Maximilian Neubauer, so viel sei vorweggenommen, spricht ein klares und gutes Hochdeutsch. Aber seine Stimme kennen über 40.000 Internetnutzer eher durch Sätze, wie: "Das Schlimmste an der Sache ist, das sie immer Aff sagen", "Probier mo Neustoddo Broutwörscht, des sen die Besten", "Außen roh und innen verbrannt?" oder "Halt die Gosch".

Die hat Neubauer eigentlich für seinen "gudn aldn Maddin" eingesprochen und über den Trailer des französischen Films "Willkommen bei den Sch'tis" gelegt. Danach stellte er das Video auf die Internetplattform Youtube.
Der Rest ist ein kleines Stück Geschichte des World-Wide-Web. "Eigentlich war es eine persönliche Sache, aber irgendwie ist es dann zum Selbstläufer geworden", sagt Neubauer auf Nachfrage des Tageblatts.

Im Originalfilm wird ein französischer Postbeamter von Marseille in den äußersten Norden Frankreichs strafversetzt.
Die Geschichte hinter der Neustadter Version - mit viel Humor betrachtet - ist gar nicht so unterschiedlich: "Maddin" heißt auf "Nicht-Neustadterisch" Martin Deinzer und kommt aus Nürnberg. Er war fünf Jahre Streetworker und Diakon in Neustadt. In dieser Zeit hat sich Neubauer mit ihm angefreundet und zusammen mit ihm ehrenamtlich ein Rugby-Team geleitet. Als Deinzer Neustadt verlassen musste, hat Neubauer ihm das Video gemacht, es bei Youtube hochgeladen und dem scheidenden Diakon auf dem Abschiedsfest den Link fürs Internet gegeben.




Bei Nacht und Nebel

"Das war eigentlich ganz witzig, es war eine Nacht und Nebelaktion. Die Situation in dem Film hat gut auf die von Martin gepasst", sagt Neubauer. Gemacht hat Neubauer das rund zweiminütige Video an einem Abend, "in so zwei bis drei Stunden". Der bearbeitete Filmtrailer ist inzwischen der Top-Treffer, wenn man bei Youtube Neustadt bei Coburg eingibt.

Zur Zeit macht Neubauer eine Ausbildung zum Erzieher und Diakon in Rummelsberg bei Nürnberg. Eine Entscheidung an der sein Freund "Maddin" nicht ganz unschuldig ist, wie der 22-Jährige erklärt: "Die Zeit mit Martin hat meinen beruflichen Werdegang schon beeinflusst. Die soziale Arbeit mit ihm hat mir viel Spaß gemacht, auch deshalb habe ich mich für meinen Weg entschieden."

Martin Deinzer, sagt Neubauer, hat sich über den kurzen Film gefreut. Danach geriet er fast in Vergessenheit und hatte erst wenig Aufrufe auf Youtube. Aber nach ein paar Monaten wurde Neubauer von seinen Freunden auf das "coole Neustadt-Video" angesprochen. Sie wussten nicht, dass Neubauer der Schöpfer der visuellen Parodie im Neustadter Dialekt war.

Nicht nur durch die Sprache - Neubauer hat alle Stimmen selbst eingesprochen - transportiert der Film Humor, sondern auch über alte und neue Vorurteile, wie die kulinarische Vorliebe der Neustadter für Hunde und die Konsistenz der Bratwürste.

Klischees und Sprachwitz

"Das hat mir mal mein Opa erzählt. Nach dem Krieg haben die Neustadter für die Coburger Hunde geschlachtet, aber die Coburger behaupten, dass die Neustadter die selbst gegessen haben." Die Konkurrenz der beiden Nachbarn in Sachen Bratwurst-Qualität ist allgemein bekannt.

Dass im Film die Neustadter Würste "außen roh und innen verbrannt sind", war eigentlich ein Versprecher, aber erfreute sich bei den Zuschauern großer Beliebtheit. Rund 60 fast ausschließlich positive Kommentare sind unter dem Video zu finden. "Richtig lustig wurde es, als das Video mehr Klicks bekam, als Neustadt Einwohner hat.", erinnert sich Neubauer. Auch ältere Leute freuen sich über den Film, denn Neubauer hatte erfahren das er sogar auf einer Veranstaltung des Roten Kreuzes mit vielen Senioren als Gäste gezeigt wurde und die Zuschauer es lustig fanden.

Leider keine Fortsetzung

Eine komplette Version von "Willkommen bei den Sch'tis" wird es aber nicht geben, wie Neubauer erkärt: "Ich arbeite ab und an noch an anderen Projekten, bin aber vorsichtiger beim Hochladen von Videos geworden." Den Trailer eines Films darf man zwar hochladen, aber bei einem ganzen Film gibt es rechtliche Probleme.

Ein E-Mail von Youtube, mit dem Angebot Werbung vor seinem Film zu schalten hat er auch schon bekommen. "Das habe ich abgelehnt. Erstens war es ein Spaß-Projekt und so viele Klickzahlen, dass es sich finanziell lohnt, sind es auch nicht."

Vor kurzem haben sich die zwei Freunde erst getroffen und haben auch nochmal über den Film gesprochen. "Wenn wir zusammen sind, kommt immer was Lustiges raus", sagt Neubauer.