Was ist denn heuer in den Weihern los?, wird sich so mancher fragen, der aufmerksam durch den Aischgrund streift. In fast allen Karpfenteichen ist deutlich weniger Wasser als sonst, manche sind sogar schon komplett ausgetrocknet. Die fehlenden Niederschläge zu Beginn des Jahres treffen die Teichwirtschaft jetzt mit voller Wucht.

Die meisten Teiche im Aischgrund sind sogenannte Himmelsweiher, häufig auch noch in Ketten angelegt. Sie werden ausschließlich von dem gespeist, was vom Himmel fällt. Weil heuer von Januar bis März Schnee und Regen ausblieben, "wurden die Teiche schon im Frühjahr nicht voll", sagt Andreas Schmidt, ein junger Teichwirt aus Biengarten. "Es hat seit Weihnachten nicht mehr richtig geregnet", ergänzt Gerhard Schmidt, der Vater von Andreas.

Für die Fischzüchter bedeutet die aktuelle Wasserlage eine Menge zusätzlichen Stress.
"Die Verluste sind aber erst beim Abfischen zu sehen", meint Gerhard Schmidt. Der niedrige Wasserstand führt zu höheren Temperaturen und lässt den Sauerstoffgehalt dahinschmelzen. Täglich müssen die Weiher belüftet werden.

Bei den Schmidts macht sich Sohn Andreas jeden Morgen um 5.15 Uhr auf, um den Sauerstoffgehalt in den einzelnen Teichen zu messen und die Belüfter anzuwerfen. Weil es an den Weihern keine Stromanschlüsse gibt, muss der Traktor gestartet werden.

Ein anderes Problem kommt aus der Luft. Unter anderem bewirtschaften die Schmidts einen Setzlingsweiher bei Biengarten. In dem zu normalen Zeiten rund ein Meter tiefen Weiher ist der Wasserstand inzwischen auf unter 30 Zentimeter gesunken. Für den Fischreiher ist dies ein ideales Jagdrevier. Der Vogel stellt sich in den Teich und holt sich die einjährigen Karpfen heraus. "Jeden Tag stehen vier bis fünf Reiher in dem an die 4000 Quadratmeter großen Teich", beobachtet Andreas Schmidt. Um den Verlust nicht zu groß werden zu lassen, müssen die kleinen Karpfen wohl auch vorzeitig abgefischt und in andere Weiher umgesetzt werden.

Martin Oberle, Leiter der Höchstadter Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft am Institut für Fischerei, hat die ersten Notabfischungen wegen Wassermangel bereits im Juli mitbekommen. Auch die Außenstelle selbst sei betroffen. Einige Teiche der Außenstelle wurden erst gar nicht besetzt.

Die Qualität der Fische dürfe nicht leiden, fordert Oberle. Für den Aischgründer gelte normalerweise eine Besatz-obergrenze von 800 Karpfen pro Hektar Teichfläche. Wegen der geringen Niederschläge lasse die Regierung in diesem Jahr Ausnahmen von der Obergrenze zu - aber nur in Teichen mit genügend Wasser.

Als Fußballplatz von Kindern zweckentfremdet wird derzeit der völlig ausgetrocknete Luderweiher in Höchstadt-Süd. Erstmals seit Jahrzehnten hat dieser Weiher heuer kein Wasser. Der Höchstadter Teichwirt Georg Schmitt, dem die darunter liegenden Weiher gehören, sieht einen Grund auch darin, dass aus dem Wald kein Wasser mehr kommt. Früher wurde der Luderweiher auch aus dem Wald gespeist.