Wolfgang Bauersachs bekennt: "Bedauerlicherweise kommen meine Sportfreunde und die Verwandten und Bekannten, also mein Privatleben jetzt etwas zu kurz." Doch gefragt, ob er den Schritt wieder tun würde, kommt ein eindeutiges "Ja!"

Wie wohl fühlen Sie sich an Ihrem neuen Schreibtisch? Haben Sie im Amtszimmer etwas verändert?
Wolfgang Bauersachs: Ich fühle mich sehr, sehr wohl in dem Amt des Bürgermeisters, weil es auch wieder eine Aufgabe ist, die hauptsächlich vom Umgang mit Bürgern geprägt ist. Bereits in der Bauverwaltung hatte ich sogenannten "Kundenkontakt" und schon dort war der Lohn meiner Arbeit ein zufriedener Bürger.
Jetzt, in dem "neuen" Büro ist das nicht anders, allerdings mit dem Zusatz, dass ich in die Aufgaben eines Bürgermeisters zusätzlich meine Erfahrung aus über 24 Jahren Tätigkeit im
Rathaus in Weitramsdorf einfließen lassen kann.
Der Schreibtisch im Büro wurde umgestellt, so dass ich den Blickkontakt mit dem Besucher sofort bei Eintreten aufnehmen kann. Eine kleine Maßnahme nur, für die Wertschätzung derer und für das folgende Gespräch jedoch ein großer Gewinn.
Die Fenster sind derzeit noch nicht dekoriert. Hier habe ich die Lamellenvorhänge abnehmen lassen, weil sie den relativ kleinen Raum im geschlossenen Zustand noch kleiner gemacht haben. Hier will ich einen Fens terbehang haben, der den Blick nach draußen zulässt und gleichzeitig das Fenster schmückt.

Was waren die ersten Dokumente/Anfragen, die nach dem Amtsantritt auf Ihrem Schreibtisch gelandet sind?
Ehrlich gesagt, das weiß ich nicht mehr. Nach dem Amtsantritt am 1. Mai mit Besuchen bei den verschiedenen Festen folgte der Freitag mit einem (nach der Rathausöffnungszeit) halben Bürotag. Der erste Jubilar, dem ich als Bürgermeister an diesem Tag zum 80. gratulieren durfte, bot mir das "Du" an, so angetan war er von meiner Art, wie er sagte. Der laufende Geschäftsbetrieb im Büro ging nahtlos weiter.
Die Arbeitskollegen und deren Sachgebiete waren mir schon bekannt, so dass die Kennenlern-Phase entfallen konnte. Das bedeutet aber auch, dass ich, bedingt durch die Vakanz in meiner vorherigen Stelle, zwei Arbeitsplätze zu besetzen hatte. Auch noch nach 100 Tagen bin ich gefragter Ratgeber in meinem vorherigen Geschäftsbereich.

Haben Sie schon bemerkt, dass sich die Einstellung der Bürger Ihnen gegenüber verändert hat? Reagieren Sie bereits, wenn jemand ruft "Hallo, Herr Bürgermeister?"
D ie Einstellung der Bürger mir gegenüber hat sich, nach meiner bisherigen Erfahrung, gar nicht verändert. So wie wir jetzt miteinander umgehen, haben wir auch schon früher den Umgang miteinander gepflegt. Was sich allerdings enorm geändert h at, ist das Interesse an meiner Person, nicht nur als Bürgermeister.
Beim Gang oder Radfahren durch die Gemeinde, bei Begegnungen mit anderen kommunalen Amtsträgern oder Verantwortlichen aus der Wirtschaft, auf Veranstaltungen jeglicher Art wird mir so viel Aufmerksamkeit zuteil, es finden so viele Gespräche, auch kleine Plaudereien statt, wird freundlich "Hallo Herr Bürgermeister" gerufen, wie ich das vorher in der Fülle nicht ansatzweise erlebt habe.
Das, was ich dort erfahre, fließt gleichzeitig auch in meine Arbeit als Bürgermeister ein und so werden Sorgen und Nöte, Wünsche und Anregungen der Bürger zur Bearbeitung mit ins Rathaus getragen.

Stehen Sie in Kontakt mit Ihrem Vorgänger/tauschen Sie sich mit ihm aus?
Nachdem mein Vorgänger in den Gemeinderat gewählt wurde, habe ich natürlich Kontakt zu ihm, auch außerhalb von Sitzungen. Wie ja bekannt ist, waren wir Konkurrenten um das Bürgermeisteramt. Der Bürger hat sich mit deutlicher Mehrheit für mich entschieden und will die Bürgermeisterarbeit von mir erledigt wissen. Allerdings ist es auch zu verstehen, dass zwölf Jahre verantwortliches Tätigsein als 1. Gemeindeoberhaupt nicht so einfach abgelegt werden können, was leider dazu führt, dass in der Zusammenarbeit noch Raum für Verbesserung ist.