeiten dann aber erst im Jahr 2000. Bürgermeister Hans Lang sprach bei der Eröffnung von einer Sanierung mit Blick in die Zukunft: "Originalgetreu renoviert, ohne den Bezug zur heutigen Zeit zu vernachlässigen" seien die Arbeiten gewesen.

Das große Spital am Kirchenplatz blickt auf eine mehr als fünf Jahrhunderte lange Geschichte zurück. Der Herzogenauracher Historiker Klaus-Peter Gäbelein beleuchtete diese in einem FT-Bericht zum 500. Geburtstag des Bauwerks im Jahre 2008.

Im Jahre 1508 hatte sich der Rat der Stadt Herzogenaurach entschlossen, für alte und erwerbsunfähige Bürger der Stadt ein Spital zu errichten, in dem ihnen nicht nur eine Behausung, sondern auch Verpflegung geboten werden sollte. Gäbelein schrieb: "C(K)untz (=Konrad) Reyt(h)er, zu Niederndorf geboren, der in Herzogenaurach das Tuchmacher- und Färberhandwerk erlernt hatte, später in Nürnberg mit Tuchen, Wolle, Papier, Eisen und 'Weydt' (Waid ist eine Farbpflanze) handelte, ist der Stifter des hiesigen Spitals." 1511 war das Spital fertig gestellt. Die Stiftungsurkunde wurde ausgestellt und von Fürstbischof Georg von Bamberg genehmigt.

Die Geschichte des Stadtmuseums indes geht bis ins Jahr 1908 zurück. Darauf geht Irene Lederer in ihrem Beitrag im Buch "Geschichte und Geschichten aus Herzogenaurach" ein. Damals eröffnete der Historische Verein im Herzogenauracher Stadtturm ein erstes stadtgeschichtliches Museum. Im zweiten Weltkrieg wurde ein großer Teil der Bestände zerstört. Seit 1969 war die Sammlung dann im ehemaligen Bamberger Amtsschloss untergebracht. 1989 begannen dann bereits die Planungen zur Neukonzeption des Stadtmuseums im historischen Spitalgebäude, dessen Sanierung gleichsam parallel in Angriff genommen wurde.